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Frauenquote in Norwegen hat wenig gebracht

Arbeit | Fuehrungskraft (c) Gerd Altmann / AllSilhouettes.com / pixelio.de

Die Frauenquote in Norwegen wurde Ende 2003 eingeführt. Die norwegischen Unternehmen hatten 2 Jahre Zeit die Anzahl der Frauen in ihren Aufsichträten zu erhöhen. Die Frauenquote in Norwegen sollten ab 2008 mindestens 40 % für Sitze in allen Verwaltungsräten der 600 börsennotierten Unternehmen betragen. Natürlich hatten die norwegischen Unternehmen daran zu knabbern. Ein wirkliches Phänomen war allerdings, dass plötzlich wenige Frauen in vielen verschiedenen Aufsichtsräten saßen.

Das Institut zur Zukunft der Arbeit veröffentlichte nun jüngst eine Studie, die sich damit befasst hat, ob die Einführung der Frauenquote in Norwegen etwas gebracht hat. Mit Hinblick darauf, dass auch in Deutschland die Einführung einer Frauenquote gefordert wurde, scheint die Evaluation höchst sinnvoll. In Deutschland sieht eine Gesetzesvorlage ab 2016 vor, dass große Unternehmen ihre Aufsichtsratsposten schrittweise mit Frauen besetzen. Dagegen läuft die deutsche Wirtschaft bereits seit 2013 Sturm.

Was die Frauenquote in Norwegen gebracht hat

Die IZA-Studie der Ökonominnen Marianne Bertrand, Sandra Black, Sissel Jensen und Adriana Lleras-Muney zieht darin eine gemischte Bilanz: Einerseits hat die Quote die männlichen Seilschaften an den Konzernspitzen erfolgreich aufgebrochen. Andererseits hat sich an der Situation von hochqualifizierten Frauen in der Wirtschaft insgesamt praktisch nichts geändert. Die Wissenschaftlerinnen warnen daher vor zu hohen Erwartungen an eine gesetzliche Frauenquote. Die erhofften Karriere- oder Einkommensvorteile haben sich dagegen für die norwegischen Frauen nicht eingestellt. Der Ansturm der Wirtschaft in Norgwegen gegen die Einführung der Frauenquote war ebenfalls stark. Einige Unternehmen änderten sogar ihre Rechtsform, um der Reform zu entgehen.

Mangelnde Qualifikation war kein Problem

Es gab und gibt in Norwegen genügend qualifizierte Frauen für die Position in den Aufsichtsräten. Laut Studie des IZB liegt das formale Qualifikationsniveau der weiblichen Mitglieder in den Verwaltungsrätenheute sogar höher als vor der Reform. In den Aufsichtsräten selbst gibt es deutlich weniger Einkommensunterschiede. Die Frauenquote in Norwegen fördert aber nicht wie erhofft, den weiblichen Führungsnachwuchs. Der Frauenanteil im mittleren Management blieb nahezu unverändert. Der Einkommensunterschied zwischen hochqualifizierten Männern und Frauen unterhalb der Führungsebene liegt nach wie vor bei rund 15 Prozent. Auch in der restlichen Belegschaft gab es keine positiven Auswirkungen.

Und beim Nachwuchs?

Die Studie ergab, dass in Norwegen weder Frauen vermehrt in Business-Studiengänge strömen, noch haben sich die Einstiegsgehälter der Absolventinnen denen ihrer männlichen Kollegen angepasst.  Je nach Studiengang noch immer eine Lücke von 22 bis 27 Prozent. Klar erhoffen sich die jungen Frauen Vorteile von der Quote in Bezug auf Einkommen und Karrieremöglichkeiten – allerdings treten diese nur ein, wenn sie wirklich Aufsichtsräte werden wollen würden. Das wiederrum können für sich die allerwenigsten wirklich zu Ende denken, da sie sich nicht vorstellen können ihre Familienplanung zugunsten der Karriere zurückzustellen.

Frauenquote in Deutschland

Im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD steht sie schon seit der letzten Wahl drin. Wenn es nach den SPD geführten Familien- und Verbraucherschutzministerien geht, sollen verbindliche Zielvorgaben für 3500 mitbestimmungspflichtige oder börsennotierte Unternehmen 2015 eingeführt werden. Die Unternehmen müssen sich dann für Aufsichtsräte, Vorstände und die oberste Managementebene eigene Fristen für mehr Frauen vorgeben. Statt gesund zu wachsen, soll es ab 2016 in den derzeit 108 größten, voll mitbestimmungspflichtigen und börsennotierten Unternehmen eine definierte Frauenquote von mindestens 30 Prozent für die Aufsichtsräte geben.

Schon einmal haben wir frei nach dem Motto „Nicht nur die Rosinen rauspicken…“ über die Vor- und Nachteile Norwegens und seine Familien- bzw. Bildungspolitik berichtet. Deutschland weicht in seiner Entwicklung in vielen wesentlichen Faktoren von Norwegen ab. Sich eben bestimmte wünschenswerte und scheinbar funktionierende Stückchen rauszupicken, macht im Detail betrachtet  keinen wirklichen Sinn. Die Arbeitgeber laufen und liefen schon seitdem die Frauenquote im Gespräch ist dagegen Sturm. Aus qualitativen und fachlichen Gründen ist es wünschenswert Menschen für eine Stelle zu finden, die auch Bock haben diese zu besetzen und mit Hingabe auszufüllen. Eine Frauenquote würde gleich einem Zwang zur Beschäftigung kommen und ebenso wie in Norwegen wohl dazu führen, dass wenige Frauen in vielen Aufsichtsräten sitzen würden. Außerdem sind alle positiven Effekte der Quote unmittelbar und auch langfristig auf das Gremium an sich begrenzt. Sollten einige Unternehmen aus Gründen in Betracht ziehen ihre Rechtsform zu ändern, würde wohl auch noch ein gesamtwirtschaftlicher Schaden entstehen.

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