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Experteninterview zum Thema „Richtig Online bewerben und Karriere machen!“

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Interview mit Dr. Hans-Christoph Kürn, Personalexperte bei der Siemens AG, Mario D’Alessio, Personalexperte bei der Fraport AG, und Carsten Franke, Sprecher der Stellenbörse JobStairs.

1. Welche Vorteile sehen Sie als Personalexperte bei Bewerbungen, die Sie in digitaler Form erhalten?

Dr. Hans-Christoph Kürn: Diese stehen der Bewerbung in Papierform in keiner Weise nach. Im Gegenteil: Der Vorteil von digitalisierten Bewerbungen ist vor allem die schnellere Bearbeitung, da die Daten einfach in das Bewerbermanagementsystem übernommen werden können. Siemens ist auch im Bereich „Human Ressources“ innovativ, wir bearbeiten in der Personalabteilung Bewerbungen nur elektronisch – völlig ohne Papier. Das sichert eine höhere Effizienz und sorgt für die erwähnte Schnelligkeit.

2. Wer bekommt die gemailten oder über Eingabeformulare geschickten Bewerbungen – und nach welchen Kriterien werden dann Kandidaten für Vorstellungsgespräche ausgewählt?

Dr. Hans-Christoph Kürn: Mail-Bewerbungen können wir nicht mehr annehmen, denn nur in der Online-Bewerbung gibt es für den Kandidaten die Möglichkeit, unserer Datenschutzerklärung zuzustimmen. Datenschutz ist uns wichtig, schließlich geht es um unsere Bewerber und damit auch um unsere Kunden! Erhalten wir Bewerbungen per Mail (oder postalisch), dann schicken wir sie mit einer kurzen Erklärung der Online-Bewerbung und ihrer Vorteile zurück.Die Kriterien, nach denen ein Bewerber dann für ein Vorstellungsgespräch ausgesucht wird, sind von dem jeweiligen Stellenprofil abhängig. Passt ein Profil zu den Anforderungen einer ausgeschriebenen Stelle, wird der Kandidat in die engere Auswahl genommen und zu einem ersten Gespräch eingeladen. Hier sind dann auch noch die „Soft Skills“ entscheidend. Sprich: Passt der Bewerber zu uns und zu dem jeweiligen Team?

3. Ist es ratsam, möglichst viele Unterlagen (Zeugnisse oder Arbeitsproben) zu senden, oder haben Sie hierbei Prioritäten?

Dr. Hans-Christoph Kürn: „Möglichst viele Unterlagen“ machen kaum Sinn. Wir benötigen ein Anschreiben, einen Lebenslauf und das letzte Zeugnis. Darüber hinaus kann es Sinn machen, noch das eine oder andere Dokument anzuhängen, das den Bewerber besonders auszeichnet, wie zum Beispiel eine zusätzliche Qualifikation. Versetzt man sich einmal in die Rolle eines Recruiters von Siemens, dann versteht man: Er freut sich, wenn der Bewerber authentisch, interessant und ansprechend „rüberkommt“. Dazu bedarf es nur weniger, aber aussagekräftiger Unterlagen.

4. Spielen Details – etwa Rechtschreibung, Betreff, die E-Mail-Adresse oder eine Mail-Signatur – eine Rolle bei einer Online-Bewerbung?

Dr. Hans-Christoph Kürn: Die korrekte Form sollte auf jeden Fall eingehalten werden. Bei einer digitalen Bewerbung über das Eingabeformular würde die Frage nach der korrekten Schriftform und dem Betreff zwar nicht aufkommen, doch sollte man hier ebenfalls häufige Fehler vermeiden. Dazu gehört zum Beispiel, dass freie Textfelder ungenutzt bleiben. Eine vertane Chance, denn hier kann sich der Bewerber positiv darstellen. Außerdem gilt: Gerade wenn man sich auf eine Stelle bewirbt, bei der Schreibkompetenz von Bedeutung ist, kann man durch einen fehlerfreien Text und eine korrekte Mail-Signatur Pluspunkte sammeln. Ein Bewerbungsschreiben, in dem es von Rechtschreibfehlern nur so wimmelt, ist ein K. o.-Kriterium.

5. Wie schnell sollten Bewerber auf eine online ausgeschriebene Stelle reagieren – gilt auch hier: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst?

Mario D‘Alessio: Eine Bewerbung auf eine Stellenanzeige ist kein Wettrennen. Deshalb wird auch nicht derjenige, der als Erster seine Bewerbung einreicht, automatisch zu einem ersten Gespräch eingeladen. Der Bewerbungsprozess ist eine Art Filterung. Die eingehenden Unterlagen werden erst einmal gesichtet und geprüft. Deshalb sollte man sich vorher Zeit nehmen, um seine Bewerbung vorzubereiten und diese dann fehlerfrei einzureichen. Allerdings sollten die Kandidaten auch nicht bis zum letzten Tag des Einsendeschlusses warten. Dann könnte es knapp werden. Es ist ein Irrtum, dass die letzte eingegangene Bewerbung oben auf dem Stapel liegt – gerade in unserem zunehmend digitalen Zeitalter besteht eher die Gefahr, dass sie aus dem Prozess herausfällt.

6. Weshalb entscheiden sich immer mehr große Unternehmen wie Fraport / Siemens dafür, Bewerbungen nur noch online entgegenzunehmen?

Mario D‘Alessio: Ich denke, dass die Unternehmen damit vor allem den Bedürfnissen und Lebensgewohnheiten der Bewerber folgen. Dies zeigt sich schon daran, wie die Kandidaten heutzutage über vielfältige Wege im World Wide Web nach interessanten Stellen suchen. Mittlerweile findet eben ein großer Teil der beruflichen und privaten Kommunikation online statt. Zudem wird der Bewerbungsprozess durch die Online-Bewerbung vereinfacht: Die Unternehmen müssen die Unterlagen nicht mehr händisch auswerten. Darüber hinaus werden zusätzliche Kosten für die Rücksendung von Hunderten von Bewerbungsmappen eingespart.

7. Was bedeutet diese Entwicklung für die Bewerber?

Mario D‘Alessio: Die Bewerber erkennen daran unter anderem, wie zeitgemäß ein Unternehmen ist. Auch sie sparen ja die Ausgaben für teure Bewerbungsmappen und Porto. Es bedeutet aber auch, dass Bewerber sich vielleicht noch in gängige Programme einarbeiten müssen, um eine digitale Bewerbungsmappe zu erstellen. Dies wiederum signalisiert den Personalverantwortlichen eine Methodenkompetenz des Bewerbers im Umgang mit berufsrelevanten Anwendungen.

8. Bieten Online-Jobportale Menschen, die auf der Suche nach einem neuen Job oder einem Ausbildungsplatz sind, Unterstützung bei ihrer Bewerbung an?

Carsten Franke: Zunächst müssen die Jobsuchenden einen passenden Job finden. Hierbei helfen die verschiedenen Suchfunktionen, die es etwa bei dem Online-Jobportal JobStairs gibt. Darüber hinaus haben die Kandidaten die Möglichkeit, selbst ein Stellengesuch aufzugeben und ihr persönliches Profil online zu erstellen. Dieses Stellengesuch können die Partnerunternehmen einsehen. Außerdem bietet das Job-Portal der Top-Unternehmen auch den Export der Profildaten an. Das heißt, dass die Bewerber aus den angegebenen Daten einen Lebenslauf erstellen können, den sie dann weiterverwenden können.

9. Was raten Sie Neulingen auf dem Arbeitsmarkt oder Jobwechslern, die sich zum ersten Mal online bewerben?

Carsten Franke: Ich glaube, dass die Generation, die jetzt vermehrt auf den Arbeitsmarkt strömt, ebenso wie die künftige Generation als „Digital Natives“ weniger Schwierigkeiten bei der Erstellung einer Online-Bewerbung haben wird. Jobwechsler aus früheren Generationen sind zwar nicht mit den digitalen Medien aufgewachsen, aber im Rahmen ihrer bisherigen Tätigkeiten sicher damit konfrontiert worden. Im Grunde gelten für die Bewerbung übers Internet die gleichen Empfehlungen wie für eine schriftliche Bewerbung: Am besten das Anschreiben und den Lebenslauf von Freunden oder Bekannten Korrektur lesen lassen. Und vor der Aussendung die erstellten Dokumente noch einmal anschauen, um z. B. Formatierungsfehler in PDF-Dateien ausfindig zu machen.

10. Gibt es Dinge, die man bei einer Online-Bewerbung auf jeden Fall vermeiden sollte?

Carsten Franke: Grundsätzlich sind die gleichen Regeln wie bei einer schriftlichen Bewerbung zu beachten: Rechtschreibfehler vermeiden und kein unseriöses Bewerbungsfoto aus dem letzten Urlaub verwenden. Auch unvollständige Unterlagen einzureichen ist ein „No-Go“, ebenso die Angabe einer anonymen Spaß-Mail-Adresse. Bei der Bewerbung per E-Mail sollte man darüber hinaus darauf achten, dass die Dateianhänge das richtige Format haben, am besten PDF. Ein Tipp zudem: Übertrieben gestaltete und vollgepackte digitale Bewerbungsmappen wirken aufdringlich. Die Dateigröße aller angehängten Dokumente sollte zehn MB nicht überschreiten. Im schlimmsten Fall kommen Online-Bewerbungen sonst gar nicht bei dem Empfänger an.

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