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Leipzig: begegnen – bilden – barrierefrei?!

Jugendliche klatschen ab (c) S. Hofschlaeger / pixelio.de

Mit Blick auf den kommenden Donnerstag findet in Leipzig der 17. Tag der Begegnungen für Menschen mit und ohne Behinderung statt. Kein besserer Ort eignet sich dafür als der Leipziger Marktplatz. Und auch das Familienbüro Leipzig wird zum 3. Mal mit einem Stand und umfangreichen Informationen dabei sein. Auf’s Wetter geschaut, ist nichts schlimmes in Sicht und auch die Urlaubs- bzw. Sommerferienzeit ist unlängst beendet. Alle Voraussetzungen sind also prima für eine der besten Veranstaltungen des Jahres 2013.

(Wieder-)Beleben aber richtig!

Eingebunden in die Woche der Wiederbelebung vom Sechzehnten bis Zweiundzwanzigsten September 2013 hat dieser Tag der Begegnung eigentlich (s)einen Platz in der Gesellschaft verdient und sollte an sich keiner weiteren Ankündigung bedürfen. So wird es ein wunderbares handgemachtes Bühnenprogramm geben, jede Menge spannende schulpädagogische Projekte und natürlich auch spannende Rahmenveranstaltungen über die ganze Woche. Doch trotz aller positiven Aus- und Einblicke stimmt uns dieser Tag der Begegnung ein um das andere mal nachdenklich. Aus den letzten Jahren wissen wir, dass sich die Beteiligung (aus unterschiedlichsten Gründen) leider in Grenzen hält.

 

Was ist ein Tag der Begegnung ohne Begegnungen?

Postiv überrascht, halten wir den umfangreichen Flyer in der Hand. Das Motto „Bildung barrierefrei“ ist auch in Blindenschrift „draufgeschrieben“ allerdings nur das Motto – und für den der es in Blindenschrift lesen muss auch nicht lesbar, weil nicht gestanzt. Beim offiziellen Vorbereitungstreffen stellte sich (wieder mal) heraus, dass die prognostizierten Besucherzahlen, in einer blühenden, wachsenden und pulsierenden Halb-Millionenstadt, ein um’s andere Mal hauptsächlich durch die teilnehmenden Aussteller und Akteure aquiriert sind. Nicht einmal 500 Teilnehmer sind bestätigt.

Eine weitere Herausforderung aus den letzten Jahren haben wir insofern vor Augen, dass die Besucherzahlen am Morgen diese Spitze aufgrund von Bühnenprogramm und eingebundenen Akteuren durch aus erreichten – im Tagesverlauf ab Mittag jedoch stark abebbten, um nicht zu sagen am frühen Nachmittag versiegten wie eine schwindende Wasserquelle. Ebenso nachdenklich und traurig stimmt uns die Teilnahmemoral der Leipziger Bildungslandschaft. Im Gegensatz zum letzten Jahr hat sich z.b. die Anzahl der teilnehmenden Schulen auf insgesamt nur noch 4 Stück vermindert. Zu wenig, wie wir finden obwohl laut VeranstalterInnen alle Schulen informiert sind. Da es kein Tag der Behinderung sondern der Begegnung mit dem anspruchsvollen Tenor für Menschen mit und ohne Behinderung ist, sollten neben Menschen mit Handicap natürlich auch Menschen ohne Handicap in möglichst allen Altersgruppen teilnehmen.

Eine Garantie vom letzten Tag der Begegnung ergibt sich aus der Location: Der Leipziger Marktplatz ist im Herzen der Stadt und wird sicher auch den ein oder anderen auswärtigen Besucher anziehen. Jedoch bleibt die Frage im Raum stehen, warum nur so wenig Schulen, Kindertagestätten, Unternehmen und Institutionen das als Plattform begreifen, um sich zu präsentieren und teilzunehmen oder vom Bühnenprogramm, den Akteuren und den Begleitveranstaltungen als Thema bzw. Weiterbildung für die Erweiterung des Horizontes zu profitieren?

Was sich das Familienbüro wünscht

Seit nun mehr 6 Jahren betreibt die Familienfreund KG das Familienbüro Leipzig und nimmt unter anderen regelmäßig an Veranstaltungen dieser Art teil. Oft treffen wir auf wissbegierige bekannte Gesichter. Über jeden neuen Besucher freuen wir uns. An unserem Stand informieren wir Menschen von 0 bis 99plus rund um Familie, Vereinbarkeit und Beruf. Dabei sind Schnittstellen zwischen den Generationen, dem Arbeitgeber oder/und Bildungs- bzw. Betreuungseinrichtungen im Alltag kein kann sondern ein Muss an denen wir uns vernetzend und verbindend einsetzen.

Bildung barrierefrei funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Die UN-Behindertenkonvention verpflichtet seit 2008 nicht nur zur Integration sondern auch zur Inklusion. Dabei ist das Motto: „Barrierefreiheit beginnt im Kopf und endet nicht bei Um-, Aus oder Neubauten“ Programm. Was längst klar ist, dass Separation und Inklusion sich im Bildungs- und Gesellschaftssystem ausschließen . Unter anderem gehört dazu auch das Recht auf den Besuch eines Bildungsangebotes in einer Regeleinrichtung und den damit in Zusammenhang stehenden Nachteilsausgleich. Ein Tag der Begegnung mit nur wenigen teilnehmenden Leipziger Schulen, Kindertages- und (Aus-)Bildungsstätten, zeugt kaum vom großen Interesse an einer barrierefreien Bildungslandschaft in Leipzig.

Auf den Tag der Begegnung bezogen, liegt die Chance für die LeipzigerInnen darin am 19. September 2013 zwischen 10 und 16 Uhr auf dem Leipziger Marktplatz zu Gast zu sein. Sei es noch morgens mit der Kita-Gruppe oder der Schulklasse, sei es am Nachmittag mit den Eltern, den Freunden oder allein. Kommen Sie vorbei und riskieren sie einen Blick über den Tellerrand. Begegnen sie den zahlreichen Akteuren an den Ständen, den BetreuerInnen, den anwesenden PolitikerInnen oder einfach nur anderen Gästen. Kommen sie ins Gespräch und informieren sie sich darüber welche Aktionen, Bildungsangebote, Hilfen und Vielfalt es in Leipzig für den einzelnen Mensch und sein Handicap gibt. Vernetzen sie sich und tragen sie zu vielen, vielen Begegnungen bei.

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