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Herbstzeit ist Trauerzeit: Fragen rund um das Sterben

Friedhof (c) familienfreund.de

Herbstzeit ist Trauerzeit: Der November mit seinen stillen Feiertagen bietet viele Anlässe, an verstorbene Angehörige zu denken und ihre Gräber mit Lichtern oder einem Gesteck zu schmücken. Doch offen über Abschied und Trauer zu sprechen, fällt vielen schwer. Ein Versäumnis, das im Todesfall unter den Hinterbliebenen zu Irritationen und gar Streitigkeiten führen kann – von der Gestaltung der Trauerfeier bis hin zu Fragen rund um die Erbschaft. Die Unsicherheit im Umgang mit dem Tod ist groß und der Informationsbedarf insbesondere zur Testamentsgestaltung riesig. Aber auch Möglichkeiten der Todesfallvorsorge müssen immer wieder neu besprochen und dem Wandel der Zeit angepasst werden. Im Experteninterview beantwortet Andrea Maria Haller ihre Fragen rund um das Sterben.

Trauerbewältigung – was raten Sie Betroffenen?

Gerade wenn junge Menschen sterben und dazu noch Kinder hinterlassen, ist dies besonders tragisch. Haben Sie in Ihrem Institut besondere Hilfsangebote zur Trauerbewältigung – was raten Sie Betroffenen?

Andrea Maria Haller: Menschen sind in ihrer Trauer so einzigartig und individuell wie sonst in ihrem Leben auch. Wichtig ist es, genug Zeit und Raum zum Abschiednehmen zu ermöglichen. Etwa, um sich bewusst vom Verstorbenen zu verabschieden und auch Kindern die Gelegenheit zu geben, den Verstorbenen zu sehen, wenn sie das möchten. Man sollte sich vor allem zu nichts zwingen. Eine Trauerfeier kann auch noch eine Woche später stattfinden, wenn man soweit ist. Es ist oft weniger Zeitdruck da, als man denkt.

Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus oder fühlen sich trotz Taufe nicht mehr dort zugehörig – prägt diese Entwicklung Ihre tägliche Arbeit und wenn ja, wie?

Andrea Maria Haller: Viele Menschen wissen gar nicht, was sie glauben, sie wissen oft nur, was sie nicht glauben. In meiner Arbeit als Redner geht es darum, eine Sprache des Trostes zu finden, die zu den Angehörigen passt. Für viele sind es nicht die Inhalte der Kirche, sondern die Form, mit der sie sich nicht mehr identifizieren können.

Welche Bestattungsarten sind ‚in‘?

Bestattungen auf hoher See sind alltäglich geworden, doch selbst die Beisetzung im Weltraum wird heutzutage angeboten: Verschwindet allmählich die traditionelle Erdbestattung aus unserer Kultur?

Andrea Maria Haller: Dies ist von Region zu Region sehr unterschiedlich. In Süddeutschland hält es sich die Waage mit 50 Prozent Erdbestattung und 50 Prozent Feuerbestattung. In den neuen Bundesländern ist die Erdbestattung schon lange nicht mehr Tradition. 90 Prozent der Bürger lassen sich dort einäschern. Aber auch neue Bestattungsmöglichkeiten wie Baumbestattungen erleben einen starken Zulauf.

Trauer und Abschiednehmen – wie am Besten

Trauer und Abschiednehmen ist etwas höchst Individuelles. Welche Möglichkeiten haben Angehörige, um einer Trauerfeier einen persönlichen Rahmen zu geben?

Andrea Maria Haller: Ein wichtiges Element ist oft die Musikauswahl. Denn mit Musik verbindet man viele Emotionen und Erinnerungen. Da kann schon mal Simon & Garfunkel, Rockmusik, Frank Sinatra oder auch Louis Armstrong zu hören sein. Man kann in der Trauerfeier Bilder oder auch eine Collage aufstellen, die aus dem Leben des Verstorbenen erzählt. Freunde und Verwandte können in der Trauerfeier von gemeinsamen Erlebnissen berichten oder über ihre eigene Beziehung zu dem Toten sprechen. Oft sind Geschichten persönlicher als Daten. Trauerfeiern müssen auch nicht auf dem Friedhof stattfinden. Solange die Eigentümer einverstanden sind, können sie auch einen Sarg zur Feier in ein Theater, eine andere Art von Feierhalle oder aufs Fußballfeld bringen, wie bei Robert Enke.

Mehrere Religionen in nur einer Familie anzutreffen, ist heute keine Seltenheit mehr. Was empfehlen Sie in diesem Fall, um Streit über die religiöse Ausrichtung einer Trauerfeier zu vermeiden?

Andrea Maria Haller: Zuerst sollte man sich an dem Verstorben orientieren und daran, was für ihn wichtig gewesen wäre. Wenn es keine klaren Vorgaben gibt, dann sollte man klären, für wen es wirklich wichtig ist und wer ohne Gewissenskonflikte nachgeben kann. Man kann sich dann oft auf einen freien Redner einigen, der unterschiedliche Elemente zusammenfügt und jedem seinen Raum gibt.

Zurück ins Leben zu finden?

Wenn nach vielen gemeinsamen Jahren der Partner verstirbt, fallen viele ins Leere. Was raten Sie Betroffenen, um zurück ins Leben zu finden?

Andrea Maria Haller: Ratschläge sind oft auch Schläge. Trauer braucht Raum und Zeit. Diese sollte man den Menschen auch zugestehen. In vielen Orten gibt es Gelegenheiten, Menschen zu treffen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, zum Beispiel in Trauercafés. Der Austausch miteinander kann oft schon sehr hilfreich sein. Vielfach werden auch Veranstaltungen wie gemeinsame Museums- oder Theaterbesuche angeboten – für gemeinsame Schritte zurück ins Leben.

Was ist im Todesfall konkret zu tun? Woran sollten Angehörige als erstes denken und welche Unterlagen werden akut benötigt?

Andrea Maria Haller: Zunächst sollte man sich Zeit lassen und Ruhe bewahren. Am ersten Tag trifft man oft nicht die besten organisatorischen Entscheidungen. Zu den benötigten Unterlagen zählen:

  • Personalausweis oder Reisepass des Verstorbenen
  • Stammbuch der Familie oder andere urkundliche Nachweise über den Familienstand des Verstorbenen wie die Heiratsurkunde bei Verheirateten (wenn die Ehe im Ausland geschlossen wurde, kann es vorkommen, dass das Standesamt eine Anerkennung der Eheschließung benötigt)
  • bei Geschiedenen die Heiratsurkunde und das Scheidungsurteil
  • bei Verwitweten die Sterbeurkunde des früher verstorbenen Ehepartners oder die Todeserklärung bei Verschollenen
  • bei Ledigen die Geburtsurkunde
  • falls vorhanden Bestattungsvorsorgevertrag sowie Grabkarte oder Grabnummer

Kommen viele Angehörige in Ihr Institut und wissen nicht, welche Art der Trauerfeier und Bestattung der Verstorbene gewünscht hat? Und, wenn ja, wie könnte man das aus Ihrer Sicht vermeiden?

Andrea Maria Haller: Natürlich ist es gut, wenn in Familien und unter Freunden offen darüber gesprochen wird, was man möchte. Auch schriftliche Aufzeichnungen sind hilfreich, können aber gerade bei Wünschen, wie einer anonymen Beisetzung, viel Schmerz auslösen. Der beste Weg ist aus meiner Sicht, den Angehörigen zu sagen, was man sich wünscht, ihnen aber auch Freiheit bei der Gestaltung zu belassen.

Muss eine Bestattung immer teuer sein oder können Sie alternative Beisetzungsformen empfehlen, die Familien mit wenig Geld helfen, trotzdem eine Feier stilvoll abzuhalten?

Andrea Maria Haller: Nicht die Trauerfeier, sondern die Grabart verursacht zumeist die höchsten Kosten, wobei auch für eine Trauerfeier viel Geld ausgegeben werden kann. Weniger ist mehr: Anstelle eines großen Sargschmucks kann auch eine symbolische einzelne Blume sehr schön sein.

Ist es möglich, dass Menschen bereits zu Lebzeiten ihre Bestattung selbst regeln, und wenn ja, was alles ist zu bedenken?

Andrea Maria Haller: Wichtig ist daran zu denken, dass die Angehörigen mit den eigenen Entscheidungen und Vorgaben leben müssen. Manche Menschen denken, dass es für die Familie am besten ist, wenn sie keine Kosten und keine Last haben. Aber für die Angehörigen ist dies oft nicht so. Viele Hinterbliebene wünschen sich ein Grab, das sie besuchen können, und leiden sehr, wenn ihnen das genommen wird.

[Update: 28.5.2008]

Anspruch auf einfache Bestattung mit Sozialhilfe

schon seit 2008 ist klar, dass bei bedarf das sozialamt die ausgaben für eine „einfache ortsübliche bestattung“ der angehörigen des sozialhilfeempfängers übernimmt. das sozialamt muss dabei nur die kosten für eine bestattung entsprechend den örtlichen gepflogenheiten übernehmen. angemessen sei in diesem fall ein einfaches reihengrab. die für die überführung des leichnams entstehenden kosten werden nicht übernommen. auch für die vorfinanzierung der grabnutzung in den kommenden jahrzehnten wird keine sozialhilfe gewährt. wenn die pflicht zur bestattung mehrere familienmitglieder betrifft, müssen diese die kosten jeweils anteilig bestreiten. das sozialamt beteiligt sich in diesem fall auch nur teilweise.

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