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Die wichtigsten Leserfragen beim Expertentelefon Rheuma

Senioren auf Parkbank (c) ulikat / pixelio.de

Nach den Angaben der deutschen Rheuma-Liga sind allein in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen betroffen. Die Erkrankung bewirkt auch die Zerstörung von Knorpelgewebe und kann durch die begleitenden Entzündungen deutlich beschleunigt werden. Knapp eine halbe Million Patienten haben mit rheumatoider Arthritis (RA) zu kämpfen. Im Expertenchat am 5.12.2013 standen Ärzte Rede und Antwort rund um das Thema Rheuma. Folgende Leserfragen wurden unter anderem gestellt:

  1. Obwohl ich meine Ernährung umgestellt habe, keinen Alkohol trinke und kaum noch Fleisch esse, komme ich in akuten Phasen meiner Arthritis um Kortison nicht herum. Wie kann ich das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten? Dr. med. Harald Tremel, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie im Asklepios Gesundheitszentrum Hamburg-Harburg: Durch eine Umstellung der Ernährung alleine lässt sich eine Arthritis in der Regel nicht stoppen. Auch die bedarfsweise Einnahme von Kortison ist meist nicht empfehlenswert. Entscheidend ist die frühe und konsequente Durchführung einer sogenannten Basistherapie mit entzündungshemmenden Medikamenten. Hierdurch werden die Krankheitssymptome beseitigt und das Fortschreiten der Erkrankung kann nachweislich aufgehalten werden.
  2. Meine Mutter hat seit Jahren Gelenkentzündungen an den Händen. Muss sie damit rechnen, dass irgendwann weitere Gelenke betroffen sind? Dr. med. Harald Tremel: Das ist nicht auszuschließen. Da es sich bei rheumatischen Erkrankungen um Systemerkrankungen handelt, kann das Befallsmuster im Krankheitsverlauf durchaus variieren. Aufgabe des Rheumatologen ist es, den zu erwartenden Krankheitsverlauf so genau wie möglich einzuschätzen und eine entsprechende individuelle Therapie zu verordnen. Der weitere Verlauf der Erkrankung hängt dabei maßgeblich vom rechtzeitigen Beginn der medikamentösen Behandlung und ihrer regelmäßigen Einnahme ab.
  3. Ich habe das Gefühl, dass meine Schwester aufgrund ihrer rheumatischen Beschwerden ihre Lebensfreude verliert. An wen kann sie sich wenden, um zu lernen, mit den Schmerzen besser umzugehen? Dr. med. Harald Tremel: Rheumatische Beschwerden gehen nicht selten mit allgemeiner Erschöpfung einher und können sogar zu Depressionen führen. Beides bedeutet eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Moderne Therapieansätze haben jedoch gezeigt, dass wir heute in der Lage sind, auch diese Begleitsymptomatik zu bessern oder gar ganz zu beseitigen. Wichtigster Ansprechpartner bleibt also zunächst der behandelnde Rheumatologe, welcher gegebenenfalls weitere Therapeuten – beispielsweise für Physiotherapie und Psychotherapie – in die Behandlung mit einbeziehen kann.
  4. Lange Zeit wurde mein entzündliches Rheuma mit Methotrexat (MTX) behandelt. Doch das reicht nicht mehr aus. Gibt es noch andere Möglichkeiten? Dr. med. Harald Tremel: Auch wenn MTX heute immer noch als Goldstandard bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen gilt, so gibt es mittlerweile eine große Anzahl weiterer vielversprechender Behandlungsmöglichkeiten. Bei nachlassender Wirkung von MTX wird heute zumeist eine Kombinationsbehandlung mit anderen konventionellen Basistherapeutika empfohlen, bevor schließlich die sogenannten Biologika zum Einsatz kommen. Eine komplette Krankheitsremission – also das dauerhafte Nachlassen der entzündlich-rheumatischen Krankheitssymptome ohne eigentliche Heilung – lässt sich so fast immer erreichen.
  5. Aus Angst vor Nebenwirkungen nehme ich meine Rheuma-Medikamente nur bei Bedarf. Mein Arzt rät zu einer Dauertherapie, doch die bringt doch auch Nebenwirkungen mit sich, oder? Dr. med. Peer M. Aries, niedergelassener Rheumatologe in einer internistischen Schwerpunktpraxis für Rheumatologie in Hamburg: Ihr Arzt hat ebenso Recht wie Sie. Zum einen wissen wir, dass bei den meisten entzündlich rheumatischen Erkrankungen nur eine regelmäßige Unterdrückung der Entzündung den gewünschten Erfolg hat, nämlich Schmerzfreiheit und die Verhinderung von Langzeitschäden. Auf der anderen Seite sollen die Therapien nur eingenommen werden, wenn sie auch vertragen werden. Wir haben immer die Möglichkeiten, auf eine alternative Therapie umzustellen, die gut wirkt und auch gut vertragen wird. Auf jeden Fall sollte der Arzt zusammen mit dem Patienten abwägen, was gefährlicher ist: die Krankheit laufen zu lassen oder die Medikamente einzunehmen. Wir kennen etwa Biologika schon seit Jahrzehnten und konnten uns ein gutes Bild darüber machen, was die tatsächlichen Gefahren und Vorteile der Therapie sind. Das berücksichtigen wir bei unseren therapeutischen Empfehlungen.
  6. Ich habe gehört, dass mit modernen TNF-alpha-Blockern eine Remission bei Arthritis erreicht werden kann. Was ist damit genau gemeint? Und für wen kommt eine solche Therapie infrage? Dr. med. Peer Malte Aries: Als Remission bezeichnen die Rheumatologen in diesem Fall das Fehlen von Entzündungsmerkmalen. Der Patient beobachtet dabei, dass die Gelenkschmerzen und Schwellungen vollständig rückläufig sind, während der Arzt keine objektiven Entzündungsparameter mehr im Blut und beim Röntgen findet. Im besten Fall benötigt der Patient dann nur noch eine niedrige oder gar keine Kortisontherapie mehr. Den Zustand der Remission kann im Prinzip ein Großteil der Patienten erreichen, wobei es vom individuellen Krankheitsverlauf des Patienten abhängt, ob und mit welchen Medikamenten dies möglich ist. Patienten, die trotz der ersten rheumatologischen Medikamente, den sogenannten Basistherapien, immer noch Entzündungszeichen im Körper haben, können auf neuartige Biologika wie TNF-alpha-Blocker eingestellt werden. Es gibt fünf verschiedene Präparate, die sich in der Verabreichung unterscheiden, sie können intravenös als Infusion alle acht Wochen oder in Spritzenform einmal pro Woche, alle zwei Wochen oder auch nur einmal im Monat verabreicht werden.
  7. Manchmal könnte ich glatt vergessen, dass ich Rheuma habe. Doch dann macht sich meine Arthritis wieder mit starken Schmerzen bemerkbar. Gibt es Möglichkeiten, die schmerzfreien Intervalle zu verlängern? Dr. med. Peer Malte Aries: Rheuma bedeutet übersetzt „fließender Schmerz“, die Beschwerden kommen und gehen. Generell ist davon auszugehen, dass wir Rheumatologen mit unseren Medikamenten die Phasen, in denen Sie keine Schmerzen haben, deutlich verlängern können. Im besten Fall haben die Patienten bei regelmäßiger Einnahme gar keine Beschwerden mehr. Je nach Häufigkeit der schubartigen Schmerzen kann es sinnvoll sein, die Therapie zu verstärken. Wenn keine Schübe mehr berichtet werden, wird der Rheumatologe versuchen, die Therapie zurückzufahren und ausprobieren, ob nicht mit weniger Medikamenten der gleiche gute Effekt zu erreichen ist. Ziel ist es also, mit so wenigen Medikamenten wie möglich die Phasen der Schmerzfreiheit maximal zu verlängern.
  8. Eine rheumatische Entzündung im Kniegelenk macht es meinem Mann schwer, Treppen zu steigen oder bergab zu laufen. Gibt es spezielle Trainings, um die Beweglichkeit zu verbessern? Dr. med. Peer Malte Aries: Die Tatsache, dass im Kniegelenk noch eine Entzündung aktiv ist, die Beschwerden bereitet, deutet darauf hin, dass die medikamentöse Therapie noch nicht optimal eingestellt ist. Mit einem speziellen Gehtraining kann man zwar versuchen, die Beweglichkeit des Kniegelenkes zu erhalten, einen Effekt auf die Entzündung hat dies aber meist nicht. Es ist also zu überlegen, ob neben dem Bewegungstraining nicht auch eine Optimierung der antientzündlichen Therapie erfolgen sollte. Ist nur ein Knie entzündlich verändert, bestünde zum Beispiel die Möglichkeit, Kortison direkt in das Gelenk zu spritzen. Sind jedoch weitere Gelenke betroffen, sollte die generelle medikamentöse Therapie angepasst werden.
  9. Moderne Biologika sollen bei schwerem Morbus Bechterew gute Therapieerfolge erzielen. Mein Hausarzt will mir diese aber nicht verschreiben. Welche Vor- oder Nachteile bieten diese Medikamente? Prof. Dr. med. Angela Gause, Fachärztin in einer Schwerpunktpraxis für Rheumatologie und Autoimmunerkrankungen in Hamburg: Die sogenannten TNF-alpha-Blocker sind Eiweißstoffe, die den Entzündungsbotenstoff TNF-alpha im Blut und Gewebe binden. Sie müssen als Spritze unter die Haut oder als Infusion gegeben werden. Bei Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis, AS) kann man damit erstaunliche Erfolge erzielen, wenn eine hohe Entzündungsaktivität vorliegt. Allerdings bringen die auch als Biologika bezeichneten Medikamente das Risiko mit sich, dass das Immunsystem in seiner Funktion eingeschränkt werden kann. Infektionen mit Viren und Bakterien können so eher auftreten und schwerer als normal verlaufen. Die möglichen Risiken müssen bei jedem Patienten individuell abgeklärt werden. Da insgesamt aber gerade bei jüngeren Patienten mit aktiver AS die Vorteile der Medikamente durch Besserung der Beweglichkeit, der Lebensqualität und der Erhaltung der Arbeitsfähigkeit nachgewiesen sind, sollten Sie diese Frage mit einem Rheumatologen besprechen.
  10. Aufgrund meines Rheumas fühle ich mich häufig erschöpft und bin von alltäglichen Verrichtungen überfordert. Was kann ich tun, um wieder mehr Schwung zu bekommen? Prof. Dr. med. Angela M. Gause: Medizinisch sollte ausgeschlossen sein, dass eine durch die Entzündung bedingte Blutarmut vorliegt. Das kann der Rheumatologe prüfen und möglicherweise die Therapie entsprechend anpassen. Bei Frauen vor den Wechseljahren kann zusätzlich ein Eisenmangel vorkommen. Bei einer länger bestehenden Rheumaerkrankung liegt häufiger zusätzlich ein Vitamin-B6- oder Vitamin-B12-Mangel vor. Beides kann man testen und behandeln lassen. Allgemein ist zudem zu prüfen, ob genügend und erholsam geschlafen wird. Um neue Kraft zu schöpfen, ist häufig auch eine spezielle rheumatologische Reha-Maßnahme hilfreich, die alle drei und in besonderen Fällen auch alle zwei Jahre möglich ist.
  11. Das beste Mittel gegen Rheuma wäre, regelmäßig Sport zu treiben, sagt mein Arzt. Doch ich kann mich einfach nicht dazu durchringen. Haben Sie einen Tipp, wie ich meinen Schweinehund überwinden kann? Prof. Dr. med. Angela M. Gause: Ich würde Ihnen empfehlen, sich „Verbündete“ zu suchen und ihre körperlichen Aktivitäten mit dem Partner, den Kindern oder Freunden durchzuführen. Ein von der Rheumaliga nahezu in jeder Stadt angebotenes Funktionstraining kann ebenso sinnvoll sein. Feste Termine, finanzielle Beteiligung und Spaß in der Gruppe sind dabei eine gute Motivation für eine regelmäßige Teilnahme. Auch können Sie sich selbst Anreize schaffen, in dem Sie sich Belohnungen in Aussicht stellen: Gönnen Sie sich nach fünf Aktivitäten einen Kino- oder Saunabesuch oder etwas Besonderes, das Ihnen Freude bereitet.

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