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Personalmanagement mit Gütesiegel vom TÜV

brief und siegel (c) S. Hofschlaeger / pixelio.de

Alles lässt sich prüfen, auditieren und mit einem Siegel auszeichnen. Unser ausgezeichnetes Brot kommt vom glücklichen Korn, die zertifizierten Eier werden nicht mehr in dunklen Hallen gelegt und der Kaffee mit Siegel wird von fröhlichen, jungen Frauen für uns nachhaltig in Säcke gefüllt. Da gibt es dann auch noch die Haselnusscreme, die in der Rubrik Nachwirkungen ein sehr gut erhalten hat und die Internetplattform, welche den Anschein erweckt, die ganze Plattform ist super und dabei wurde ’nur‘ der Umgang mit den Kundendaten vom Prüfinstitut unter die Lupe genommen. So gibt es eine lange Liste von guten und schlechten Beispielen, wie mit einem Label für mehr Durchblick beim Konsumenten gesorgt werden soll.

Aber lässt sich wirklich alles systematisieren und nach dem gleichen Schema testen?

Ganz selbstbewusst pingt mich Monster an und versucht die Aufmerksamkeit von Thomas Sattelberger, Tamara Weinzierl und mir mit <= 140 Zeichen auf das TÜV Siegel ‚Ausgezeichneter Arbeitgeber‘ zu lenken. Hat geklappt!

Auch wenn es bereits ein Gütesiegel TOP Arbeitgeber, das Qualitätssiegel Familienfreundlicher Arbeitgeber, die Fair Company und natürlich das Audit Beruf und Familie – um nur eine kleine Auswahl zu nennen – gibt, begibt sich der TÜV Rheinland nun auf das Themenfeld Human Resources. Ganz neu ist es nicht, denn die VDI Nachrichten haben unter der Prüfnummer 0000025460 bereits ein Zertifikat Ausgezeichneter Arbeitgeber für Ingenieure im Umlauf und entsprechende Unternehmen werben auf ingenieurkarriere.de damit.

Das TÜV Siegel

In der Pressemitteilung des TÜV Rheinland zum Start des Siegels Ausgezeichneter Arbeitgeber heißt es im Februar 2014:

Unternehmen müssen sich heute etwas einfallen lassen, um junge Talente und erfahrene Fachkräfte zu ködern. Früher konnte sich der Arbeitgeber den Bewerber aussuchen, das hat sich in Zeiten des demografischen Wandels und Fachkräftemangels geändert. Jetzt sind es die Arbeitnehmer, die eine immer genauere Vorstellung davon haben, was ihr künftiger Arbeitgeber bieten soll. Sowohl für ältere, erfahrene Arbeitskräfte soll der zukünftige Arbeitgeber interessante Perspektiven bieten als auch für die Generation Y der 25- bis 35-Jährigen. Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten, Unternehmenskultur, Vereinbarkeit von Familie und Beruf – kurz: Es ist ein guter Arbeitgeber gefragt.

Das Vorgehen

Somit bläst der Technische Überwachungsverein ins bekannte Horn des Fachkräftemangel und demografischen Wandels. Das Vorgehen ist ähnlich anderer Prüf- und Auditierungsprozesse und wird auf der speziellen Webseite wie folgt beschrieben:

  1. Erstgespräch zur Projektplanung
    In einem ersten Gespräch legen Sie gemeinsam mit unseren Auditoren die zu prüfenden Module fest und wir ermitteln für Sie den Aufwand und legen die Termine fest.
  2. Vorprüfung (optional)
    Sie können freiwillig eine Selbstauskunft ausfüllen oder eine GAP-Analyse vor Ort buchen, um Ihre Zertifizierungsreife detailliert ein- und abschätzen zu können. Eine unabhängige Mitarbeiterbefragung (online) unterstützt die Ergebnisse der Vorprüfung.
  3. Zertifizierungsaudit
    Im Rahmen des Audits müssen die einzelnen Anforderungen und Kriterien zu einem Mindestgrad erreicht werden.
  4. Zertifikatserteilung
    Nach der erfolgreichen Zertifizierung im Grundmodul stellt TÜV Rheinland einen Prüfbericht, ein Zertifikat und das Prüfsiegel „Ausgezeichneter Arbeitgeber“ aus. Eine erfolgreiche Zertifizierung in einem der Zusatzmodule wird zusätzlich auf dem Zertifikat und dem Prüfzeichen vermerkt.
  5. After Sales Support (optional)
    Um Ihr Siegel „Ausgezeichneter Arbeitgeber“ angemessen zu vermarkten, unterstützt Sie TÜV Rheinland mit speziellen Angeboten unseres Kooperationspartners Monster.de.
  6. Überwachungsaudit
    Unsere jährlichen Überwachungsaudits unterstützen Sie bei der kontinuierlichen Optimierung Ihrer Prozesse.

Eine deutliche Unterscheidung zu anderen Verfahren ist die Aufspaltung in ein Grundmodul, bestehend aus 9 Bereichen, und fünf Zusatzmodulen. Optional bzw. Zusatzmodul bedeuten wohl auch zusätzliche Kosten. Sobald uns Antworten auf unsere Anfragen vorliegen, ergänzen wir entsprechend.

Grundmodul

  • Ethik/ Unternehmenskultur
  • Organisation und Prozesse
  • Grundlagen des Personalmanagements
  • Personalbeschaffung (Recruiting)
  • Personalmarketing
  • Operatives Personalmanagement
  • Personalentwicklung
  • Personalcontrolling
  • Austritts- und Übergangsmanagement

Zusatzmodule

  • Elternfreundlichkeit
  • Digitaler Arbeitsschutz
  • Aktives Gesundheitsmanagement
  • Lebensphasenorientierung
  • Fit für ausländische Fachkräfte

Im Beitrag von Tatjana Krieger wird als erstes Unternehmen, welches das Auditierungsverfahren im Mai 2014 erfolgreich durchlaufen hat, die C. Gustav Pusch KG (KNIPEX) genannt. Die Zangenfabrik und Gesenkschmiede ist in Wuppertal ansässig und beschäftigt rund 900 Menschen. Unter der Zertifikatsnummer 01 700 1400721 ist für Bewerberinnen, Bewerber und natürlich auch die Bestandsbelegschaft auf Certipedia einsehbar, dass es sich beim zukünftigen bzw. bestehenden Arbeitgeber, um ein Personalmanagement mit Gütesiegel vom TÜV handelt.

Ein Wermutstropfen

Aus unserer Sicht Schade ist es, dass die 1. Referenz weder bei den Monster-Stellenanzeigen noch im eigenen Karriereportal den potentiellen Mitarbeiter auf das neu errungene Zertifikat hinweist. Ein Grund könnte Personalschef Wiedemann im Interview geliefert haben: „In der Branche und in der Region kennt man unser Unternehmen. Schwierigkeiten, offene Positionen zu besetzen, gab es meistens nicht. Allein auf die 15 Ausbildungsplätze bewerben sich jährlich ca. 800 junge Leute.“

TÜV-Projektleiter Spiegelhoff führt aus „Im Audit zeigen wir Potenziale auf, die das Unternehmen anschließend eigenständig umsetzt. Um größtmögliche Unabhängigkeit zu gewährleisten, tritt TÜV Rheinland hierbei nur als Zertifizierungspartner auf, unterstützt aber nicht aktiv im Rahmen der Umsetzung.“

Alternativen aus der Praxis

Jetzt kommen meine Kollegen ins Spiel. Ein Firmenlauf kann natürlich für ein tolles Image und ein prima Teamklima sorgen, allerdings scheitert dieses Marketingevent bei der Lösung  individueller Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und unterstützt auch nicht bei der lebensphasenorientierten Personalpolitik. Selbstverständlich kann KNIPEX nun einen Feelgoodmanager einstellen oder einen Pflegeguide ausbilden. Unsere Erfahrung zeigt allerdings, dass bei internen Lösungen zur Beseitigung individueller Vereinbarkeitsherausforderungen selten Nutzungsquoten höher als 5 Prozent erreicht werden.

Update 13.11.2014: Zert-o-Mat ist da!

pm2Null: Daher gibt es jetzt – tada! – das Portal Zert-o-Mat. Und dort können Sie ganz unabhängig recherchieren, welches Arbeitgebersiegel Ihren Wünschen und Zielen entspricht.

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