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Ernährungsempfehlungen für Säuglinge werden oft fehlerhaft kommuniziert

Empfehlungen von Wissenschaftlern, wie die Ernährung von Säuglingen aussehen sollte, sind das eine. Das andere ist die Frage, wie diese Ernährungsempfehlungen in den Ratgeberbroschüren kommuniziert werden, die junge Eltern häufig lesen. An der Hochschule Niederrhein hat Masterstudentin Julia Hirsch jetzt untersucht, wie die anerkannten Empfehlungen umgesetzt werden. Ihr Ergebnis: Bei 70 Prozent der Ratgeberbroschüren besteht dringender Überarbeitungsbedarf.

„Wenn es um den Übergang vom ausschließlichen Stillen zur Beikost geht, werden die Handlungsempfehlungen besonders oft falsch wiedergegeben“, sagt Prof. Dr. Christel Rademacher, die das Projekt leitet. Die Professorin für angewandte Ernährungswissenschaft am Fachbereich Oecotrophologie der Hochschule Niederrhein beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Ernährungskommunikation. Sie weiß, dass bei diesem sensiblen Thema eine exakte Sprache notwendig ist.

Ein Beispiel: Während in den Handlungsempfehlungen von einer ausschließlichen Stilldauer von vier bis sechs Monaten die Rede ist, sind in den Broschüren falsche Formulierungen zu finden wie „höchstens vier Monate stillen“ oder unkonkrete Formulierungen wie „bis vier Monate stillen“. „Bei den Frauen führt das völlig zu Recht zu Verunsicherung“, sagt Rademacher, die kritisiert: „Bei den meisten Broschüren ist die empfohlene Formulierung zum Thema Stilldauer nicht zu erkennen.“

Aus Sicht von jungen Eltern, die sich über Säuglingsernährung informieren wollen, bedeutet das: Nur in bundesweit nicht einmal jeder dritten Ratgeberbroschüre (30 Prozent) finden sie korrekte Informationen, die den Handlungsempfehlungen von Ernährungswissenschaftlern entsprechen. 70 Prozent der Broschüren erfüllen die Anforderungen nicht, weil sie die Empfehlungen fehlerhaft oder unvollständig wiedergeben.

Dabei hatten die Herausgeber der Broschüren zwei Jahre Zeit, die Handlungsempfehlungen in ihren Broschüren aufzunehmen. Im Juni 2010 veröffentlichte das Netzwerk „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“ diese „Handlungsempfehlungen zur Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mütter“. Diese basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und sollen als Beratungsstandard dienen u.a. für Hebammen, Frauenärzten sowie Kinder- und Jugendärzten und Ernährungsberatung. Beschlossen wurden diese Empfehlungen im Konsens aller Fachverbände und Berufsvertreter, initiiert und gefördert ist das Projekt vom Bundesministerium für Ernährung.

Im Rahmen des dreisemestrigen Forschungsprojektes im Masterstudiengang „Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften“ arbeitete Julia Hirsch im Projekt Ernährungskommunikation. Ein Teil ihrer Untersuchungen richtete sich auf 33 bundesweit verfügbare Broschüren. Diese werden von unterschiedlichen Herausgebern wie Fachgesellschaften, Verbänden, Ministerien, Krankenversicherungen oder von Unternehmen aus der Ernährungsindustrie publiziert und in großer Auflage verbreitet. An der Hochschule Niederrhein wird die Forschungsarbeit in der Projektgruppe von Professorin Rademacher fortgesetzt. Weitere Informationsmedien für Eltern sollen auf ihre Inhalte und Kommunikationsqualität untersucht werden.

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