Facebook Zaehlpixel
0341-355408-12 info@familienfreund.de

bildungsbarometer: zuviel jugendliche ohne schulabschluss

der nationale bildungsbericht 2008 stellt der bildung in deutschland alles in allem ein armutszeugnis aus. die zahl der jugendlichen ohne schulabschluss ist noch immer erschreckend hoch und hauptschüler haben nach wie vor kaum eine chance auf einen ausbildungplatz.

das „gegliederte schulsystem erweist sich als rutschbahn, auf der soziale auslese nach unten bestens funktioniert,“ so der vorsitzende der gewerkschaft erziehung und wissenschaft (gew), ulrich thöne. er fordert die bundesregierung auf, endlich entschiedene maßnahmen in angriff zunehmen, um der bildungarmut, dem pädagogenmangel und der chronischen unterfinanzierung entgegenzuwirken.

die neuausrichtung des deutschen bildungssystems  – weg von der selektion, hin zu integration und unterstützung – kostet geld. statt die ausgaben für bildung zu erhöhen, ist der anteil der bildungsausgaben am bruttoinlandsprodukt  in deutschland im vergangenen jahrzehnt aber gesunken. die länder müssen deutlich mehr lehrkräfte und erzieher ausbilden und für gute arbeitsbedingungen sorgen.

die richtung des spd-papiers „aufstieg durch bildung – chancengleichheit und wirtschaftlicher wohlstand“ stimmt, urteilt die gew. jetzt müssen taten folgen. die beitragsfreiheit in den kitas für alle kinder von einem bis sechs jahren ist längst überfällig und der rechtsanspruch auf einen betreuungsplatz ab dem ersten lebensjahr ebenso. leider bleibt die spd, was die schule betrifft, auf halbem wege stehen und bekennt sich nicht zur abschaffung der hauptschule und zum ausbau der ganztagsangebote. leider hat die spd der mut verlassen, „sich eindeutig für ein inklusives schulsystem bis klasse 10 auszusprechen, einer schule, die alle kinder mitnimmt und individuell fördert“, unterstrich der gew-vorsitzende.

hauptgrund für das scheitern der zielgerichteten und maßgeschneiderten förderung der schüler, ist das fehlen diagnostischer kompetenzen seitens der lehrer. in der aktuellen befragung des bildungsbarometers gaben 46 % der befragten lehrer an, wenig bis gar nicht mit diagnostischen instrumentne vertraut zu sein.

die lehrer wurden befragt, wie sie feststellen, ob ein schüler besonders gut oder besonders schlecht sei. 20 % der befragten stellten vergleiche mit anderen schülern an und 18 % befragten den schüler selbst. lediglich 10 % gaben an, personen zur entscheidung heranzuziehen, die über die nötigen kompetenzen verfügen.

„dieses ergebnis ernüchtert, weil damit für die mehrzahl der kinder und jugendlichen keine möglichkeit zur objektivierung der beurteilung gegeben ist“, so prof. dr. reinhold s. jäger vom zentrum für empirische pädagogische forschung (zepf). es kann davon ausgegangen werden, dass so bei einer vielzahl der schüler ein förderbedarf zwar besteht aber nicht erkannt wird und bei anderen ein förderbedarf „diagnostiziert“ wird, der gar nicht vorhanden ist.

als mögliche gründe für die begrenzungen der förderung verweisen 40 % der lehrer auf strukturelle bedingungen, welche die förderung erschweren. 27 % fehlt die motivation und das engagement der akteure und 6 % sind der meinung, dass die schule mit dem erzieherischen auftrag überfrachtet ist. zugleich wird die zusammenarbeit mit den eltern im hinblick auf die förderung als eher schlecht angegeben.

auch die eltern bezeichnen die zusammenarbeit mit den lehrkräften bei der förderung ihrer kinder als nur befriedigend. nur ein minimaler teil der eltern kann mit bestimmtheit sagen, dass für ihr kind ein förderplan entwickelt wurde.

besonders gibt zu bedenken, dass sich die lehrer für keinen in der befragung vorgegebenen förderbereiche ausreichend vorbereitet fühlen. dies gilt sowohl für den großen bereich der sozialen kompetenzen als auch für das lern- und arbeitsverhalten, die motorik, bewegung und den sport, aber auch für die lebensgestaltung im allgemeinen und die selbstverwirklichung.

insgesamt ist das bildungsbarometer eine ernüchternde bestandsaufnahme der förderung an deutschen schulen. die ergebnisse zeigen, warum es immer wieder zu sozialen benachteiligungen kommen kann. jede schule muss in der lage sein, dass zumindest ein teil der pädagogen über angemessene diagnostische und förderkompetenz verfügt.

„der jetzige zustand der lehrerausbildung ist angesichts der notwendigen förderung nicht hinnehmbar. dadurch entsteht ein ungeheuerer volkswirtschaftlicher schaden. wenn wir heute nicht strategisch die richtigen weichen stellen und das notwendige geld für einen ausbau der förderung in die hand nehmen, dann werden wir das problem fehlender schulabschlüsse und sozialer benachteiligung nicht in den griff bekommen.“, erklärt jäger.

Hat Ihnen der Beitrag geholfen? Behalten Sie ihn nicht für sich !

1 Kommentar zu “bildungsbarometer: zuviel jugendliche ohne schulabschluss”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.