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Konferenz „Eltern können mehr! Interkulturelle Elternkooperation für Berufsorientierung und Integration“

Migrant mit Kind (c) Jerzy pixelio.de

Staatsministerin Maria Böhmer setzt sich mit Nachdruck dafür ein, die Rolle von Eltern mit Migrationshintergrund bei der Berufsorientierung ihrer Kinder zu stärken. „Für einen erfolgreichen Übergang von der Schule in den Beruf ist die Unterstützung der Jugendlichen durch die Eltern von zentraler Bedeutung. Sie sind wichtige Vorbilder und Ratgeber für ihre Kinder.

Vielen Migranteneltern fällt es jedoch noch schwer, diese Rolle auszufüllen. Oft hindern sie mangelnde Sprachkenntnisse, sich aktiv einzubringen. Oder ihnen fehlen Informationen zum deutschen Bildungs- und Ausbildungssystem . Umso wichtiger ist es, Eltern in ihren Kompetenzen zu stärken und sie intensiver bei der Berufsorientierung ihrer Kinder einzubeziehen. Die Botschaft lautet wie das Motto der Konferenz: Eltern können mehr!“, betonte Böhmer auf der Tagung zur Interkulturellen Elternkooperation für Berufsorientierung und Integration in Hannover.

Die Staatsministerin führt die Konferenz im Rahmen des Nationalen Ausbildungspaktes von Politik und Wirtschaft durch. Seit 2010 ist die Förderung von jungen Migranten Schwerpunkt des Ausbildungspaktes. Zu Beginn dieses Monats hat Staatsministerin Böhmer – gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände – die Federführung beim Pakt übernommen.

„Eine engagierte Mitwirkung der Eltern vergrößert die Chancen der Jugendlichen auf einen erfolgreichen Start ins Berufsleben deutlich. Deshalb appelliere ich an alle, die ehrenamtlich oder hauptberuflich junge Migranten bei der Berufsorientierung beraten: Binden Sie die Eltern stärker ein! Gehen Sie intensiver auf die Eltern zu und machen Sie ihnen Angebote. Zugleich möchte ich die Eltern selber ermutigen: Bringen Sie sich ein und unterstützen Sie Ihre Kinder mit ganzer Kraft. Sie haben es in der Hand, Ihre Kinder auf ihrem Bildungsweg und bei der Berufsorientierung zu motivieren!“, so die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung.

Trotz leichter Fortschritte ist die Ausbildungssituation junger Ausländer nach wie vor dramatisch: 2010 betrug die Ausbildungsbeteiligungsquote von ausländischen Jugendlichen 33,5 Prozent. Die Quote der deutschen Jugendlichen lag bei 65,4 Prozent. Zudem haben von den 25- bis 35-Jährigen aus Zuwandererfamilien 31,6 Prozent keinen Berufs- oder Hochschulabschluss. In derselben Altersgruppe ohne Migrationshintergrund sind es 14,9 Prozent. Um die Chancen der Migranten zu verbessern, will die Konferenz die Zusammenarbeit von Schulen, Arbeitsagenturen, Unternehmen, Kammern, Stiftungen und insbesondere den Eltern intensivieren. Zahlreiche Praxisbeispiele zeigen, wie es gelingt, Eltern aus Zuwandererfamilien bei Berufswahl und Ausbildungsplatzsuche der Jugendlichen stärker einzubinden.

Für eine größere Chancengerechtigkeit für junge Migranten plädierte auch der Niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann: „Unser Ziel ist, die individuellen Bildungschancen jeder Schülerin und jedes Schülers unabhängig von der Herkunft zu erhöhen und damit jedem die Möglichkeit zum Aufstieg durch Bildung zu eröffnen. Das wird uns besonders dann gut gelingen, wenn Eltern und Bildungseinrichtungen sie gemeinsam auf ihrem Weg unterstützen, von der Krippe bis zur berufsbildenden Schule. Für Jugendliche mit Migrationshintergrund haben ihre Eltern als Erziehungs- und Bildungspartner in Fragen der Berufsorientierung und Berufsfindung einen besonders hohen Stellenwert. Hier setzt unsere gezielte Unterstützung an.“

Kultusministerium und Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit hatten vor einem Jahr die „Koordinierungsstelle Berufsorientierung“ ins Leben gerufen. Jüngst startete ein Modellprojekt mit dem Titel „Es gibt mehr als zehn Berufe“, das Eltern und ihren Kindern die Vielfalt der Ausbildungsberufe aufzeigen soll. Um Menschen mit Migrationshintergrund individuell unterstützen zu können, bieten Agenturen für Arbeit und Jobcenter Schulungen zu interkulturellen Kompetenzen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Die Erfahrung zeigt: „Vielen Eltern ist das in Deutschland übliche duale Ausbildungssystem nicht vertraut, daher gehen unsere Berufsberaterinnen und -berater besonders darauf ein und erklären die Vorteile“, sagte Klaus Stietenroth, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen. „Nur gut informierte Eltern können die Potenziale ihrer Kinder optimal fördern. Davon profitieren nicht nur die Jugendlichen, sondern angesichts steigender Fachkräftebedarfe auch die Unternehmen“, betonte der Arbeitsmarktexperte.

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, Jans-Paul Ernsting, wies darauf hin, dass im Handwerkskammerbezirk Hannover in jedem Jahr ca. 3.800 Lehrstellen neu besetzt werden. „Ausländische Jugendliche sind für das Handwerk von großer Bedeutung“, erklärte er. „Hier schlummert ein Potenzial, das wir künftig gern noch stärker heben möchten. Im Interesse unserer Betriebe, denen es immer schwerer fällt, Fachkräfte zu rekrutieren. Damit das gelingt, werden wir die Zusammenarbeit mit den Eltern weiter verstärken. Sie sind wichtige Ratgeber für ihre Kinder und müssen daher als Erste davon überzeugt werden, dass das Handwerk interessante, zukunftssichere Berufe mit guten Verdienst- und Karrierechancen bietet.“

Auch Habib Eslami, Koordinator des MigrantenElternNetzwerks Niedersachsen, weiß, wie wichtig die Unterstützung für Jugendliche und Eltern mit Zuwanderungsgeschichte ist. Die Verbesserung der Bildungs- und Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Deutschland, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, aber auch die Eltern eine Schlüsselrolle übernehmen. Die Migrantinnen und Migranten nehmen ihre Verantwortung ernst und gründeten im April 2011 ein landesweites MigrantenElternNetzwerk zur Unterstützung und Verbesserung der Bildungs- und Ausbildungschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Niedersachsen. Das MigrantenElternNetzwerk unterstützt Eltern bei der Verantwortungsübernahme und verleiht ihnen eine starke Stimme bei der Vertretung ihrer Interessen in der Bildungspolitik.

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