Konduktive Förderung als ganzheitlicher Therapieansatz

Petötherapie (c) rabaeukschen.de

Petötherapie (c) rabaeukschen.de

Im Rahmen des 8. Weltkongresses für Konduktive Förderung, welcher im Jahr 2013 vom 9. bis 12. Oktober 2013 stattfindet, treffen sich Experten und Interessierte, um sich über diesen innovativen Behandlungsweg in Fürstenfeldbruck nahe München ausztauschen. Tagungsstätte wird das Veranstaltungsforum Fürstenfeld sein. Schwerpunkte des Programms werden u.a. die Neurowissenschaft und neurorehabilitatives Wissen, Inklusion, Transkulturelle Adaptierungen sowie neue Methoden innerhalb der Konduktiven Förderung sein.

Konduktive Förderung auf dem Vormarsch in Deutschland

In Deutschland gründete sich bereits 1998 der Bundesverband der in Deutschland arbeitenden Konduktoren mit dem Ziel den Berufstand des Konduktors zu festigen, die Anerkennung der Konduktiven Förderung zu unterstützen und durch Weiterbildungen und Veranstaltungen einen Informationsaustausch zwischen den Konduktoren und andere Therapeuten und Pädagogen zu fördern. Hingegen hatte die Petö-Therapie seinen Ursprung in Ungarn und wurde von András Petö in den 50er Jahren entwickelt.

Was Konduktoren leisten

Die Ausbildung zum Konduktor ist im Hochschulstudium nur in Ungarn, Israel und England möglich. In Ungarn hat der Erfinder der Kondukiven Förderung im Jahr 1963 die staatlich Anerkennung für die Ausbildung erreicht. Seit 1965 gibt in Ungarn die Möglichkeit ein vierjähriges Hochschulstudium zum Konduktor zu absolvieren.

Untrennbar laufen bei der Konduktiven Förderung Pädagogik und Therapie parallel. András Petö kam zu der Überzeugung das Wahrnehmung, Sprache, Kognition und Motorik gemeinsam und vernetzt gefördert werden müssen und die Therapie ins Leben des Patienten eingebettet sein muss, um eine positive Wirkung zu erzielen. Die Ausbildung zum Konduktor beinhaltet die Vermittlung von umfangreichen Wissen aus dem Bereich der Neurophysiologie, Neuropsychologie, der Heil-, Sonder-, Vorschul-, Grundschul- und Sozialpädgogik, deren Erkenntnisse dann in der Praxis in einen ganzheitlichen Therapieplan einfließen. Der Konduktor erkennt, fördert und koordiniert den individuellen Bedarf des Patienten.

Konduktorenausbildung in Deutschland

In Deutschland ist allein durch diese einzigartige Verknüpfung von pädagogischer und medizinscher Ausbildung lediglich die Weiterbildung zum Konduktor möglich. Gemeinsam mit der Stiftung Pfennigparade in München startet der Bundesverband der Konduktoren im September 2013 den 5. berufsbegleitenden Weiterbildungslehrgang zur/zum Pädagogisch-therapeutischen Konduktor/Konduktorin . Die Weiterbildung ist ein sehr interessantes und anspruchsvolles Angebot für alle Fachleute die bereits über abgeschlossene Ausbildungen in den Bereichen Pädagogik, Medizin, Rehabilitation und Psychologie verfügen.

Hilfreich für Betroffene mit einer komplexen Störung des Zentralnervensystems (z.b. Cerebralparese oder einer nicht angeborenenen Hirnschädigung nach Platzen eines Aneurysma hat sich die konduktive Förderung in Deutschland immer noch nicht offiziell als Behandlungsform etabliert. Am 27.6.2013 gab es jüngst durch das Sozialgericht Nürnberg eine neue Entscheidung zur Kostenübernahme durch das Sozialamt im Rahmen der Eingliederungshilfe. Mit dem Aktenzeichen S7 Kr 161/12 wurde einem Kind mit Cerebralparese (frühkindliche Hirnschädigung) und einem Grad der Behinderung von 100 mit den Merkzeichen B, G. Ag und H die Kostenerstattung für die konduktive Förderung nach Petö für den Zeitraum vom Oktober 2010 bis Dezember 2012 in Höhe von 15103,75 € zugesprochen. (Das Urteil kann noch mit Berufung angefochten werden.)

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die konduktive Förderung im Rahmen SGB 12 und SGB 9 als Eingliederungshilfe gewährt werden kann und bezieht sich u.a. auf ein Urteil des Bundessozialgerichtes vom 29.9.2009 mit dem AZ B 8 SO 19/08 R. So kann und wird zwar Petö immer noch nicht als Heilmittel in der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet – jedoch ist das kein Ausschlusskriterium für eine Kostenübernahme durch die Eingliederungshilfe.

Jana Schlegel
Die Autorin hat mit 28 Jahren die familienfreund KG gegründet und ist neben Ihrer Funktion als Geschäftsführerin für die Bereiche Dienstleister und Employee Assistant Program verantwortlich.

2 Kommentare zu «Konduktive Förderung als ganzheitlicher Therapieansatz»

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