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Klub der Hundertjährigen boomt

Opa und Enkel (c) Johann Bletgen / pixelio.de

818 Lebensjahre und 205 Tage zählen die neun Geschwister der Familie Melis zusammen. Damit lebt auf Sardinien laut „Guiness World Records“ die langlebigste Familie der Welt. Die Geschwister haben zusammen mehr Krankheiten, Kriege und Schicksalsschläge als viele andere Menschen auf der Welt überwunden.

(ddp direct) Doch vor allem gibt die Familie einen Ausblick auf das, was die Gesellschaften – ganz besonders in den Industrienationen – erwartet: „Menschen und Familien, die ein extrem hohes Alter erreichen, werden in naher Zukunft keine Seltenheit mehr sein,“ sagt Allianz Expertin Michaela Grimm, Volkswirtin bei Allianz Group Economic Research und Corporate Development.

Aktuell gibt es nach Schätzungen der UN rund 343.000 Hundertjährige weltweit, bis zum Jahr 2050 dürften es 3,2 Millionen, also zehnmal so viele, sein. In Deutschland leben gegenwärtig laut Statistischem Bundesamt rund 17.000 Einwohner, die bereits ihren 100. Geburtstag gefeiert haben und die Tendenz ist steigend. „Durchschnittlich jedes zweite Neugeborene in Deutschland dürfte seinen 100. Geburtstag erleben“, so Grimm. Allerdings wird nach Ansicht der Experten Japan auch in Zukunft die Nation mit den meisten 100-Jährigen bleiben: Im Jahr 2050 dürfte dort knapp ein Prozent der Gesamtbevölkerung 100 Jahre oder älter sein. Noch äußerst gering ist die Zahl der sogenannten Supercentenarians, also derer, die älter als 110 Jahre sind. Heute werden weltweit lediglich 70 über 110-jährige Personen aufgeführt, von denen aber 27 laut amtlich bestätigten Angaben sogar bereits das 115. Lebensjahr erreicht haben.

Bei Allianz Leben bereits rund 635 Rentenempfänger über 100 Jahre alt

Die Alterung der Gesellschaft erfordert völlig neue Konzepte in vielen Lebensbereichen: Bei der Planung der Infrastruktur von Städten müssen Planer die Bedürfnisse Älterer stärker berücksichtigen, dazu gehören beispielsweise kurze und barrierefreie Wege zu Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleister oder Arztpraxen. Banken und Versicherungen müssen ihre Finanzprodukte anpassen. Bei der Allianz Leben beispielsweise erhalten heute bereits mehr als 105.000 Kunden, die über 85 Jahre alt sind, eine regelmäßige private Altersrente. Rund 635 Rentenempfänger der Allianz Leben sind sogar hundert Jahre oder älter.

Mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft wird sich das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern weiter verschieben. Gleichzeitig wird sich auch die Alterstruktur in den Unternehmen ändern. Arbeitsplätze müssen mit Blick auf alternde Gesellschaften so gestaltet werden, dass Unternehmen die Fähigkeiten und Möglichkeiten der älteren Belegschaft effektiv nutzen können.

Jeder ist gefordert: Präventive Gesundheitsvorsorge und „Retirement Adequacy“

Jeder einzelne – egal ob jung oder alt – ist gefordert, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, zum Beispiel durch frühzeitige und präventive Gesundheitsvorsorge. Nicht minder wichtig ist das Stichwort „Retirement Adequacy“, sprich die Fragestellung, reicht das zu erwartende Einkommen aus den diversen Quellen wie gesetzlicher, betrieblicher und privater Rente später aus, um den individuellen Lebensstandard im Alter zu sichern.

Der demografische Wandel per se ist kein Schreckgespenst, wenn wir rechtzeitig handeln. Im demografischen Wandel liegen zahlreiche Chancen. Älter werden bietet eine großartige Lebensperspektive, da die Menschen dank medizinischer Fortschritte bis ins hohe Alter aktiv bleiben können. Auch die Wirtschaft kann profitieren, wenn Unternehmen es schaffen, Lösungen für nachhaltiges Wachstum – trotz knapper werdender Ressourcen – zu entwickeln.

Consolata Melis, die mit 105 Jahren älteste Schwester der Familie Melis, bezieht ihr Lebenselixier aus neun Kindern, 24 Enkelkindern und 25 Urenkeln. Vielleicht ist es auch der mediterrane Lebensstil, der oftmals als Rezept für Langlebigkeit gepriesen wird und ihr das hohe Alter schenkt: Sieben der weltweit 70 über 110-Jährigen sind erstaunlicherweise in Italien geboren. Grimm empfiehlt: „Auf das Rauchen zu verzichten und sich körperlich fit zu halten, sind statistisch gesehen gute Ratgeber für den, der lange leben möchte. Die besten Aussichten, eines Tages dem Klub der 100-Jährigen beitreten zu können, haben gut ausgebildete Frauen. “Heute ist die Zahl der hundertjährigen Frauen knapp viermal so hoch wie die der Männer“, betont Grimm.

Tragen ostafrikanische Nacktmulle das Geheimnis der Langlebigkeit in sich?

Die Gerontologie, die Wissenschaft vom Altern, untersucht das Phänomen schon lange in viele Richtungen. Auch die Allianz engagiert sich seit dem Jahr 1984 in zahlreichen Projekten für das Thema Langlebigkeit. So lobte beispielsweise Allianz France in Partnerschaft mit der Organisation „Les Associations de Prévoyance Santé“ erstmals im letzten Dezember einen gemeinsamen Wissenschaftspreis für die besten Langlebigkeitsforschungen aus. Dabei erhielt die Professorin Rochelle Buffenstein (University of Texas Health Science Center at San Antonio/Barshop Institute for Longevity and Aging Studies) für ihre Pionierarbeit im Rahmen der Studien an rattenähnlichen Nagetieren, sogenannten ostafrikanischen Nacktmullen (Heterocephalus glaber), die begehrte Auszeichnung. Was sich zunächst ungewöhnlich anhört, könnte unser Wissen grundlegend verändern oder vielleicht sogar das Geheimnis der Langlebigkeit lüften. Während herkömmliche Ratten im Durchschnitt rund drei Jahre alt werden, haben die kleinen in Ostafrika vorkommenden Tiere durchschnittlich eine beeindruckende Lebenserwartung von über 30 Jahren und entwickeln gleichzeitig dabei so gut wie keine schweren Krankheiten im Alter. Auch zeigen sie kaum sonstige Alterserscheinungen.

Ob aufgrund der Forschung am ostafrikanischen Nacktmull oder anderweitigen Recherchen eines Tages sogar ein Klub der 150-Jährigen eröffnet werden muss, ist aus heutiger Sicht nicht absehbar. Abwegig ist ein solches Gedankenspiel sicherlich nicht. Dennoch: Bis zur heutigen Zeitrechnung gibt es nur Belege von wenigen Personen, die das Alter von 120 Jahren nachweislich erreicht haben. Aber schon die aktuellen Zahlen werden unsere Gesellschaft gewaltig herausfordern.

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