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Familienkolumne: Chemotherapie – Tablette oder Infusion

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Familienkolumne.de ist stolz an dieser Stelle das Interview mit Herrn Dr. Bernd Gerber zum Thema „Chemotherapie – Tablette oder Infusion“ veröffentlichen zu können.

Ziel der Chemotherapie ist es, möglichst alle im Körper noch befindlichen Krebszellen unschädlich zu machen. Wie die Chemotherapie wirkt, welche Nebenwirkungen sie hat und warum die Behandlung dank moderner Medikamente beim fortgeschrittenen Brustkrebs schonender geworden ist, erläutert der Brustkrebs-Experte Professor Dr. Bernd Gerber, Direktor der Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt in Rostock, hier.

Herr Professor Gerber, wie wirken Chemotherapien?

Chemotherapeutika sind Zytostatika, also Zellgifte. Sie wirken vor allem zerstörend auf schnell wachsende Zellen und damit auch auf die Tumorzellen. Die Zytostatika werden überwiegend intravenös, das heißt als Infusion in eine Vene, verabreicht. Mit dem Wirkstoff Capecitabin gibt es aber seit einiger Zeit auch die Möglichkeit der Chemotherapie mit Tabletten.

Die Chemotherapie ist gefürchtet vor allem wegen ihrer Nebenwirkungen. Sind diese bei allen Zytostatika gleich?

Nein, es gibt unterschiedliche Substanzen, die sich durchaus in ihren Nebenwirkungen unterscheiden. Wir kennen die Gruppe der Anthrazykline, die das Blutbild verändern und vor allem die Blutzellen und das Herz beeinträchtigen und zum Beispiel die Taxane sowie die Platin-Derivate, die das Nervensystem schädigen können. Besser verträglich als die herkömmlichen Zytostatika sind Wirkstoffe wie zum Beispiel das Capecitabin, das oral, also als Tablette, eingenommen werden kann. Auch diese Substanz, die zur Gruppe der Antimetabolite gehört, ist aber nicht nebenwirkungsfrei. Sie kann insbesondere zu Durchfällen und dem so genannten Hand-Fuß-Syndrom führen. Allerdings sind diese Nebenwirkungen in der Regel gut behandelbar und können zum Beispiel durch eine Dosisanpassung häufig behoben werden.

Warum ist die Verträglichkeit besser?

Das hat direkt mit dem Wirkstoff Capecitabin zu tun, der selbst keine Zellen angreift. Erst wenn er nach der Aufnahme aus dem Darm in die Leber gelangt, wird er in die aktive Form 5-Fluoruracil umgewandelt. Nur dieses wirkt zerstörend auf die Zellen.

Ist die Behandlung damit wirklich schonender?

Capecitabin hat vergleichsweise wenige Nebenwirkungen. Die Patientinnen schätzten vor allem, dass es nicht zum Haarausfall kommt. Denn die radikale Veränderung des Aussehens ist psychisch – zusätzlich zur physischen Einschränkung durch den Krebs selbst – oftmals schwer zu verkraften. Auch sind die sonst erforderlichen vielen Infusionen belastend. Aufgrund der guten Verträglichkeit ist mit Capecitabin zudem eine längerfristige Behandlung möglich. Die Frauen brauchen dazu nicht in die Klinik, vielmehr kann die Therapie ambulant und sogar zu Hause erfolgen. Die Patientinnen gewinnen somit Zeit und Bewegungsfreiheit.

Und wie steht es mit der Wirksamkeit?

Die orale Chemotherapie ist in mehreren Studien geprüft und daraufhin durch die Behörden zur Behandlung nach dem Versagen vorangegangener Therapien mit Taxanen und Anthrazyklinen zugelassen worden. Brustkrebspatientinnen, die einer Chemotherapie bedürfen, erhalten zunächst Anthrazykline und Taxane. Wenn die Krankheit trotzdem weiter fortschreitet kommt Capecitabin zum Einsatz und hat dafür den höchsten Empfehlungsgrad in den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Onkologie in der deutschen Krebsgesellschaft.

Herr Professor Gerber, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lebenswege, das Forum für Krebspatienten und deren Angehörige.

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