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jedes kind hat ein recht auf gewaltfreie erziehung

Kind | Mädchen hält schützend die Hände vors Gesicht (c) myself / pixelio.de

jedes kind in deutschland hat seit 2. November 2000 ein gesetzlich verbrieftes recht auf gewaltfreie erziehung. eine gewaltfreie erziehung ist dann gegeben, wenn körperliche bestrafungen, seelische verletzungen und andere entwürdigende maßnahmen nicht teil der erziehung sind. auch eine ohrfeige kann das kind schon als seelische strafe empfinden. stellen sie sich doch einfach mal vor, sie müssten von einem menschen, den sie bis dahin als liebenswerten und netten menschen empfunden haben, eine ohrfeige einstecken.

wie du mir so ich dir?

in der erziehung von kindern orientieren sich viele eltern an dem, was sie selbst erlebt haben. sie überlegen, wie haben meine eltern auf grenzübertritte reagiert oder welches verhalten haben sie von mir erwartet bzw. mit ihren strafen erreicht? in jeder generation hat sich das bild vom kind auch noch gesellschaftlich gewandelt und mit  inhalten gefüllt. während kinder im mittelalter noch als arbeitskräfte und zusätzliche esser betrachtet wurden, gab es im bürgertum des 18./19. jahrhunderts bereits erste kindersachen für kinder und kindergärten bzw. schulen. allerdings war das kind dort eher ein statussymbol und wurde oft als kopie der eltern gesehen. bestrafungen mit körperlicher züchtigung waren erlaubt und gewünscht. es ging auf jeden fall um gehorsam.

kindheit im wandel der zeit

körperstrafen an schulen wurden in der ddr schon 1949 abgeschafft. in der brd gab es bis 1973 ein züchtigungsrecht für lehrkräfte an schulen. einige bundesländer hatten allerdings schon vor 1973 ein verbot von solchen züchtigungen ausgesprochen. in den deutschen familien wandelte sich das recht auf elterliche gewalt erst 1980 in den begriff elterliche sorge um. das heißt allerdings nicht, dass alle eltern von züchtigungen und körperstrafen gebrauch gemacht haben. von familie zu familie variierten die erziehungsstile und -methoden. sich in die seelische verfassung des kindes hineinzuversetzen gelingt am ehesten, wenn man sich mal vorstellt selber diese situation erleben zu müssen. selbst ständig gesagt zu bekommen „du bist zu dumm“ oder „das schaffst du eh nicht“. wenn sich manche eltern fragen würden wie sie reagieren würden, wenn sie stundenlang allein in einem abgedunkelten raum ausharren müssten, bräuchte manches kind diese oder ähnlich entwürdigende maßnahmen nicht erleben.

grenzen und grenzüberschreitungen

kinder loten ihre grenzen aus und stellen uns als eltern auf immer neue geduldsproben. selbst ein baby kann manchmal durch stundenlanges unaufhaltsames weinen oder schreien seine eltern bis an die grenzen der belastbarkeit bringen. ist diese phase dann erstmal überstanden, fängt es an zu bocken, als schulkind fordert oder streikt es und als jugendlicher rebelliert es sowieso gegen alles und jeden. wenn hoffnungen und erwartungen zweier so unterschiedlicher parteien aufeinandertreffen und die enttäuschungen zunehmen, sieht manchmal einer der beiden „kontrahenten“ keinen anderen ausweg, um dem anderen seine grenzen aufzuzeigen, als den schritt in die gewalt. da werden babys angeschrien, allein in einen anderen raum gelegt oder so lange geschüttelt bis sie ruhe geben. letzteres führt zum bekannten schütteltrauma bis hin zu lebensbedrohlichen verletzungen. bei einem kleinkind rutscht den genervten eltern schon mal die hand zu einer ohrfeige aus oder es hagelt beschimpfungen. gleiches erleben unmotivierte oder streikende schulkinder. und auch rebellierende jugendliche erfahren unverständnis, demütigung oder nichtbeachtung durch ihre eltern.

inmitten so mancher konfliktsituation scheint es keinen ausweg zu geben, eine gewaltfreie lösung ist kaum vorstellbar und doch geht es auch ohne. das beweisen täglich unzählige eltern und erzieher, welche auch ohne die anwendung von gewalt jeglichen ausmaßes auskommen. „sanfte methoden“ der erziehung sind erlernbar. grundlage ist die anerkennung und achtung des kindes als eigenständige und einzigartige persönlichkeit. die chance sich als kind selbst zu erleben, selbst erfahrungen zu machen und erkenntnisse zu ziehen und somit den weg aus der elterlichen abhängigkeit selbst zu finden, sollte keinem kind genommen werden. während dieser zeit sollten eltern verantwortungsbewußt und unterstützend zur seite stehen und bei bedarf hilfe und begleitung anbieten.

eigene verhaltensmuster analysieren

ein erster schritt auf dem weg zur gewaltfreien erziehung ist das erkennen der eigenen belastungsgrenze und damit einhergehend das finden und zulassen von entlastungen durch den partner oder durch freunde und nachbarn. fragen sie sich wann sie ihr kind anbrüllen, schlagen oder auch „nur“ ungerecht behandeln. suchen sie sich personen, denen sie vertrauen und mit denen sie sich über ihre situation austauschen können. tauschen sie ihre erfahrungen, z.b. mit anderen eltern aus.

individuelle beratungen werden von kinderschutzeinrichtungen, erziehungsberatungsstellen oder vom jugendamt angeboten. diese stellen sind verpflichtet, eltern in notsituationen zu helfen und ihnen beim lösen der probleme zu helfen. der deutsche kinderschutzbund bietet beispielsweise unter dem thema „starke eltern – starke kinder“ elternkurse an. deren ziel ist die festigung der erzieherischen kompetenz der eltern, die stärkung des selbstvertrauens der erziehenden und die verbesserung der kommunikationsfähigkeit innerhalb der familie.

für eltern, welche sich nicht persönlich an eine beratungsstelle wenden möchten, sondern ihr problem lieber anonym vortragen möchten, hat der kinderschutzbund ein elterntelefon eingerichtet. hier können sich eltern montags und mittwochs von 9.00 bis 11.00 uhr und dienstags und donnerstags von 17.00 bis 19.00 uhr unter der rufnummer: 0800 111 0 550 beraten lassen.

elternführerschein oder nicht?

eine frage, die sich mir schon lange stellt: brauchen wir als eltern einen führerschein, wo man alles wichtige zur kindererziehung im rundumschlag beigebracht bekommt oder sollten wir es ähnlich wie in südengland handhaben? dort wird es am brighton college künftig ein neues pflichtfach geben: gutes benehmen. schülern ab 13 jahren wird dann einmal pro woche beigebracht, wie man sich bei tisch zu verhalten hat, hemden bügelt oder ein ei kocht. kurz, sie sollen „für das gesellschaftliche leben fit gemacht werden“, so direktor richard cairns.

vielleicht wäre es ratsam den kindern in der schule auch zu erklären, was alles dazu gehört, wenn man sich für ein kind entscheidet. neben der vermittlung von kenntnissen der naturwissenschaften oder der informationstechnologie sollte die vermittlung der grundlegenden bedürfnissen und der entwicklungspsychologischen erkenntnisse, sowie von pädagogischem basiswissen ein pflichfach für alle schüler sein. die stärkung der erziehungskompetenz junger eltern ist mindestens genau so wichtig, wie zu wissen, welches obst gesund, welche nahrungsmittel zu viel fett enthalten oder wieder satz des pythagoras lautet.

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