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Diagnose: Tuberkulose!

Arztbesuch | Aufklärungsgespräch (c) sparkie / pixelio.de

Tuberkulose oder auch kurz TBC: für viele eine Krankheit längst vergangener Zeiten oder ferner Länder. Dass aber auch in Deutschland die Infektionskrankheit noch immer lebensbedrohlich sein kann, hat im vergangenen Jahr der Fall der in Hannover-Linden tot aufgefunden Frau vor Augen geführt. Anlässlich des jährlichen Welt-Tuberkulosetags am 24. März weist das Gesundheitsamt der Region Hannover darauf hin, dass das Risiko, das von TBC ausgehen kann, nicht unterschätzt werden darf.

(lifePR) (Hannover) In der Region Hannover wurden im vergangenen Jahr 75 Neuerkrankungen und zwei Todesfälle in Folge von TBC registriert. Im Jahr 2011 lagen die Zahlen der Meldungen bei 60 Erkrankungen und ebenfalls zwei Todesfälle. „Ob dieser leichte Aufwärtstrend sich in den nächsten Jahren fortsetzt, lässt sich heute noch nicht vorhersehen“, sagt die Leiterin der Tuberkulose-Beratungsstelle der Region Hannover, Helga Heykes-Uden.

In Großstädten tritt TBC pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner rund neun Mal auf und damit etwa doppelt so häufig wie in ländlichen Bereichen. Ursache dafür: Auf engem Raum leben mehr Menschen mit Risikofaktoren zusammen, wie zum Beispiel Migrantinnen und Migranten aus Ländern mit generell hohem Tuberkuloseaufkommen und Personen mit psychosozialen Risikofaktoren wie Suchterkrankungen und Obdachlosigkeit.

Vor dem Hintergrund, dass die Region Hannover großstädtische und ländliche Bereiche vereint, entsprechen die gemeldeten TBC-Neuerkrankungen im Wesentlichen dem Bundesdurchschnitt. Laut Robert Koch Institut wurden 2012 deutschlandweit insgesamt 4.228 Neuerkrankungen registriert. Damit geht die Zahl der Tuberkuloseerkrankungen in Deutschland zwar kontinuierlich weiter zurück (zum Vergleich 2011: 4.328 Fälle), seit einigen Jahren aber hat sich die Abwärtstrend verlangsamt. In Niedersachsen haben sich die Zahlen nur unwesentlich verändert: 303 gemeldete Neuerkrankungen im Jahr 2011 stehen 305 TBC-Fälle im Jahr 2012 gegenüber.

Zur Gefahr kann TBC vor allem dann werden, wenn das Immunsystem geschwächt ist – und verschiedene Bedingungen zusammenkommen, wie Helga Heykes-Uden betont: „Die falsche Wahrnehmung des eigenen Körpers, schlechte Lebensbedingungen und die Scheu zum Arzt zu gehen, können dazu führen, dass Menschen auch in Deutschland an TBC sterben.“ Die Lungenfachärztin rät, sich bei Beschwerden wie Husten, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust rechtzeitig untersuchen zu lassen. „Nach einer korrekten Diagnose veranlassen wir umgehend alle erforderlichen Schritte – von der Isolierung des Patienten bis hin zur Behandlung in der Klinik oder beim niedergelassenen Arzt.“

Der Fachbereich Gesundheit der Region Hannover ist daher stetig in Alarmbereitschaft, um bei einem diagnostizierten Tuberkulose-Fall schnell zu handeln: „Bei einem aktiv Erkrankten ermitteln wir umgehend seine engen Kontaktpersonen, um eine Verbreitung einer ansteckenden Tuberkulose zu verhindern – mitunter können das bis zu mehrere hundert Menschen sein“, sagt Helga Heykes-Uden.

Inzwischen kann ein so genannter IGRA-Test, eine Blutuntersuchung, anzeigen, ob sich ein Patient mit Tuberkulosebakterien angesteckt hat. Ist das Ergebnis negativ, muss die Lunge meist nicht mehr geröntgt werden. Ein weiterer Vorteil des Tests: Kontaktpersonen, die nicht in die Beratungsstelle kommen können oder den Gang zum Arzt scheuen, wie etwa Häftlinge oder Obdachlose, können mit dem Verfahren auch vor Ort getestet werden.

Erschwert wird der Kampf gegen Tuberkulose heute vor allem durch resistente Bakterien, gegen die gängige Medikamente nicht mehr wirken. Ursache dafür ist meist unsachgemäßer und unkontrollierter Konsum von Arzneien gegen Tuberkulose. „Daher ist es umso wichtiger, dass neue wirksame Medikamente mit geringen Nebenwirkungen gegen TBC entwickelt werden“, so Helga Heykes-Uden. Auch an einem geeigneten Impfstoff werde derzeit mit Nachdruck gearbeitet.

Das ist auch das Ziel einer bundesweiten Studie, an der sich die Tuberkulose-Beratungsstelle der Region Hannover beteiligt. Dazu werden die Blutzellen und Gene von Menschen untersucht, die an TBC erkrankt waren oder einen sehr engen Kontakt zu einem TBC-Erkrankten hatten. Der Abschluss der Studie ist für April 2014 vorgesehen. Bereits mehrfach hat die TBC-Beratungsstelle der Region die medizinische Grundlagenforschung mit Erkenntnissen aus der Praxis unterstützt: So gehörte sie 2005 zusammen mit dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt zu den ersten Instituten im öffentlichen Gesundheitswesen, die den neu entwickelten Tuberkulosebluttest eingesetzt haben. Weitere Auskünfte oder Terminvereinbarungen beim Team Infektionsschutz TBC der Region Hannover unter Telefon (0511) 616-22888.

Tuberkulose ist weltweit noch immer die am weitesten verbreitete Infektionskrankheit. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist etwa jeder Dritte mit Tuberkulosebakterien infiziert, jeder zehnte davon erkrankt. Jährlich sterben etwa 1,4 Millionen Menschen an der Krankheit – die meisten in Asien und Afrika.

Tuberkulose wird in den meisten Fällen durch winzige Tröpfchen übertragen und befällt in der Regel die Lunge. Die Krankheit gibt sich nicht durch typische Anzeichen zu erkennen, sondern äußert sich nur durch allgemeine Beschwerden wie Husten, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und vermehrte Schweißbildung. Treten solche Beschwerden über einen längeren Zeitraum auf, sollte ein Arzt oder die Tuberkulose-Beratungsstelle im Haus der Region aufgesucht werden.

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