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Krach um „Gerne Groß“ im Stadtrat von Markkleeberg

Eltern und Erzieher kritisieren Kita-Trägerwechsel / Gewerkschaft wittert Gesetzbruch

Markkleeberg. Trotz empörter Stimmen von Eltern und betroffenen Erziehern hat der Stadtrat Markkleeberg die kommunale Kindertagesstätte „Gerne Groß“ in der Schulstraße an den konfessionellen Träger Berufsbildungswerk (BBW) Leipzig vergeben. Die Gewerkschaft GEW spricht von Gesetzbruch.

Es rutschte ihm raus. Sozial- und Kulturamtsleiter Wolfgang Heinze sprach von einem „Glücksumstand“. Die bisherige Leiterin der Kita habe nach monatelangem Krankheitsausfall zum Jahresende gekündigt, dass könne die Stadt jetzt nutzen. Die Verwaltung brauche die Stelle nicht neu ausschreiben, könne dem künftigen freien Träger die Besetzung des Leitungspostens überlassen. Die Stadt sei zudem laut Gesetz gehalten, auf eine Vielfalt freier Träger bei den Kitas hinzuwirken.

Wer die Kita „Gerne Groß“ übernehmen sollte, steht spätestens seit dem 28. November fest. Da hatte die Verwaltung nach eigenem Bekunden das Signal zur Bereitschaft vom Berufsbildungswerk Leipzig (BBW) erhalten. Das BBW betreibt in Leipzig elf Kitas, bei denen Wert auf Integration, Reformpädagogik, das Gemeinwesen und evangelische Werte gelegt wird.

Die Eltern und Erzieher der Einrichtung erfuhren dennoch nur per Zufall von dem einschneidenden Wechsel, rückten mit etlichen Vertretern im Stadtrat an. „Moralisch bedenklich“ fand denn auch Elternteil Peter Runkel das Vorgehen. Gerade sei im Kindergarten nach langem Hin und Her wieder Ruhe eingezogen, da komme jetzt die Übertragung. „Muss dafür nicht eine Ausschreibung passieren?“, fragte er. Und: „Können Sie darüber entscheiden, ohne Angestellte und Eltern zu fragen?“ Runkel witterte ein „Kompensationsgeschäft“. Wie berichtet, unterlag BBW mit nur einer Stimme bei der jüngsten Ausschreibung zur neuen Kita auf dem Eulenberg der Caritas.

„Warum wird bei den Kitas nun schon wieder ein konfessioneller Träger favorisiert?“, wollte die stellvertretende Kita-Leiterin Katrin Fischer wissen. Eine andere Mitarbeiterin drohte, das Kita-Team werde nicht zum BBW wechseln: „Wir sind alle konfessionell nicht gebunden.“

Müssten sie auch nicht, versuchte BBW-Geschäftsführer Wolfgang Menz Ruhe in die aufgeheizte Situation zu bringen. In allen elf Kitas gebe es nur zwei kirchlich gebundene Mitarbeiterinnen. BBW habe außerdem das Prozedere jetzt nicht gemacht, entschuldigte er sich. Für die Beschäftigten entstehe aber kein Nachteil: Dienstzeiten würden angerechnet und auch das Gehalt bleibe. BBW biete Fortbildungen und Seminare an, bilde auch Leiterinnen aus. Heinze lobte das Trägerkonzept als „überzeugend“.

Stadtrat Matthias Kunze (FDP) kritisierte die Übertragung, schließlich gehöre auch ein kommunaler Kindergarten zur angestrebten Vielfalt. Rosemarie Jahn (Linke) fragte: „Welches Gesetz verbietet es eigentlich, vorher mal mit den Mitarbeitern zu sprechen?“ Karl-Heinz Eichler (CDU) schlug vor, das Verfahren zu entzerren und erst einmal Ruhe hineinzubringen.

Oberbürgermeister Bernd Klose (SPD) beteuerte, der Stadtrat müsse für die ganze Stadt entscheiden und die Verwaltung brauche zunächst den Beschluss, um überhaupt tätig werden zu können. Eltern- und Personalrat würden anschließend gehört. Mit den Stimmen von SPD/Grünen und CDU ging die Kita-Übertragung zum 1. April 2009 durch.
Christine Birkner von der GEW Sachsen kritisierte gestern, eine solche Hauruckaktion habe sie noch nicht erlebt. Ein Trägerwechsel sei doch kein Verkaufsgeschäft, dauere üblicherweise rund ein Jahr. Dass die Personalvertretung im Vorhinein nicht gehört wurde, sei ein klarer Gesetzesverstoß und könne negative Folgen haben. Die Beschäftigten erfuhren gestern vormittag offiziell vom Wechsel .

 

Dieser Artikel wurde von Jörg ter Vehn in der Leipziger Volkszeitung vom 19.12.2008 auf Seite 21 veröffentlicht.

 

Zur Kita bei den familienfreunden geht es hier entlang.

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