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Umschulung zum Erzieher und Altenpfleger finanzieren

Senioren auf Parkbank (c) ulikat / pixelio.de

Baden Württemberg: Angesichts des Fachkräftemangels in Pflege und Erziehung wollen das Kultusministerium, das Sozialministerium und die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mehr Menschen als bisher für eine Umschulung in diesen Bereichen gewinnen. Deshalb wurde jetzt vereinbart, dass die Bundesagentur für Arbeit in den kommenden beiden Schuljahren erstmals die Kosten für entsprechende Umschulungen an den staatlichen beruflichen Schulen im Land übernimmt.

Keine Kosten aus eigener Tasche

Bislang mussten Umschülerinnen und Umschüler diese Bildungsmaßnahme aus eigener Tasche bezahlen. „Wir setzen ein deutliches Zeichen gegen den Fachkräftemangel in Pflege und Erziehung und eröffnen mehr Menschen als bisher eine Perspektive in krisensicheren Berufen“, erklärten Marion v. Wartenberg, Staatssekretärin im Kultusministerium, Jürgen Lämmle, Amtschef im Sozialministerium und Eva Strobel, Leiterin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Baden-Württemberg am 25. Juli in Stuttgart. Sie äußerten die Erwartung, dass die Zahl der Umschüler in diesen Berufszweigen in den kommenden Jahren erkennbar zunimmt.

Zertifizierung der Schulen erforderlich

Voraussetzung für diese Förderung ist eine Zertifizierung der Schulen. Aufgrund rechtlicher Regelungen im Sozialgesetzbuch III war es der Bundesagentur für Arbeit in Baden-Württemberg bislang nicht möglich, entsprechende Umschulungen im Land zu finanzieren. Erlaubt war eine Förderung nur dann, wenn der Schulträger nach der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Jahr 2012 erlassenen Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zertifiziert war. Der Vereinbarung vorausgegangen war deshalb die Zusage des Landes, die Zertifizierung der öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg in den beiden kommenden Schuljahren zunächst zu erproben. Ziel ist, möglichst alle 53 öffentlichen Schulen, an denen Umschulungen im Pflege- und Erziehungsbereich möglich sind, entsprechend bundesrechtlicher Vorgaben zertifizieren zu lassen.

Baden-Württemberg ist zwar – wie die meisten anderen Bundesländer auch – nach wie vor gegen diese Zertifizierungspflicht. „Da staatliche und staatlich anerkannte Schulen in Baden-Württemberg unter ministerieller Aufsicht stehen und ohnehin einer strengen Qualitätskontrolle unterliegen, hat Baden-Württemberg eine solche unnötige und darüber hinaus äußerst kostenintensive Doppelüberprüfung stets verweigert“, erklärte Marion v. Wartenberg. Aufgrund des jetzt vereinbarten vereinfachten Zertifizierungsverfahrens mit einem deutlich geringeren Kosten- und Zeitaufwand für den Landeshaushalt und die betroffenen Schulen wurden die Bedenken aber zurückgestellt. Die Landesregierung stellt für die Zertifizierungen zwischen 2013 und 2015 fast 330.000 Euro zur Verfügung.

Durch die neue Regelung können die Arbeitsagenturen und Jobcenter im Land bereits jetzt, während der Zertifizierungsphase, Arbeitslose an öffentlichen Schulen, die zu einem anerkannten Abschluss in den Berufsbereichen Altenpflege, Erziehung und Gesundheits- und Krankenpflege führen, aktiv fördern. „Damit können wir die Menschen landesweit künftig noch besser bei Ausbildung, Weiterbildung und Qualifizierung in diesen Berufsfeldern unterstützen“, so Eva Strobel.

Erprobung der Zertifizierung 2014 / 2015

Der Ministerrat hatte am 23. Juli 2013 über eine Erprobung der Zertifizierung entschieden. Die Erprobung in den beiden kommenden Schuljahren soll aufzeigen, wie viele der dringend benötigten Fachkräfte über diesen Weg zusätzlich gewonnen werden können. Aufbauend auf den Ergebnissen der Erprobung wird der Ministerrat im Jahr 2015 endgültig über die Zertifizierung von öffentlichen beruflichen Schulen nach AZAV entscheiden.

Grundlage für die AZAV-Zertifizierung ist beispielsweise der Nachweis des Einsatzes von qualifizierten Fachkräften und pädagogisch-didaktisch angemessener Methoden im Ausbildungsbereich. Auch der Zustand und die Ausstattung der Lehrräume sind wichtig. Das vereinfachte Verfahren soll nun dafür sorgen, dass die AZAV-Zertifizierung mit möglichst geringem Aufwand gelingt. Es werde überlegt, am Regierungspräsidium Stuttgart eine Stelle einzurichten, die die landesweite Trägerrolle übernimmt und sich gemäß der AZAV zertifizieren lässt. Das Landesinstitut für Schulentwicklung soll die Rolle als fachkundige Stelle übernehmen. So könne der Aufwand für die öffentlichen beruflichen Schulen gering gehalten werden, erklärte v. Wartenberg: „Sie werden nur stichprobenartig und in größeren Zeitabständen überprüft“.

[Update: 24.01.2015] Sachsen: Finanzielle Förderung für Umschulung zum Erzieher

Neue Perspektiven für Arbeitssuchende: Künftig gibt es eine Förderung für das dritte Jahr der Umschulung zum/zur staatlich anerkannten Erzieher/Erzieherin nach dem SGB III bzw. SGB II sowie individuelle Unterstützungsleistungen während der gesamten dreijährigen Umschulung. Die Förderung erfolgt unter dem Dach der „JobPerspektive Sachsen“ des SMWA bis 2020 mit insgesamt 5 Mio. Euro aus ESF- und Landesmitteln.

Staatsminister Martin Dulig: „Der regionale Geburtenanstieg in den vergangenen Jahren ist eine positive Entwicklung – bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Mit der Förderung der Umschulung zum Erzieher können wir den Generationswechsel der Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung zum Teil meistern. Gleichzeitig bieten wir Arbeitssuchenden und Wiedereinsteigern eine neue berufliche Perspektive.“

Interessierte Fachschulen für Sozialwesen können ihre Projektvorschläge bis zum 13. Februar 2015 bei der Sächsischen Aufbaubank – Förderbank (SAB) einreichen. Eine Beratung bei der SAB hierzu ist unter Tel.: 0351 / 4910 – 4930 möglich. Der Beginn der Umschulungen ist für August/September 2015 geplant.

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