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Herz- und Gefäßerkrankungen: Bescheid wissen, Leben retten

Bluthochdruck (c) geralt / pixabay.de

Risiken erkennen, Arterien und Gefäße schützen: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, so eine mögliche Devise derer, die lieber auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen verzichten, als zum Arzt zu gehen. Doch gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann diese Vogel-Strauß-Taktik grob fahrlässig, wenn nicht sogar gefährlich sein. Schließlich sind rund 40 Prozent aller Todesfälle in Deutschland auf Erkrankungen des Herzens oder Gefäßsystems – wie Herzinfarkt oder Schlaganfall – zurückzuführen. Statt also den Kopf in den Sand zu stecken, raten Experten, sich über den Zustand der eigenen Gefäße rechtzeitig zu informieren und eine mögliche Arteriosklerose ernst zu nehmen. Das bedeutet vor allem, wichtige Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und nicht zuletzt die Cholesterinwerte im Blick zu behalten.

Gefäßgesund leben, Stress vermeiden

Um Risiken für Herz und Gefäße zu senken, empfehlen Experten wie PD Dr. med. Andreas Schäfer einen Lebensstil, der sich positiv auf die Gefäßgesundheit auswirkt. Neben mediterraner Ernährung und leichtem Ausdauersport bedeutet dies den Verzicht auf Rauchen und nicht zuletzt die Vermeidung von Stress. „Eine dauerhafte Aktivierung der Adrenalinfreisetzung bei Stress führt zu einer Überlastung des Körpers mit Engstellung der Blutgefäße und einem vermehrten Sauerstoffbedarf der Herzmuskulatur, die sich dann nicht mehr ausreichend erholen kann“, betont der stellvertretende Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Beides ziehe einen Bluthochdruck nach sich, der zu dauerhaften Schädigungen der Blutgefäße und der Nieren führe. So werde das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht.

Risikofaktoren spielen zusammen

Um bereits vorhandene Schädigungen festzustellen, empfiehlt der Experte Risikopatienten nach Rücksprache mit dem Hausarzt einen Gefäßcheck beim Kardiologen. Neben einem EKG und Herzultraschall wird dabei auch die Gefäßwandstruktur der Halsschlagadern untersucht. Zudem gehören die Bestimmung der Blutfette und ein Belastungstest zur Zuckerverstoffwechselung dazu, denn nicht nur ein einzelner Risikofaktor, sondern das Zusammenspiel aller bestimmt das Infarktrisiko. „Um das Gesamtrisiko zu ermitteln, wurde ein Punktesystem entwickelt, der sogenannte PROCAM-Score“, erklärt Dr. med. Peter Frank, Allgemeinmediziner aus Gröbenzell bei München. Mithilfe dieser Berechnung wird eine Aussage darüber möglich, wie hoch das individuelle Risiko ist, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden.

Umfassendes Cholesterinmanagement

Im Hinblick auf die individuelle Situation spielen nicht zuletzt die Blutfette eine entscheidende Rolle. Zahlreiche Studien haben hinreichend belegt, dass erhöhte Werte des LDL-Cholesterins mit einem gesteigerten Herz-Kreislauf-Risiko in Zusammenhang stehen. Ob eine Senkung des LDL-Cholesterins erforderlich wird, hängt vom persönlichen Risiko ab. „Patienten nach Herzinfarkt und Diabetespatienten haben immer ein erhöhtes Risiko, für alle anderen kann man anhand der Risikoberechnung sagen, wie hoch das LDL-Cholesterin sein soll“, erläutert PD Dr. med. Mark Lankisch, Internist aus Düsseldorf. Muss der Wert des LDL-Cholesterins gesenkt werden, ist ein umfassendes Cholesterinmanagement gefragt, das immer eine zielgerichtete Ernährungsumstellung auf eine kaloriengerechte, ballaststoffreiche und fettarme Kost beinhaltet. „Gemeinsam mit weiteren Lebensstiländerungen wie einer Gewichtsreduktion und regelmäßiger Bewegung bildet sie die Basis jeder Therapie“, erläutert Prof. Dr. med. Sabine Westphal. Bei Risikopatienten seien diese Maßnahmen allein jedoch oft nicht ausreichend, betont die Chefärztin des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik am Städt. Klinikum Dessau.

Kombinierte Therapie für Risikopatienten

Um die gewünschten LDL-Zielwerte für Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) zu erreichen, müsse oftmals zusätzlich eine medikamentöse Therapie mit Statinen eingesetzt werden. „Dabei handelt es sich um Stoffe, die ein Schlüsselenzym der Cholesterinsynthese in der Leber hemmen“, erklärt Prof. Westphal. „Die Standarddosis dieser Medikamente senkt das LDL-Cholesterin in der Regel um 30 bis 40 Prozent.“ Würden die gewünschten, individuellen Zielwerte für das LDL-Cholesterin auch mit einem Statin nicht erreicht, sei eine Kombinationstherapie sinnvoll: „Oft werden die Statine dann mit einem sogenannten Cholesterinaufnahmehemmer kombiniert“, ergänzt Dr. Lankisch. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung (DGK) führt die Senkung des LDL-Cholesterins bei KHK-Patienten zu einer Verlangsamung der Arteriosklerose, zu einem Rückgang kardiovaskulärer Ereignisse um 30 bis 40 Prozent und der Sterblichkeit um über 30 Prozent. Eine aktuelle Untersuchung unterstützt zudem die Annahme, dass eine frühzeitig begonnene Senkung des LDL-Cholesterins die Entwicklung von Arteriosklerose und damit von Herzerkrankungen erheblich verzögern kann.

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