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„lange öffnungszeiten lohnen sich nicht für alle läden“

mit dem Einkaufswagen durch den Supermarkt (c) sirigel / pixabay.de

im einzelhandel wurden in den letzten jahren die öffnungszeiten deutlich verlängert. erstmals hat nun eine studie das thema „kundenverhalten nach 20 uhr“ unter die lupe genommen. „die genauen bedürfnisse und ansprüche der späteinkäufer wurden bisher noch nicht wissenschaftlich untersucht“, sagt professor dr. ulrich kreutle von der akad hochschule stuttgart, „diese forschungslücke ist nun geschlossen.“

(ddp direct) bernd sebastian wolff, ausgebildeter diplom-geograf, hat beim fernhochschulverbund akad berufsbegleitend ein aufbaustudium in betriebswirtschaftslehre belegt. im rahmen seiner diplomarbeit befragte er etwa 500 probanden in zwei supermärkten, die nach 20 uhr auf shopping-tour waren. zudem wertete er die internen umsatzstatistiken und kauffrequenzanalysen aus. „durch den vergleich der beiden märkte konnte ich ableiten, welche faktoren standortabhängig sind und welche nicht“, erklärt der studienautor, „damit können meine ergebnisse dann auch auf märkte mit vergleichbaren rahmenbedingungen übertragen werden.“

der typische späteinkäufer ist demnach männlich, berufstätig und lebt in einem mehrpersonenhaushalt. mit einem alter von 36 jahren ist er deutlich jünger als der durchschnitt aller kunden in den untersuchten märkten. vom späteinkäufer werden dieselben artikel gekauft wie tagsüber auch − die meisten späteinkäufe sind geplant, was das gängige vorurteil vom spontanen abendlichen zigaretten- oder chips-kauf widerlegt. mehr noch: der regelmäßige einkauf nach 20 uhr ist für viele inzwischen selbstverständlich. allerdings sinkt nach 22 uhr die nachfrage spürbar.

erkennbarer trend: „just in time“-einkauf

was aber bringt den späteinkäufer dazu, nach 20 uhr in den supermarkt zu gehen? „zuallererst zeitknappheit“, sagt wolff, „dann die von vielen als angenehmer empfundene atmosphäre bei abendlichen einkauf. viele können um diese tageszeit den weg zum supermarkt auch gut mit etwas anderem verbinden wie beispielsweise den heimweg von der arbeit.“ viele späteinkäufer sind stammkunden, 60 prozent der befragten kaufen mindestens einmal pro woche nach 20 uhr ein, so ein weiteres ergebnis. und: die kunden haben nach 20 uhr genau dieselben ansprüche wie tagsüber − an qualität und frische des angebots, die warenverfügbarkeit und die servicequalität.

„die abendlichen einkaufsmöglichkeiten sind für die meisten kunden heute schon selbstverständlich“, sagt bernd sebastian wolff und zieht den rückschluss, dass das kaufverhalten sich durch die sukzessive ausweitung der öffnungszeiten nachhaltig verändert hat. „die kunden haben in gewisser weise die aufbewahrung von lebensmitteln von ihrem haushalt zum lebensmitteleinzelhandel zurück verlagert“, erklärt er, „man geht öfter einkaufen, das heißt, der früher verbreitete vorratskauf wird heute vielfach von einer art ,just in time’-einkauf abgelöst.“

auf der grundlage seiner studie bewertet der autor die längeren öffnungszeiten für den lebensmitteleinzelhandel insgesamt positiv: da der kundenandrang sich teilweise in den abend verschiebe, könnten extreme spitzen im tagesverlauf vermieden werden, was sowohl kunden als auch mitarbeiter entlaste. allerdings empfiehlt wolff nicht allen einzelhändlern öffnungszeiten bis 24 uhr: „da nach 22 uhr die nachfrage spürbar sinkt, lohnen sich längere öffnungszeiten meist nicht.“

der autor der studie, bernd sebastian wolff, steht für nachfragen bzw. interviews zur verfügung.

 

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