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Trägerportal: Gutes Potential – verschenkt!

Plätze frei - Ausgabe aktuell belegter und freier Plätze in KiTa und Pflegeheimen (c) familienfreunde.de

Seit vielen Jahren ist die Stadtverwaltung bestrebt, das Problem der Doppelanmeldung, des Windhundverfahrens und der damit verbundenen seit langem ungenauen Bedarfsplanung bei Krippen- und Kindertagesstätten zu beheben. Durch die Kooperation der Verwaltung und dem eigenen Stromversorger war es letztes Jahr endlich möglich die Summe von jährlich 20.000 Euro für drei Jahre zur Verfügung zu stellen. Nach etlichen Verschiebungsmitteilungen wurde das Trägerportal am 16.09. in der Version 1.0.4. in den produktiven Betrieb gegeben. Knapp 4 Stunden später hatten die familienfreunde und weitere 23 Vertreter anderer Kommunen und Landkreise die Chance, ein paar Details zu erfahren.

Leider bezog sich die Präsentation während der KOMCOM, der IT-Messe für kommunale Anwender, fast ausschließlich auf Problemanalyse und Zielentwicklung. In einer (!) Folie wurde das Konzept zum Trägerportal kurz angerissen und vom Programmierer der LECOS auch fachinhaltlich in Bezug auf Bedarfsplanung und Bevölkerungsentwicklung erläutert. Leider wurde zu diesem Zeitpunkt, auch auf Nachfrage aus dem Publikum, auf einen direkten Einblick verzichtet. Mit Fragen zu Wunsch- und Wahlrecht gemäß sächsischem KiTa-Gesetz haben wir uns zurückgehalten, um nicht als ‚Stimmungsmacher‘ abgetan zu werden.

zu wenig technische details

Überrascht wurden wir mit dem technischen Hintergrund, dass Zugang zum Trägerportal nur über spezielle Computer und mit personen(!)bezogenen Zertifikaten erfolgen kann. Aus Datenschutzgründen begrüßen wir dies sehr, es wirft aber auch einige Fragen auf. In einer indivudellen Vorführung mit echten (!) Daten einer uns bestens bekannten Einrichtung haben wir einen noch tieferen Blick und leider auch Ernüchterung erlangt. Die Zahlen aus der Betriebserlaubnis sollen (so wahrheitsgemäß wie möglich) durch die KiTa-Leitung eingeben werden. Eine Prüfung durch das Jugendamt kann/soll aus technischen Gründen nicht erfolgen. Ebenso ist, nach Aussage auf der Messe, die Eingabe von Überkapazitäten jederzeit möglich.

Integrationsplätze, also Plätze für Kinder mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen, können zwar im Trägerportal verwaltet, aber nicht über das Elternportal gebucht werden. Zu diesem Zweck sollen die Eltern zwingend den Weg in die Einrichtung gehen. Weiteres Manko scheint die Nichtbeachtung der Barrierefreiheit zu sein – wichtiger war das Look and Feel der leipzig.de-Seite zu übernehmen. Hier müssen Test mit Screenreadern und Textbrowsern zeigen, ob die Anforderungen der EU an entsprechende Auftritte erfüllt werden.

Sicher ist es für den oder die Eingebende im Trägerportal von Vorteil, wenn für das Beschreiben der Konzeption der Einrichtung ein großes Textfeld inkl. Verweismöglichkeit auf die Einrichtungs- bzw. Trägerseite besteht. Auch ist eine Volltextsuche sehr angenehm. Jedoch ist es aus Sicht der Filtermöglichkeit durch die verschiedenen beschreibenden Worte bzw. deren Schreibweise eher suboptimal.

Schlussendlich bleibt uns nur eines hinzuzufügen:

Die Eltern im Großraum Leipzig haben nun lange genug gewartet. Nach den vielen verschobenen Terminen ist es an der Zeit auch das Elternportal in Angriff zu nehmen. Außerdem bleibt zu hoffen, das trotz der starken Einbindung in das Vergabesystem die Freien Träger trotzdem Freie Träger bleiben und Wert auf ein individuelles und hochwertiges Konzept legen.

 

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