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Viele wünschen individuelle Betreuung

Viele wünschen individuelle Betreuung (c) tagesmutti-habicht.de

Wenn Tagesmütter sich zusammenschließen, entsteht eine Mini-Krippe. „Und der Grundgedanke einer familiären Tagespflege geht verloren.“ Das sagt Martina Habicht, die in Miltitz ihr „Habicht-Nest“ mit fünf Sprösslingen betreut: „Viele Eltern wünschen sich eine individuelle Betreuung durch eine Tagesmutti, die für ihr Kind da ist.“ Die ehemalige Sekretärin, die selbst vier Kinder großgezogen und verschiedene Seminare für ihren neuen Beruf bestritten hat, reagiert damit auf einen Vorschlag von Anke Kästner und Ute Köhler-Siegel (beide SPD), die ein Modellprojekt initiieren wollen.

Tagesmutter Martina Habicht aus Miltitz hält SPD-Vorschlag einer Mini-Krippe für ungeeignet

Hintergrund: Wenn eine Tagesmutter unerwartet krank wird oder in den Urlaub fahren möchte, haben viele Familien ein Problem. Dem könnte man begegnen, wenn sich zwei bis drei Tagesmütter zusammenschließen und eine gemeinsame Wohnung mieten. In der Regel betreuen sie derzeit allein drei Kinder, fünf sind maximal erlaubt. Der SPD-Stadtratsfraktion schwebt vor, dass sich drei Erwachsene um maximal zehn Kinder kümmern.

„Der Vorschlag ist hinterwäldlerisch, denn es gibt unter den Tagesmuttis bereits gut funktionierende Netzwerke. Diese werden auch seitens des Jugendamtes unterstützt“, sagt Martina Habicht. „Der Krankenstand bei Tagesmüttern ist gar nicht so hoch. Urlaub können wir langfristig planen.“ Statt Geld für ein wissenschaftlich begleitetes Projekt auszugeben, könnte die Stadt gleich kleinere Krippen unterhalten und drei bis vier Erzieherinnen bezahlen, anstatt die Tagesmuttis mit einem Minibetrag abzuspeisen. Der liegt bei 2,04 Euro in der Stunde pro Kind. Finanziell wäre so eine gewerbliche Wohnung angesichts der Mieten und anderen Betriebskosten gar nicht zu betreiben. Das bestätigt auch Thomas Kujawa von der Familienfreund KG, die für Firmen und andere Interessenten flexible Betreuungsmöglichkeiten vermittelt. „Die Kalkulation ist schon jetzt derart knapp. Deshalb kann ich mir nur schwer vorstellen, wie so ein Projekt funktionieren soll, ohne Auswirkungen auf die Qualität zu haben.“ Es gebe allerdings Tagesmütter, die sich von einer gemeinsamen Arbeit mehr Effektivität versprechen.

Martina Habicht, die auch gerne Erfahrungen mit Kolleginnen austauscht, bleibt skeptisch: „Ich lasse meine Kinder beispielsweise in drei verschiedenen Räumen schlafen, weil sie zum Teil unterschiedliche Schlafzeiten haben. Wie soll das bei zehn Kindern gehen? Die kommen dann genauso wenig zur Ruhe wie in der Krippe“, nennt die engagierte Frau ein Beispiel. Sie hat zwar ein Eigenheim mit großem Garten, fährt aber mit ihren fünf Sprösslingen regelmäßig in den Zoo oder an den Kulkwitzer See. Hinzu kommt: Für eine Wohnung, die drei Tagesmütter anmieten, gelten ganz andere Vorschriften als daheim. So müssten beispielsweise diverse kindgerechte Umbauten erfolgen – etwa im Sanitärbereich. Scheitert das Projekt, müssten die niedrigen Waschbecken und Toiletten entfernt werden. Auch versicherungstechnische und rechtliche Fragen seien ungeklärt.

„Eine Zusammenarbeit ist möglich und auch erwünscht“, sagt Carmen Müller-Ziermann vom Verband Kommunaler Kinder und Jugendhilfe (VKKJ), die die Tagespflege im Auftrag des Jugendamtes koordiniert. Derzeit werde an einer Vertretungsregel gearbeitet, verschiedene Varianten diskutiert. Fällt momentan eine Tagesmutter kurzfristig aus, werde aber Ersatz geschaffen – manchmal sogar in einer benachbarten Kindertagesstätte. „Bisher haben wir das immer geschafft“, so Müller-Ziermann.
In Leipzig sollen bis Jahresende 1292 Tagespflege-Angebote entstehen, das sind 437 mehr als im Vorjahr.

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Dieser Artikel und das Bild wurden im Original am 25. Juni 2007 auf Seite 18 der Leipziger Volkszeitung veröffentlicht.

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