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Damenwahl – Das Los des Guppymännchens

Natur | Spinne im netz (c) Peter Böni / pixelio.de

Seit Jahrzehnten gehören Guppys zu den beliebtesten Aquarienfischen in Deutschland und haben einen festen Platz in den Becken und Herzen von sowohl Anfängern wie auch erfahrenen Züchtern. Fast jeder Aquarianer hat die kleinen, bunten Fische schon mal in seinem Becken gehalten und bestaunt. Zu Recht, denn diese anpassungsfähige Fischart hat so einiges zu bieten.

Vom Südamerikaner zum Weltenbummler

Ursprünglich stammen Guppys aus den Gewässern Nordbrasiliens, Venezuelas und den vorgelagerten Inseln. Hier leben sie in größeren Schwärmen in schnell und langsam fließenden Flüssen. 1866 wurden sie von dem Sammler Robert John Lechmere Guppy auf Trinidad entdeckt. Da er diese Fische zuvor noch nie gesehen hatte, schickte er seine Entdeckung begeistert an das Britische Museum nach London. Der zoologische Leiter des Museums nahm an, dass es sich um eine neue Art handelte und nannte sie zu Ehren ihres Finders Giradinus guppyi. Obwohl sich später herausstellte, dass diese Fischart schon unter dem anderen Namen Poecilia reticulata beschrieben worden war, setzte sich der Name Guppy durch.

Der beliebte Fisch ist inzwischen nicht nur in vielen Aquarien auf der ganzen Welt zu Hause, er ist auch ein richtiger Weltenbummler der Flüsse geworden. Zahlreiche wildlebende Guppys schwimmen nämlich auch durch die warmen Gewässer anderer tropischer Länder, in denen sie zum Beispiel gezielt zur Mückenbekämpfung ausgesetzt wurden. Sogar in Deutschland kann man die kleinen Schwarmfische in warmen Quellen oder in Ausläufen von Kühl- oder Klärwässern finden.

Bunt ist erfolgreich

Guppys sind lebendgebärende Zahnkarpfen und extrem vermehrungsfreudig. Ihre rundlichen Weibchen werden fünf bis sechs Zentimeter lang und haben eine unauffällige gräuliche Färbung. Die Männchen sind schlanker, lebhaft bunt gefärbt und werden gerade mal drei Zentimeter groß. Ihre verlängerte Schwanzflosse kann dreieckig, gefächert, schwertförmig oder spitz zulaufend sein. Durch unzählige Kreuzungen in der sogenannten Guppyhochzucht sind immer wieder neue farbenprächtige Variationen dieser Flosse entstanden. Vor kurzem haben Wissenschaftler herausgefunden, dass einige Guppymännchen dieses Schmuckstück bei der Balz um die Weibchen sogar bewusst ins rechte Licht rücken, um die Aufmerksamkeit der Erwählten zu gewinnen. Besonders bunt schillernde Männchen sollen sich sogar gerne mit langweilig gefärbten Geschlechtsgenossen umgeben, um sich vor den Weibchen noch überzeugender zu präsentieren. Denn auch wenn die paarungswilligen Guppymännchen den Weibchen ausdauernd nachstellen und sie manchmal regelrecht bedrängen, herrscht bei den Guppys eindeutig Damenwahl. Und die Guppydamen stehen tatsächlich mehr auf bunt!

Nachwuchs ohne Ende: der Millionenfisch

Im Aquarium sollte das Verhältnis von Guppymännchen zu Weibchen eins zu drei betragen, da die männlichen Guppys ein großes Interesse an den Weibchen haben und sie fast ununterbrochen verfolgen und begatten wollen. Die Afterflosse der Guppymännchen ist zum Begattungsorgan umgebildet. Bei der Paarung werden hiermit die Samenpakete übertragen, die die Weibchen in ihrem Körper bis zur Befruchtung der Eier tragen. Und danach wird es richtig spannend, denn Guppys sind lebendgebärend. Und die Geburt der kleinen Guppys gehört zu den faszinierendsten Momenten, die man vor einem Aquarium erleben kann. Sie bringt die Augen eines erfahrenen Züchters gleichermaßen zum Glänzen wie die staunender Kinder.

Ein dunkler Fleck im helleren Bauchbereich der Weibchen zeigt die bevorstehende Geburt der Jungfische an. Die Weibchen sind jetzt auch etwas rundlicher. Unmittelbar vor der Geburt ziehen sich die weiblichen Guppys von der Gruppe zurück. Durch Pflanzen geschützt bewegen sie sich leicht hin und her. Und plötzlich wird etwas Dunkles, fast Kugeliges aus dem Hinterleib gedrückt und sinkt in Richtung Boden. Sekunden später öffnet sich die kleine Kugel und ein winziger heller Fisch ist zu erkennen. Schnell schwimmt er zur Wasseroberfläche und schnappt nach Luft. Er braucht die atmosphärische Luft, um seine Schwimmblase zu füllen. Nur so kann er später durchs Wasser schwimmen.

Alle 30 Tage können auf diese Art und Weise ungefähr 20 bis 150 kleine Fischchen geboren werden. Durch ihren zahlreichen Nachwuchs haben die Guppys den Beinamen Millionenfisch erhalten. Nach ihrer Geburt sind die Jungfische sofort auf sich allein gestellt und müssen sich schnell zwischen den Pflanzen vor den Fressfeinden schützen.

Wohlfühlfaktoren im Becken

Guppys sind Allesfresser und lieben die Abwechslung. Begeistert stürzen sie sich auf jede Art von Trockenfutter, Frostfutter und zerriebene Algen. Lebendfutter, wie Wasserflöhe, Salzkrebschen, Ruderfusskrebschen, Mückenlarven sind für sie besondere Leckerbissen. Aber auch vor ihrem eigenen Nachwuchs machen sie manchmal nicht halt. Die Futtermenge sollte so dosiert sein, dass die Nahrung innerhalb weniger Minuten aufgefressen ist. Dadurch wird verhindert, dass Futterreste die Qualität des Wassers beeinträchtigen.

Ansonsten sind die anpassungsfähigen Guppys wirklich großzügig, wenn es um ihre Haltungsbedingungen in Aquarien geht. Als Oberflächenfisch halten sie sich überwiegend in der mittleren Wasserregion des Aquariums auf und lassen sich bestens beobachten. Den freien Bereich lieben sie zum Schwimmen, sie benötigen aber auch pflanzenreiche Abschnitte im Becken. Besonders Weibchen schätzen das dichte Grün, da es ihnen eine Rückzugmöglichkeit vor den unablässig werbenden Männchen bietet. Jungfische freuen sich über Schwimmpflanzen, die ihnen ausreichend Deckung vor Fressfeinden bieten.

Auch bei den Ansprüchen an die Wasserqualität sind Guppys leicht zufrieden zu stellen. Sie fühlen sich bei Wassertemperaturen zwischen 18 und 28 Grad Celsius wohl, das Wasser sollte mittelhart sein und einen pH-Wert um sieben aufweisen. Wenn all diese Bedingungen gegeben sind, kann man die lebhaften Fische auch als Anfänger in seinem Aquarium halten, beobachten und sicher auch ganz schnell die ersten Nachkommen „schlüpfen“ sehen.

Quelle: FLH

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