Facebook Zaehlpixel
0341-355408-12 info@familienfreund.de

Die meist gestellten Leserfragen am Expertentelefon „HUNDEGESUNDHEIT“ am 27.6.2013

Gepflegtes Hundefell ist ein Zeichen von Gesundheit (c) Foto: DK/familienfreund.de

Schätzungen zufolge leben in deutschen Haushalten rund 5 Millionen Hunde. Doch anders als noch vor einigen Jahrzehnten werden die Vierbeiner zunehmend als Familienmitglieder angesehen, die in enger Beziehung mit ihren Haltern zusammenleben. Mit dieser neuen Rolle des Hundes sind auch die Ansprüche der Hundebesitzer an die Gesundheitsfürsorge und die Lebensqualität ihrer Vierbeiner gestiegen. Ein gesunder Hund hat ein glänzendes Fell, klare, wache Augen und eine kühle, oft etwas feuchte Nase. Mit der richtigen Haltung, Pflege und Ernährung kann jeder Hundebesitzer entscheidend zum Wohlbefinden seines vierbeinigen Familienmitglieds beitragen.

Gesunde Ernährung – gesunder Hund

Doch auch bei Hunden werden immer häufiger Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Arthrose, Krebs und Allergien festgestellt. Bei einer Vielzahl von Erkrankungen stellt der Tierarzt später einen direkten oder indirekten Zusammenhang mit der Ernährung fest. Leider wissen die wenigsten Hundehalter, dass selbst Ohrenentzündungen, Pilzerkrankungen und allergische Reaktionen durch minderwertiges Futter begünstigt werden können.

Wenn Bello zum Problemhund wird

Manche Verhaltensweisen können dazu führen, dass das Leben mit dem vierbeinigen Freund zum Problem wird. So ist Ärger mit den Nachbarn vorprogrammiert, wenn der Hund ständig stundenlang bellt. Spaziergänge machen keine Freude mehr, wenn der Rüde alle anderen Hunde anfallen will. Spätestens wenn selbst gute Freunde wegbleiben, weil der Hund sie nicht in die Wohnung lassen will, wird es Zeit, sich professionellen Rat zu holen. In seltenen Fällen kann eine Krankheit die Ursache sein, wenn sich ein Hund auffällig verhält. In anderen Fällen ist ein traumatisches Erlebnis der Auslöser. Häufig ist aber der Hundehalter selbst verantwortlich dafür, wenn sich Bello danebenbenimmt.

Sie fragten unsere Experten

Rund um die Pflege, die Fütterung und die Gesundheit unserer Hunde ranken sich viele Mythen. Unsere Experten klären auf: Ist Trockenfutter besser als Dosenfutter? Stecken im Fertigfutter Suchtstoffe? Was ist vom Barfen zu halten und braucht der Fleischfresser Hund wirklich nur Fleisch für eine natürliche Ernährung? Was müssen Ersthundehalter beachten, damit aus dem niedlichen, tapsigen Welpen ein gesunder, kräftiger Junghund wird? Was tun, wenn Bello in die Jahre kommt? Zu einem gesunden Hundeleben gehört aber auch die artgemäße Haltung. Muss ein kleiner Hund tatsächlich weniger Auslauf haben als ein großer? Lässt sich der Jagdtrieb abtrainieren? Haben alle Hunde Spaß an Agility oder Mantrailing? Wie wir Menschen werden auch unsere Hunde immer älter. Reicht es da aus, den vierbeinigen Freund einmal im Jahr impfen zu lassen? Gibt es für Hunde auch Vorsorgeuntersuchungen und ab welchem Alter sollte man zum regelmäßigen Check zum Tierarzt gehen?

Wie Hundehalter das Verhalten ihres Vierbeiners richtig deuten können, welche Rolle die Ernährung spielt und was bei ersten Anzeichen einer Erkrankung zu tun ist, erfuhren Sie am 27. Juni 2013, zwischen 10.00 und 16.00 Uhr am Expertentelefon.

1. Meine Mutter hat gehört, in Fertigfutter sollen auch zerschredderte, alte Reifen oder Zellulose untergemischt und Weizen als billiger Füllstoff genutzt werden. Seitdem kocht sie für ihren Hund immer selbst. Was ist wirklich drin im Fertigfutter?

Dr. Claudia Rade, Hannover, ist Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik. Dr. Rade studierte von 1988 bis 1993 Tiermedizin in Hannover und promovierte 1996 im Fach Tierernährung: Es gibt ein strenges Futtermittelrecht, das genau regelt, welche Bestandteile für Tiernahrung verwendet werden dürfen. Der Fleischanteil im Futter stammt ausschließlich von Tieren, die für die menschliche Ernährung als tauglich beurteilt wurden. Laut Gesetz sind die einzelnen Zutaten des Fertigfutters definiert als Stoffe, die dazu bestimmt sind, zum Zwecke der Ernährung – und aus keinem anderen Grund – an Tiere verfüttert zu werden. Das schließt die Verwendung billiger Füllstoffe ohne Nährwert schon rein rechtlich aus.

2. Ich kaufe nie eine bestimmte Sorte, denn Futter ist doch gleich Futter. Jetzt habe ich aber festgestellt, dass meine Corgi-Mix-Hündin Pinka häufiger Durchfall bekommt. Kann das am ständigen Futterwechsel liegen?
Dr. Claudia Rade: Die Annahme, dass Hunde und Katzen bei ihrer Ernährung Abwechslung brauchen, ist falsch. Ist das Futter im Hinblick auf die Nährstoffversorgung ausgewogen und komplett – bei Fertignahrung erkennbar an der gesetzlich definierten Bezeichnung „Alleinfutter“ auf der Verpackung –, kann dieses Futter dauerhaft verwendet werden, wenn es dem Tier schmeckt und gut vertragen wird. Ein Futterwechsel ist nur beim Übertritt in die nächste Lebensphase – zum Beispiel vom Wachstum in die Adultphase oder von dort ins Seniorenalter – sinnvoll, um den unterschiedlichen Anforderungen an die Ernährung in jedem Alter optimal gerecht zu werden. Jeder abrupte Futterwechsel birgt die Gefahr, dass Verdauungsstörungen in Form von Durchfall auftreten.

3. Mein Border Collie Paul frisst immer dasselbe Futter. Wenn ich mal eine andere Sorte kaufe, lässt er den vollen Napf stehen. Stimmt es, dass in Fertigfutter Suchtstoffe enthalten sind, sodass man zwangsläufig immer bei der gleichen Marke bleiben muss?
Dr. Claudia Rade: Das stimmt nicht. Renommierte Futtermittelhersteller wie z. B. Royal Canin verfügen über langjährige Erfahrungen bei Rezepturen und Herstellungsprozessen von Tiernahrung, die es ihnen ermöglicht, besonders schmackhafte Produkte herzustellen. Dabei kommen natürliche Aromastoffe wie Leberextrakt oder tierische Fette zum Einsatz, die den Vorlieben der jeweiligen Tierart entsprechen. So lieben Hunde zum Beispiel Innereien, während Katzen den Geschmack von Leber bevorzugen. Das Ergebnis ist eine besonders hohe Akzeptanz der Heimtiernahrung – ohne süchtig machende Substanzen. Die Möglichkeiten zur Akzeptanzsteigerung mit ganz „legalen“ Mitteln sind also so vielfältig, dass der Einsatz von Suchtstoffen nicht nur futtermittelrechtlich verboten, sondern auch völlig überflüssig ist.

4. Auf Reisen und wenn es mal schnell gehen muss, füttere ich immer Trockenfutter. Kann es sein, dass mein Hund dadurch öfter und größere Häufchen machen muss?
Dr. Katrin Busch-Kschiewan, Wisskirchen, arbeitet seit 2005 als selbstständige Tierärztin mit Schwerpunkt Tierernährung. Nach ihrem Studium der Tiermedizin war Dr. Busch-Kschiewan als Tierärztin in der Ernährungsberatung tätig: Ja, hier kann es durchaus einen Zusammenhang geben. Hunde haben grundsätzlich eine sehr empfindliche Verdauung. Hintergrund ist eine reduzierte Verdauungskapazität aufgrund eines recht kurzen Darmes und eine geringe Verdauungszeit. Im Falle Ihres Hundes könnte die spontane Umstellung auf die „Urlaubstrockennahrung“, vielleicht auch eine zu geringe Qualität derselben, eine Rolle für die größere Kotmenge spielen.

5. Meine Boxerhündin Sunny ist immer so mäkelig beim Fressen. Trockenfutter, aber auch manche Sorten Nassfutter rührt sie gar nicht an. Was würden Sie mir raten?
Dr. Katrin Busch-Kschiewan: Natürlich sollten Sie zunächst abklären lassen, ob Ihr Hund fit ist. Ist dies der Fall, so handelt es sich vermutlich um Dominanzverhalten Ihres Vierbeiners. Im Laufe ihres Lebens, insbesondere mit dem Eintritt in die Pubertät, wollen Hunde wissen, welche Position sie innerhalb ihres „Menschenrudels“ einnehmen. Als „Mittel der Wahl“ nutzen sie hierzu ihre hervorragende Fähigkeit zu hungern. Aber keine Sorge – es gibt eine Lösung: Seien Sie ab sofort konsequent! Suchen Sie für Ihren Vierbeiner eine Nahrung, die hochwertig ist und seinen spezifischen Bedürfnissen gerecht wird. Haben Sie diese gefunden, so stellen Sie dem Hund die Nahrung hin und verlassen Sie den Raum. So bleiben Ihnen herzzerreißende Blicke erspart. Lassen Sie die Nahrung maximal zehn Minuten stehen und nehmen Sie diese dann weg. In der Regel reichen ein bis zwei Tage aus, um dem Hund verständlich zu machen, dass sein mäkliges Fressverhalten nicht zum Ziel führt.

Als Begleiter ist ein Hund bestens geeignet (c) Foto: DK/familienfreund.de

6. Hunde sind doch Fleischfresser. Sollte man sie da nicht auch zu 100 Prozent mit Fleisch füttern?
Dr. Katrin Busch-Kschiewan: Nein, ganz sicher nicht. Richtig ist, dass Hunde immer noch als Karnivoren, also Fleischfresser, bezeichnet werden. Diese Tatsache lässt uns vermuten, dass nur das pure Fleisch unsere Hunde „glücklich macht“. Fakt ist jedoch, dass unsere Vierbeiner auch pflanzliche Zutaten benötigen und diese auch ganz hervorragend verdauen können. Will man Hunde also optimal ernähren, so gehört beides in den Napf – pflanzliche und tierische Zutaten von bester Qualität. Durch ihre Kombination werden die positiven Eigenschaften beider vereint.

7. Seit unser Rauhhaardackelmädchen Ronja kastriert wurde, wird sie immer runder. Sollte ich es jetzt mit Diätfutter versuchen?
Dr. Franziska Conrad, Köln, arbeitet seit 2004 als Tierärztin und Produktmanagerin für Diätnahrung bei Royal Canin, Köln. Sie betreut das Veterinärmarketing und ist für die wissenschaftliche Kommunikation im Unternehmen zuständig: Unbedingt sollten Sie eine Fütterungsumstellung vornehmen und mit einer Gewichtsreduktion sofort beginnen. Idealerweise besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, wie das Idealgewicht wieder erreicht werden kann. Er wird Ihnen einen Diät- und Aktivitätsplan erstellen, damit aus rund nicht übergewichtig wird. Langfristig – also nach erfolgreicher Gewichtsreduktion mit einer geeigneten Diätnahrung – sollte Ihre Hündin mit einem Futter für kastrierte Hunde mit einem erniedrigten Energiegehalt gefüttert werden, da sich der Energiebedarf nach der Kastration verringert hat. Sonst laufen Sie Gefahr, dass es wieder zu einer Gewichtszunahme kommt.

8. Ich mache mir Sorgen um meinen Golden Retriever Felix. Ständig schleckt er sich am Bauch und die Stellen dort sehen schon ganz rot und wund aus. Liegt das am hohen Weizenanteil im Futter?
Dr. Franziska Conrad: Sie sollten Felix bei Ihrem Tierarzt vorstellen, Juckreiz kann vielfältige Ursachen haben, die Inhalte der Ernährung sind nur einer davon. Ihr Tierarzt wird verschiedene Untersuchungen vornehmen müssen, um die Ursache zu finden. Im Gegensatz zum Menschen gibt es nur wenig Tiere, die Weizenprotein nicht vertragen. Grundsätzlich muss eine Futtermittelunverträglichkeit über eine Ausschlussdiät nachgewiesen werden, das heißt, Ihr Hund darf über einen Zeitraum von zirka zwölf Wochen nur eine spezielle Nahrung fressen, um festzustellen, ob sich der Juckreiz dann verbessert. Dies sollte unter tierärztlicher Kontrolle erfolgen.

9. Ich habe seit einigen Monaten einen Tierheimhund aus Spanien. Er hat sich gut eingewöhnt und ist auch sehr verschmust, nur wenn Besuch kommt, versteckt er sich immer unter dem Sofa und kommt erst wieder heraus, wenn die Besucher gegangen sind. Wie kann ich ihm seine Ängste nehmen?
Dr. Franziska Conrad: Lassen Sie ihm Zeit. Wenn er eine starke Vertrauensbindung zu Ihnen aufgebaut hat, kann er sich allmählich auch besser an Besucher gewöhnen. Zwingen Sie ihn nicht, sich mit dem Besuch auseinander zu setzen. Ungewohnte Situationen können über eine gute Erziehung und auch über die Ernährung positive Verstärkung erhalten, die Fütterung mit einer Spezialnahrung zur Entspannung kann Ihrem Hund bei der Eingewöhnung helfen. Fragen Sie in Ihrer Tierarztpraxis nach CALM für Hunde. Darin sind spezielle Nährstoffe, die dem Hund helfen, sich zu entspannen.

10. Unsere beiden Möpse Max und Moritz betteln ständig am Tisch. Wie kann ich ihnen das abgewöhnen?
Christiane Frey, Heiligkreuzsteinach, ist ausgebildete Hunde-Trainerin, Verhaltensberaterin und spezialisiert auf ein „harmonisches Miteinander von Mensch und Hund”. Sie ist Mitglied der Trainer-Runde „kollegial = genial“, der bekannten Hundeakademie Perdita Lübbe, Darmstadt: Geben Sie den Hunden nie etwas vom Tisch. Ignorieren Sie die Hunde, wenn Sie am Tisch sitzen, und gewöhnen Sie sie an einen festen Platz, auf dem sie sich beim Essen aufhalten sollen.

11. Bis vor einem Jahr war mein neunjähriger Labrador-Rüde Carlos noch fit wie ein Turnschuh. Doch seit einiger Zeit hat er gar keine Lust mehr zum Toben. Braucht er im Alter weniger Bewegung?
Christiane Frey: Ja, wenn die Hunde älter werden, werden Sie etwas gemütlicher – genau wie wir Menschen auch. Die Ruhephasen werden länger und der Bewegungsdrang lässt nach. Machen Sie mit Ihrem Hund mehr Suchspiele, um die geistige Auslastung zu fördern, und passen Sie die körperliche Bewegung der Tagesform Ihres Hundes an.

12. Seit einem halben Jahr habe ich einen süßen Chihuahua-Rüden. Kann man auch mit so kleinen Hunden Agility machen?
Christiane Frey: Ja, es gibt beim Agility sogar eine Miniklasse für kleine Hunde. Die Größe ist kein Problem, wenn der Hund keine gesundheitlichen Probleme hat.

Im Nachgang des Expertentelefon Hundegesundheit am 27. Juni 2013 gab es noch ein Experteninterview und einen ‚Nachbericht‘  veröffentlichen wir in unserem Webmagazin zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Hat Ihnen der Beitrag geholfen? Behalten Sie ihn nicht für sich !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.