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familienkolumne: klartext reden – lebensbalance verbessern

Beatrice Legien-Flandergan (c) blf-proaktiv.de

dieser beitrag entstammt der xing-gruppe work-life-balance und wurde von frau beatrice legien-flandergan verfasst.

Liebe Freunde der Work-Life-Balance,

als ich mir Gedanken machte zu einem interessanten und anregenden Thema für unsere Gruppe, fiel mir die neueste Jugendstudie des Rheingold-Instituts ein, bei der 18- bis 24-jährige Menschen in Tiefeninterviews befragt wurden zum Leben und zur Gesellschaft. Was mich daran am meisten faszinierte, war die Hauptaussage, was diese jungen Menschen sich von der Gesellschaft wünschen: Klartext reden.

Sie meinten damit, es würde zu viel schön geredet. Sie empfinden Perfektions-Heuchelei und dass Probleme zugekleistert würden. Die junge Generation möchte den älteren Generationen am liebsten die Maske vom Gesicht reißen, um herauszufinden, wozu sie sich wirklich bekennen, wozu sie Nein sagen. Sie möchten durch ein klares Nein, also eine klare Position, die Chance erhalten zu Widerspruch und Auseinandersetzung. Widerspruch ist fruchtbar und hilft, sich zu entwickeln. Von jungen Menschen können wir viel lernen, da sie sehr viel offener aussprechen, was viele von uns nicht wagen oder auch nicht so wahrnehmen. Sie sind daher wie ein Augenöffner für andere Generationen.

Wie ist es denn derzeit in der Gesellschaft? Klartext reden, Bestehendes zu hinterfragen und Wahrheiten zu äußern wird nicht wirklich gern gesehen. Anpassung und nicht aus dem Rahmen fallen scheint da wünschenswerter. Aber sind wir damit wirklich zufrieden? Macht es uns glücklich nicht zu sagen, was uns bewegt? Passen wir uns ständig an, führt es dazu, dass wir uns unausgeglichen fühlen und sogar gesundheitlich darunter leiden. Innere Konflikte entstehen, wenn wir etwas anderes tun als wir wirklich wollen. Für uns wichtige Bedürfnisse können so nicht befriedigt werden.

„Der Lohn für Anpassung ist, dass dich alle mögen, außer dir selbst.“ Zitat der Schriftstellerin Rita Mae Brown.

Wenn wir in uns den Wunsch verspüren, unsere ehrliche Meinung oder einfach mal klar und deutlich „NEIN“ sagen zu wollen, es aber aus bestimmten Gründen nicht tun, dann entsteht in uns ein Konflikt und innerlich Stress. Es ist wie ein innerer Druck, der aufgebaut, aber nicht rausgelassen wird. Dass das nicht gut für uns ist, ist gut nachvollziehbar. Und wenn Menschen sich regelmäßig so verhalten, dann kann das langfristig zu ernsthaften körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen führen.

Wenn wir uns den Wunsch der jungen Generation anschauen, dann sehen wir, dass es gar nicht notwendig ist, unsere Meinung für uns zu behalten und wir sogar ein klares „NEIN“ äußern sollen. Selbst wenn es anschließend zu einer Auseinandersetzung führt, kann man es wie ein reinigendes Gewitter betrachten. Soviel zur Theorie.

Was aber hält uns davon ab, Klartext zu reden, obwohl wir es an sich gerne tun würden?

Wir wissen, dass Offenheit und Ehrlichkeit zu Widersprüchen und Auseinandersetzungen führen können. Da der Mensch Unangenehmes und Schmerz tunlichst vermeiden will, geht er solchen Situationen lieber aus dem Weg. Es gibt allerdings auch Menschen, die mit „Klartext reden“ kein Problem haben. Sie äußern ihre Meinung so bestimmend, dass andere sich dadurch eingeschüchtert fühlen und kaum wagen, ihre Meinung kund zu tun. Auch aufgrund solcher Erfahrungen scheuen viele, ihre Meinung offen zu sagen, und fürchten sich vor Widerspruch und heftigen Reaktionen.

Jetzt stellen Sie sich vor, Sie sollten in einer Situation, in der Sie sich eher zurückhalten, Klartext reden. Was passiert dann bei uns? Es spuken diverse Fragen in unserem Kopf herum:

  • Was passiert, wenn ich jetzt offen sage, was ich dazu denke?
  • Wie kann ich Klartext reden, ohne den anderen dabei zu verletzen und dennoch Gehör zu bekommen?
  • Wenn der andere nun ein dominanter oder redegewandter Mensch ist, hat es dann Sinn, meine Meinung zu äußern?
  • Komme ich damit klar, wenn sich daraus ein Streit entwickelt?
  • Was sollte ich am besten tun, wenn danach unangenehme Reaktionen entstehen?

Was könnte nun ein guter Weg sein zwischen dem heftigen, erschlagenen Klartext und der duldenden, aber unbefriedigenden Schweigsamkeit?

Das allerwichtigste ist, mit Respekt und Wertschätzung anderen gegenüber seine Meinung zu sagen. Bevor wir beginnen zu reden, ist unbedingt auf unsere Emotionen zu achten. Es ist sehr hinderlich, wenn wir gerade sehr wütend oder verärgert sind. Ein „NEIN“ mit einem aggressiven Unterton kommt dann beim Anderen sehr unangenehm an und führt schnell zu Widerstand. Sehr wirksam ist, erst ein paar mal tief ein- und auszuatmen bevor wir anfangen zu reden. So werden vorhandene negative Emotionen beruhigt. Wenn dann auch die innere Grundhaltung passt, kann offen die Meinung präsentiert werden. Das heißt, freundlich und respektvoll, aber dennoch klar seinen Standpunkt vertreten.

Reaktionen werden kommen. Damit ist zu rechnen und es ist auch gut so, da jeder seine eigene Meinung hat. Weiterentwicklung und neue Sichtweisen entstehen nur durch Meinungsverschiedenheiten. Und genau deshalb wollen junge Menschen auch ein klares „NEIN“ hören, da sie so deutlich die Position des anderen erkennen können und wissen, woran sie sich orientieren können. Ist das nicht ein Wunsch von uns allen?

Wo wünschen Sie sich mehr Klartext? Gibt es Situationen, bei denen Sie nicht gerne Klartext reden?

Dann testen Sie sich doch einfach in der nächsten Zeit und nehmen Sie bei kommenden Situationen wahr, wo Sie innerlich „NEIN“ denken und es nicht sagen. Am besten probieren Sie es in einer privaten Situation aus, was passiert, wenn Sie einfach mal „NEIN“ sagen oder Ihre Meinung äußern. Sie werden feststellen, dass im allgemeinen dadurch sogar sehr anregende Dialoge entstehen und es viel einfacher ist, als wir denken.

Offen und ehrlich zu sich und anderen sein, das bedeutet auch mal Klartext zu reden und ist sogar förderlich für eine gesunde Lebensbalance. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Ausprobieren und viele neue Entdeckungen dabei.

Herzliche Grüße

Beatrice Legien-Flandergan

 


Über die Autorin: Geboren im April 1963 in Versmold in Westfalen, hatte sie einen spannenden Lebenslauf bis sie zu ihren heutigen Tätigkeiten als Coach & Beraterin für proaktives, gesundes Selbstmanagement, Beziehungsmanagement sowie gesundes Führen gekommen ist.

1986 begann sie als gelernte Datenverarbeitungskauffrau im elterlichen Betrieb und leitete dort viele Jahre das Rechenzentrum. 1998 verließ sie die Firma und arbeitete 2 Jahre in Projekten in einem mittelständigen Großhandelsunternehmen.

Ab 2001 fing bei ihr eine aufregende Zeit der Neuorientierung an, in der sie diverse Erfahrungen im Marketing und Vertrieb sowie viele wichtige Menschenkenntnisse sammeln durfte. Sie bildete sich parallel in Rhetorik, Gesundheitsförderung, Beziehungsmanagement und Persönlichkeitsentwicklung weiter. Nach der Ausbildung zur Ernährungsberaterin und zum systemischen Coach schaffte sie sich die Grundlage für ihre heutigen ganzheitlich orientierten Tätigkeiten.

 

http://www.blf-proaktiv.de

 

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