0341-355408-12 info@familienfreund.de

Was genau versteht man unter dem Begriff Work-Life-Balance?

Familie und Beruf | Work-Life-Balance (c) familienfreund.de

Familie und Beruf | Work-Life-Balance (c) familienfreund.de

Um den Inhalt des Begriff Work-Life-Balance aus Sicht der Gründer und Gesellschafter der familienfreund KG darstellen zu können, muss ich etwas ausholen.

Wir schreiben 2015 und die familienfreund KG ist im 10. Jahr ihres Bestehens. Ganz am Anfang stand das Wissen um die vielen Fragen und Informationen bei der Vereinbarkeit von Kind und Beruf. Im Prozess der Konzepterarbeitung wurde von den Gründern festgestellt, dass auch in den anderen Lebensphasen vergleichbare Situationen, sprich ein nahezu unüberschaubarer Dschungel an Dienstleistern und Informationen, bestehen.

Das Konzept des zentralen Ansprechpartners (für Unternehmen und Organisationen) in allen Fragen rund um Familie von 0 bis 99+ wurde verfasst und in einem Zeitraum von einem Jahr konkretisiert. Begriffe wie Familienservice, EAP und Sozialberatung waren 2006 in Deutschlands kleinen- und mittelständischen Unternehmen noch nicht angekommen. Auch die Medien berichteten noch nicht täglich vom Scheitern der Work-Life-Balance.

Die Übersetzung Work-Life-Balance

Eine wörtliche Entsprechung für Work-Life-Balance habe ich nicht gefunden. Durch eine Übersetzung der einzelnen Wörter können wir nun versuchen, uns dem Inhalt und somit auch der kontroversen Diskussion in den Medien und Blogs zu nähern.

mögliche Definition von Work

Work, also Arbeit, kann im engsten Sinn die abhängige Beschäftigung umschreiben.

Mein VWL-Professor und Sozialexperte Hans-Adalbert Rürup führte beispielsweise aus: „Arbeit ist die Summe aller körperlichen und geistigen Tätigkeiten des Menschen zur Herstellung von knappen, das heißt begehrten Gütern und Dienstleistungen. Von Erwerbsarbeit sollte man dann sprechen, wenn diese Tätigkeit gegen Entgelt stattfindet.“ Auch wenn ich seine Vorlesungen sehr gern besuchte und seine Meinung in vielen Dingen sehr schätze, muss ich ihn an dieser Stelle ergänzen.

Es gibt noch viele andere Formen von Beschäftigung, z.b. Hausarbeit, Bildung(sarbeit), Erziehungsarbeit. Aber auch Trauerarbeit kann hier als ein Teil des Tages (24 Stunden) und Beispiel für das Verständnis eines Teiles von Work-Life-Balance stehen. Scherzhaft umschreibe ich den Work-Teil der WLB immer als dass, was wir tun wollen.

Life – das Leben und die Lebenswelt

Life lässt sich auch vielfältig übersetzen: Leben, Existenz und vieles mehr. Der Begriff der Leben(swelt) ist im Kontext von Work-Life-Balance das begriffliche Gegenstück zur Arbeit(swelt). Damit umfasst Lebenswelt sowohl die Arbeit, die im privaten Bereich anfällt, wie beispielsweise Hausarbeiten, als auch die Freizeit.

An dieser Stelle wird der Begriff „Work-Life-Balance“ widersprüchlich. Auf der einen Seite Arbeit und auf der anderen Seite Leben, welche aber auch Arbeiten im Sinne von Beschäftigungen enthält, eben nur ohne Entgelt. Versucht man diesen Widerspruch aufzulösen, müsste Life mit Freizeit übersetzt werden. Freizeit könnte dann als Zeit bestimmt werden, die zur freien Verfügung steht und nach freiem Ermessen und gemäß den individuellen Bedürfnissen ausgefüllt und gestaltet wird.

Bei unserer Arbeit übersetzen wir Life mit sozialem Umfeld, um deutlich zu machen, dass es neben der „Arbeit“ noch viele andere Dinge gibt, die wir uns zwar nicht aussuchen können, aber aus unserem Innersten heraus machen wollen. Auf meinen Scherz bzgl. des Tun wollen bei Work, spreche ich hier von tun müssen, weil man sich ja Familie (im weitesten Sinn) nicht aussuchen kann.

Waage oder Saldo – die Bedeutung der Balance

Die Balance, aus dem Englischen, können wir mit Gleichgewicht (Waage) und Ausgewogenheit, aber auch Bilanz und Kontostand übersetzen. Aus diesem Übersetzungsübel ergibt sich auch ein Streit, der nach meiner/unserer Meinung gar keiner sein muss.

Weder der Beruf noch das Privatleben sollte so hoch angesiedelt sein, dass es daneben nichts mehr gibt. Es geht nicht um ein „entweder … oder“, sondern um das Nebeneinander beider Bereiche. Damit kann das Hauptaugenmerk nach wie vor auf einem der beiden Lebensbereiche liegen.

Wie der Einzelne „ausgeglichenes Leben“ definiert, ist individuell verschieden und sollte auch vom Arbeitgeber, der Bildungseinrichtung oder den staatlichen Organen bzw. Organisationen nicht vorgeschrieben werden. Allerdings gibt es gute Möglichkeiten gemäß der Employer Branding Strategie die individuelle Work-Life-Balance zu unterstützen.

Work-Life-Balance – Was denn nun?

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nennt auf seiner Webseite folgende „Definition“: Work-Life-Balance bedeutet eine neue, intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben vor dem Hintergrund einer veränderten und sich dynamisch verändernden Arbeits- und Lebenswelt. Betriebliche Work-Life-Balance-Maßnahmen zielen darauf ab, erfolgreiche Berufsbiografien unter Rücksichtnahme auf private, soziale, kulturelle und gesundheitliche Erfordernisse zu ermöglichen.“

Und Ursula Vormwald, http://www.uv-business.de/, sagt: „Work-Life-Balance steht für ein ausgewogenes Verhältnis von Berufs- und Privatleben. Ziel ist, private Interessen und Familienleben mit den Anforderungen der Arbeitswelt in Einklang zu bringen. Das persönliche Engagement auf nur einen Bereich einzuschränken, heißt auch, die eigene Lebensqualität einzuschränken.“

Für die familienfreund KG ist Work-Life-Balance ein Zustand der Ausgeglichenheit/Ausgewogenheit zwischen dem was man in der Hauptsache tut und dem sozialen Umfeld. Ähnlich der Weite unseres Familienbegriffes fassen wir ganz bewusst Work-Life-Balance sehr weit, um die verschiedenen Sichtweisen berücksichtigen zu können. Ganz am Anfang war es die klassische Waage von Arbeit und Familie und hat sich dann kontinuierlich weiter entwickelt.

 

Hat Ihnen der Beitrag geholfen? Behalten Sie ihn nicht für sich !

7 Kommentare zu “Was genau versteht man unter dem Begriff Work-Life-Balance?”

  1. Hallo,

    ich habe ja auch über dieses Thema geschrieben, inspiriert durch einen anderen Blog-Artikel. Natürlich ist Quatsch, sich nur auf einen Bereich mit dem Engagement zu konzentrieren. Aber ich denke: Bier ist Bier, und Schnaps ist Schnaps.
    Wie ich in meinem Artikel Von Work-Life-Balance, Ruhepolen und Todo-Listen schrieb, ist es aber nicht gut, 25 Stunden in einen 24-Stunden-Tag zu packen. Das wird alles schief gehen. Denn am Ende stellt sich dann die Frage: Wo bleibt der Mensch?
    Klar redet man sich ein, dass eine bessere „Verzahnung“ die Frage „Wie soll ich das Alles nur schaffen?“ beantworten könnte. Aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich deutlich besser fahre, wenn ich nicht versuche, alle Kleinigkeiten hinzubekommen, sondern nur die, auf die es ankommt.
    Nichtsdestotrotz ist das hier ein ziemlich interessanter Artikel. Und solche Organisationen wie die Familienfreund KG tun ihr bestes, damit der Mensch Mensch bleibt.

    1. hihi. Bei Schnaps ist Schnaps fiel mir doch gleich der Beitrag aus 2012 ein: http://www.familienfreund.de/news-fuer-arbeitgeber/arbeit-ist-arbeit-und-schnaps-bleibt-schnaps.html

      Und ja, man(n) muss nicht alles selbst tun. Für Vieles – auch im Privaten – gibt es Profi’s, die einem mehr Zeit verschaffen, indem sie das ‚viele‘ einfach erledigen. Und wie schön ist es, wenn der Arbeitgeber sich verantwortlich fühlt, das neben der Arbeit auch noch etwas anderes zur Fachkräftepersönlichkeit gehört.

      Schlussendlich: Danke für Ihre Gedanken, das Einbringen und mit dem Thema auseinandersetzen !

      1. Na, welch Zufall! Wir sehen das ja – wie ich an dem verlinkten Artikel sehe – nicht gänzlich anders.In Sachen Persönlichkeit sehen es ja Arbeitgeber schon inzwischen so, dass sie nur ausgeruhte Mitarbeiter gute Mitarbeiter sind. Ansonsten kann man die Umsetzung der Balance zwischen Arbeit und Privatleben immer anders sehen. Schön, wenn man sich dann darüber so entspannt austauschen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *