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Experteninterview zum Thema „DIABETES ERKENNEN“

Diabetiker Ratgeber Broschüre (c) koelln.de

Interview mit Prof. Dr. med. Burkhard L. Herrmann, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologe und Diabetologe aus Bochum

Wie ernst sind Symptome wie Fußkribbeln oder Taubheitsgefühle? Leiden davon betroffene Patienten tatsächlich oft an Diabetes?

Prof. Dr. med. Burkhard L. Herrmann Fußkribbeln und Taubheitsgefühle sind ein Erstsymptom einer peripheren Nervenstörung infolge des Diabetes mellitus. Der Diabetes mellitus stellt eine der Hauptursachen dieser häufig vorkommenden Beschwerden dar. Somit sollte jeder Patient, der diese Symptome bemerkt, sich auf Diabetes mellitus untersuchen lassen.

Muss man auch bei Missempfindungen an Beinen und Füßen, die nur periodisch und nicht ständig auftreten, an eine Nervenstörung denken?

Prof. Dr. med. Burkhard L. Herrmann Die Missempfindungen wie Ameisenlaufen oder ein pelziges Gefühl an den Beinen und Füßen können auch periodisch auftreten – etwa immer nachts beim Liegen. Allerdings müssen die Symptome auch nicht täglich bemerkt werden, sondern können auch zwischenzeitlich pausieren. In diesem frühen Krankheitsstadium ist eine rechtzeitige Behandlung besonders zu empfehlen.

Warum ist Früherkennung bei Diabetes besonders wichtig?

Prof. Dr. med. Burkhard L. Herrmann Die Früherkennung des Diabetes mellitus ist insofern besonders wichtig, da durch eine frühe und konsequente Blutzuckereinstellung Spätfolgen und Komplikationen verhindert werden können. Da ein erhöhter Blutzucker allerdings häufig keine Beschwerden verursacht und der Patient dies nicht bemerkt, sollte bei Vorsorgeuntersuchungen insbesondere auf einen Diabetes mellitus getestet werden.

Oftmals führen die Symptome diabetischer Folgeerkrankungen, wie der Neuropathie, erst auf die Spur eines Diabetes. Gibt es Frühsymptome, durch die ein Diabetes erkannt werden könnte, bevor er Schaden angerichtet hat?

Prof. Dr. med. Burkhard L. Herrmann Der Diabetes mellitus ist häufig bei Diagnosestellung symptomlos. Allerdings können frühzeitige Anzeichen von Komplikationen wie Nervenstörungen auf einen Diabetes mellitus hinweisen. Frühe neuropathische (das Nervensystem betreffende) Beschwerden werden häufig vor der Entstehung einer Nierenstörung oder einer schweren Herzerkrankungen sowie Augenveränderungen bemerkt. So entdeckt der Augenarzt bei Netzhautveränderungen häufig einen Diabetes mellitus als auch der Nierenspezialist oder der Kardiologe bei Behandlung eines Herzinfarktes.

Wie lassen sich diabetische Nervenstörungen am besten behandeln?

Prof. Dr. med. Burkhard L. Herrmann Diabetische Nervenstörungen lassen sich auf vielfältige Art behandeln. Ursächlich für die Entstehung einer Nervenstörung ist auch ein Vitamin-B1-Mangel, der durch den Diabetes verursacht wird. Dieser kann durch die fettlösliche Vitamin-B1-Vorstufe Benfotiamin in Form einer täglichen Tablettenzufuhr einfach ausgeglichen werden. Die Wirkung zeigt sich binnen weniger Wochen. Als weitere Maßnahmen kann hier auch die Gabe von Alpha-Liponsäure in Form von Infusionen als auch später durch Tabletten erfolgen. Wenn die ursächliche Therapie nicht erfolgreich ist und der Patient weiter unter den Missempfindungen leidet, kann der Schmerz oder das Missempfinden durch sogenannte Neuroleptika oder Antidepressiva behandelt werden.

Unterscheiden sich Männer und Frauen bzw. Ältere und Jüngere, wenn es um Diabetes-Frühsymptome geht?

Prof. Dr. med. Burkhard L. Herrmann Diabetes-Frühsymptome sind in aller Regel altersunabhängig. Unterschieden werden müssen die Symptome, die auf ein Typ-1-Diabetes oder ein Typ-2-Diabetes hinweisen. Der Typ-1-Diabetes zeigt sich durch einen Insulinmangel. Hier sind häufiger Patienten unter 40 Jahren betroffen. In diesem Fall steigen die Blutzuckerspiegel stärker an und weisen häufig Zuckerwerte über 300 mg/dl bei der Erstdiagnose auf. Hierdurch kommt es zu einem starken Durstgefühl und einem sehr starken Harnfluss. Zudem sind diese Patienten sehr müde und leiden gelegentlich unter Sehstörungen. Beim Typ-2-Diabetes zeigen sich häufig keine Frühsymptome. Selten treffen die oben genannten Symptome auch bei einem Typ-2-Diabetes zu. Der Typ-2-Diabetes ist typischerweise ein Zufallsbefund. Frühsymptome, die den Typ-2-Diabetes betreffen, können allerdings auch durch erste Symptome von Nervenschädigungen bemerkt werden. So sind z. B. das Fußkribbeln und Taubheitsgefühl mögliche Hinweise auf einen Typ-2-Diabetes.

Ein Brennen und Schmerzen in den Füßen tritt auch bei Multiple Sklerose oder beim Restless-Legs-Syndrom auf. Sollten Betroffene zuerst einen Neurologen aufsuchen?

Prof. Dr. med. Burkhard L. Herrmann Bei Brennen und Schmerzen sowie Ameisenlaufen in den Füßen sollte auf jeden Fall der einfach durchzuführende Blutzucker-Test erfolgen. Erst bei einem negativen Ergebnis ist der Neurologe hinsichtlich anderer möglicher Ursachen zu kontaktieren.

Wie würden Sie den typischen Diabetes-Risiko-Patienten charakterisieren?

Prof. Dr. med. Burkhard L. Herrmann Der typische Diabetes-Risiko-Patient ist übergewichtig, hat einen Bluthochdruck und erhöhten Cholesterinwert. Häufig sind auch in der Familie Typ-2-Diabetiker bekannt.

Die gesunde Mittelmeerkost gilt als Diabetes-Schutzfaktor. Hilft sie auch dann, wenn sich bereits die ersten Symptome der Erkrankung zeigen?

Prof. Dr. med. Burkhard L. Herrmann Eine gesunde Mittelmeerkost gilt als Diabetes-Schutzfaktor, da sie das Gewicht reguliert und fettarm ist. Auch bei Symptomen eines Diabetes mellitus und einer bereits erfolgten Tabletten- oder Insulinbehandlung sollte eine Mittelmeerkost eingehalten werden, da dadurch das Gewicht reguliert werden kann und die Zuckerwerte sich besser einstellen lassen.

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