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Chronische Verstopfung – altes Leiden in neuem Licht

Gesicht | smile gelb (c) Helene Souza / pixelio.de

Chronische Verstopfung ist in Deutschland weit verbreitet. Dies ergab kürzlich eine Studie zur Häufigkeit und Bedeutung der chronischen Verstopfung in Deutschland. Ungeachtet der weiten Verbreitung bleibt die Ursache in vielen Fällen ungeklärt. Zudem werden die Betroffenen auch nicht immer optimal behandelt. Wie sich dies künftig ändern kann, erörterten Experten auf einem Satellitensymposium der Firma Shire während des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden. Dabei wurden auch die Empfehlungen zur Verbesserung der Diagnose und Behandlung einer neuen Leitlinie vorgestellt.

(lifePR) (Berlin) Chronische Verstopfung, medizinisch Obstipation genannt, ist keineswegs eine Bagatelle, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung – weit entfernt von einer »Befindlichkeitsstörung, wofür sie häufig fälschlich gehalten wird«, so Dr. Viola Andresen, Israelitisches Krankenhaus, Hamburg. Zumal die Betroffenen oftmals durch zahlreiche unangenehme Beschwerden wie Völlegefühl, geblähter Bauch und mühsamer Stuhlentleerung in ihrem Alltag und damit in ihrer Lebensqualität sehr beeinträchtigt werden.

Untersuchung zur Häufigkeit

Obwohl chronische Verstopfung weit verbreitet ist, gibt es bislang nur Schätzungen darüber, wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich davon betroffen sind. »Verlässliche repräsentative Daten« sind laut Prof. Dr. Dipl.-Psych. Paul Enck, Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Tübingen, »bislang nicht verfügbar«.

Diese wichtige Informationslücke wurde nun mit einer Studie namens GECCO geschlossen. GECCO steht für German Chronic Constipation, wobei die Untersuchung auch Einblicke in die Lebensumstände der Patienten gibt: unter anderem in deren Ernährungsgewohnheiten und in ihre Medikamenteneinnahme. Bei der Bevölkerungsstudie wurden insgesamt 15.002 Bundesbürger mittels telefonischen Interviews befragt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 49,5 Jahren, knapp über die Hälfte von ihnen waren Frauen. 1377, damit 9,2% der Befragten, hatten in den vergangenen 12 Monaten mindestens einmal Verstopfung. 863 (5,8%) gaben an, in den letzten 4 Wochen verstopft gewesen zu sein. 386 der Befragten (2,6%) litten akut unter einer Obstipation. 312 von ihnen, also über 80%, litten bereits seit über einem halben Jahr an Verstopfung – »waren damit chronisch daran erkrankt«, so Enck. Bei mehr als einem Drittel der Teilnehmer mit chronischer Verstopfung waren Erkrankungen festgestellt worden, die für ihre Stuhlgangprobleme verantwortlich sein können; etwa Schilddrüsenunterfunktion und neurologische Erkrankungen. Fast zwei Drittel der chronisch Verstopften nahmen zudem regelmäßig Medikamente ein, die ihre Verstopfung ausgelöst oder verstärkt haben könnten. Dazu gehören nach den Worten von Enck unter anderem Herz-Kreislauf-Medikamente wie Kalzium-Antagonisten und Opiat-haltige Schmerzmittel. Bei den übrigen Befragten mit Verstopfung war diese funktionell bedingt. Die Untersuchung zeigte, dass zahlreiche Bundesbürger unter chronischer Verstopfung leiden und dass die Ursachen eine wichtige Rolle spielen.

Das »Warum« ist entscheidend

Für eine nachhaltig wirksame Behandlung ist es unerlässlich, die Gründe abzuklären, die zu der chronischen Verstopfung geführt haben. Darauf wird auch in einer neuen Leitlinie zur chronischen Obstipation ausdrücklich hingewiesen (siehe Kasten). Nach den Worten von Prof. Dr. Michael Schemann, Ordinarius für Humanbiologie an der Technischen Universität München, gibt es neue interessante Aspekte zu den möglichen Ursachen einer chronischen Verstopfung.

So ist beispielsweise bei einer Reihe chronisch verstopfter Patienten jener Zeitraum verlängert, den der Stuhl zur Passage durch den Dickdarm benötigt, die sogenannte Kolontransitzeit. Dazu kommt es, wenn Häufigkeit und Stärke der Kontraktionen der Darmmuskulatur verringert und in Folge die Darmbewegungen vermindert sind. Als Auslöser dafür werden laut Schemann Störungen im enterischen Nervensystem, dem sogenannten Bauchgehirn vermutet, das den gesamten Verdauungstrakt durchzieht: »Es könnten Nervenreflexe im enterischen Nervensystem beeinträchtigt sein, die normalerweise den peristaltischen Reflex und damit die Darmbewegungen sowie die vermehrte Absonderung von Verdauungssekreten aktivieren«.

Den trägen Darm direkt aktivieren

Vor dem Hintergrund dieser Befunde zielen neue Strategien zur Behandlung der chronischen Verstopfung laut Schemann darauf ab, »die Darmbewegungen und die Bildung von Verdauungssekreten zu steigern«. Dies kann durch Anregung bestimmter Rezeptoren für den Botenstoff Serotonin, die 5-HT4 Rezeptoren, erreicht werden. In Folge dessen wird verstärkt der Nervenbotenstoff Acetylcholin ausgeschüttet. Mit seinen erregenden Wirkungen stimuliert Acetylcholin auf direktem Weg die Muskelzellen im Dickdarm und fördert so den peristaltischen Reflex – der träge Darm kann auf diese Weise in Bewegung gebracht werden. Die Nerven des Verdauungstraktes werden dabei nicht direkt stimuliert, wie Schemann betonte, »sondern durch das Anregen von Nervenschaltstellen, auf denen die 5-HT4 Rezeptoren liegen«.

Wirkstoffe wie Prucaloprid, die 5-HT4 Rezeptoren anregen, haben entsprechend einen hohen Stellenwert zur wirksamen Behandlung chronischer Verstopfung: »Prucaloprid hat das Potential, die Darmbewegung effektiv zu steigern und kann als Prokinetikum eingesetzt werden«, so der Experte der TU München.

Neue Empfehlungen für eine bessere Versorgung

Zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit chronischer Verstopfung – ihrer diagnostischen Abklärung und Behandlung – gibt es nun im Frühjahr 2013 eine neue Leitlinie. Sie wurde von der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM; www.neurogastro.de) und der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS, www.dgvs.de) verabschiedet, die gemeinsam Grundsätze zum Umgang mit chronischer Verstopfung festgelegt haben. Abgesehen von Maßnahmen wie Abführmittel und Einläufen basiert die Behandlung der chronischen Verstopfung auf einem Stufenkonzept. Dieses wird abhängig von der Ausprägung der Beschwerden, dem jeweiligen Ansprechen sowie der Verträglichkeit und der daraus resultierenden Lebensqualität umgesetzt.

Bei milden Formen chronischer Verstopfung empfehlen sich eine Umstellung der Ernährung – besonders eine gesteigerte Zufuhr von Ballaststoffen – und regelmäßige körperliche Bewegung. Sind diese Maßnahmen nicht ausreichend wirksam, sollten Abführmittel eingesetzt werden. Hierzu werden insbesondere osmotisch wirksame Substanzen (Polyethylenglykol (PEG)-haltige Trinklösungen, bei Verträglichkeit aber auch Lactulose, Sorbitol sowie Bisacodyl oder Natrium-Picosulfat empfohlen. Die Leitlinie warnt jedoch vor einem übermäßigen Gebrauch von Abführmitteln unabhängig von einer chronischen Verstopfung, etwa zur Gewichtsabnahme. Erweisen sich Abführmittel als unzureichend oder unverträglich, rät die Leitlinie als neue Behandlungsstrategie zu Prokinetika vom Typ der 5-HT4-Agonisten. So ist der Wirkstoff Prucaloprid eine effektive neue Therapieoption, da er die gestörte Darmaktivität fördern kann. In der Mehrzahl der Fälle konnte dadurch eine Verbesserung der Stuhlfrequenz und der verstopfungsbedingten Beschwerden erreicht werden.
Quelle: Satellitensymposium der Firma Shire Deutschland GmbH anlässlich des 119. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM), 08.04.2013 in Wiesbaden.

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