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Liebeskummer: Wenn uns die Verlustangst packt

Liebe (c) Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

In unserem Leben geht es vielfach um das Herstellen und Eingehen von Bindungen und Beziehungen. Dazu gehört auch Liebeskummer, Verlustangst, Trennungsschmerz und das Beziehungsende. Auch, wenn es einige Menschen nicht gern hören wollen: Wir sind Herdentiere! Wir brauchen andere Menschen, um z.b. unsere eigene Persönlichkeit zu entwickeln, uns selbst zu finden, uns abzugrenzen oder uns zu binden. Die Grundlage für die Annahme ist mittlerweile auch wissenschaftlich in der Bindungstheorie belegt.

Bindung ist die Lust am Anderen

Die Bindungstheorie behandelt im Grunde den Aufbau und die Veränderung enger Beziehungen im Laufe des Lebens. Dabei wird als Grundlage die wirklich erste Bindung nämlich die zwischen Mutter und Kind gelegt. Später bindet sich das Kind an weitere Bezugspersonen, die es eben wie die Mutter im Falle von objektiver und subjektiver Gefahr bzw. Unsicherheit aufsucht. Diesem Bedürfnis zu Grunde liegt der Wunsch des Kindes nach Nähe, Schutz und dem Wissen, dass es ohne Bezugspersonen nicht überleben kann. Haben Babys und Kinder sichere Bindungen zu ihren Eltern und anderen Bezugspersonen aufgebaut, hilft uns das auch für unsere Zukunft und die Bindungen zu anderen Personen. Im Grunde folgen wir unserem Gefühl, wählen uns Freunde, Partner und Kollegen nach einem bestimmten Schemata aus. Im Laufe unseres Lebens lernen wir aus unseren Beziehungen, vermeiden einmal gemachte Fehler und lernen uns selbst bzw. die anderen besser kennen und verstehen.

Die Liebe meines Lebens

Fast alles, was wir zum ersten Mal tun oder erleben, löst bei uns auch körperliche Aufregung, Vorfreude und besondere Lust aus. Wir freuen uns auf den ersten Besuch im Vergnügungspark, das Legomobil zum Weihnachtsfest oder den Urlaub mit den Eltern in Spanien. So ähnlich reagiert unser Körper auch auf die Liebe. Treffen wir einen Menschen, der uns umschmeichelt, Komplimente macht und uns als Mensch was bedeutet, bauen wir mit besonderer Lust eine individuelle seelische und körperliche Bindung auf. Viele erinnern sich heute noch an die Sandkastenliebe oder den ersten Kuss bei der Schuldisco. Hat man einen festen Freund oder Freundin gefunden, marschieren viele neue Paare oft im berühmten Gleichschritt. Sie geben im Verlauf der Beziehung schnell individuelle Verhaltensweisen auf, passen sich aneinander an und entwickeln gemeinsame Lebensentwürfe. Ob und wie viel beide von sich aufgeben (wollen) bzw. ob das Experiment Beziehung gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Die einzige wahre Liebe, wie im Film gibt es seltener als viel mehr der existenzielle Wunsch mit einem anderen gemeinsam durch dick und dünn zu gehen, sich zu unterstützen, zu kritisieren und auch mal zu streiten. Gehen Beziehungen entzwei reagiert jeder Mensch unterschiedlich. Im Grunde läuft der Verlust der Beziehung ähnlich dem Trauerphasen beim physischen Verlust der PartnerIn ab.

  • Erste Phase: Leugnen, Nicht-wahr-haben-wollen
  • Zweite Phase: Intensive ausbrechende Emotionen
  • Dritte Phase: Suchen, Finden, Loslassen
  • Vierte Phase: Akzeptanz und Neuanfang

Festhalten, Loslassen und Neu beginnen

Was nach dem Trauerphasenmodell recht einfach klingt, gestaltet sich in der Praxis mehr als schwierig. Hat man sich gemeinsam viel materielles geschaffen oder/und war lange verheiratet, rufen viele Paare erstmal die Trennung auf Probe aus. Gerade junge Menschen erleben den Verlust des geliebten Partners als recht frustrierend. Zudem spielt es scheinbar eine große Rolle, ob man verlässt oder verlassen wird oder wie man die Beziehung beendet. Wenn zwei Menschen sich trennen, ist ebenso wie beim Verlieben Takt- und Fingerspitzengefühl gefragt. Je nach Intensität und Verlauf der Beziehung sind unterschiedliche Szenarien nach dem Beziehungsende denkbar.

Szenarium 1: Die Ex FreundIn zurückgewinnen

Liebeskummer zu haben bzw. den Partner zu vermissen gehört bei vielen zum Beziehungsende dazu. Wut, Trauer, Frust und verletzt sein sind normale Trennungsgefühle. Dazu kommen oft tausende Warum-Fragen. Das Gefühl verlassen worden zu sein, verstärkt dabei die Intensität dieser negativen Gefühle. Manchen Menschen geht es nicht nur seelisch sondern auch körperlich schlecht. Sie haben grippeähnliche Symptome, nehmen schnell zu oder ab, leiden unter Depressionen, Schlafstörungen, Weinkrämpfen oder Durchfall. Andere werden dazu noch aggressiv, sind ständig schlecht gelaunt oder planen sogar sich zu rächen bzw. den  oder die Ex leiden zu lassen. An dieser Stelle sei gesagt: „Liebe und Zweisamkeit kann man nicht erzwingen!“

Die Ex Freundin zurückgewinnen, macht nur Sinn, wenn es nicht nur subjektiv sondern auch objektiv gute Gründe auf eine neue Chance gibt. Reagiert der andere nicht auf Blumen, Geschenke, Anrufe und (behutsame) klärende Gesprächsangebote sollte man schnell die Finger von weiteren Versuchen lassen. Wer zudem nach einer Trennung seinen kompletten Alltag und all sein Streben darauf ausrichtet, die Ex Freundin zurückzugewinnen, sollte professionelle Hilfe, z.b. in einer Selbsthilfegruppe oder bei einem Therapeuten in Betracht ziehen. Normal ist es nicht, wenn man anfängt den anderen zu stalken, zu bedrohen oder ihn angreift bzw. körperlichen und seelischen Schaden zufügen möchte. Auch Sachbeschädigungen, Beleidigungen (in sozialen Netzwerken) oder tätliche Angriffe sind ein Tabu. Nicht jede Beziehung kann man retten aber man kann zumindest versuchen die (langjährige) gemeinsame Basis nicht nachhaltig zu vernichten und allen Respekt des anderen zu verlieren.

Szenarium 2: Die Ex FreundIn ziehen lassen

Auch das ist leichter gesagt als getan, denn nicht jeder kann ein „NEIN“ einfach so akzeptieren. Auch, wenn man noch auf weitere Erklärungen des Ex-Partners hofft, wird es schwierig mit allem abzuschließen. Verlustangst macht sich breit und manche Menschen stürzen nach einem Beziehungsaus in eine tiefe Sinnkrise. Sie vermissen nicht nur ihren Partner sondern ein Stück von ihrer Identität. Viele sind es gar nicht gewöhnt allein zu leben und ihren Alltag neu zu organisieren. Das Single-Dasein ist für die wenigsten befreiend oder ein selbstgewähltes Schicksal. Es dauert seine Zeit sich an das Alleinsein zu gewöhnen. Bitte füllen Sie diese (partnerlose) Zeit mit ihren Ideen und Wünschen. Auch, wenn sie es nicht genießen können oder noch leiden, ist vielleicht gerade Zeit für ein neues Hobby oder ein Haustier. Seien Sie fair zu sich und ihrem Ex-Partner. Tun Sie etwas für ihre Seele und ihren Körper. Hängen Sie nicht endlos traurigen Erinnerungen nach und hören Sie nicht ständig „ihr Lied“. Erkunden Sie andere bzw. neue Orte und suchen Sie Kontakt zu anderen Menschen. Eventuell machen Sie eine Liste, was in ihrer Beziehung nicht an Freizeitaktivitäten und geplanten Dingen umgesetzt wurde und das erledigen Sie nun allein oder mit Freunden. Über kurz oder lang werden Sie sich besser fühlen und irgendwann heulen Sie nicht gleich los, wenn sie eine Pärchen vor sich Hand in Hand laufen sehen.

Einen neuen Partner finden

Nach der Pflicht des Loslassens und Abschließens kommt die Kür. Wenn die Beziehung nicht gerade durch den berühmten Seitensprung zu Ende kam, wird einer der Partner sich in absehbarer Zeit auf die Suche nach einem neuen Gegenstück machen. Einen Menschen, der die Schmetterlinge zurückbringt oder mit dem man einfach morgens zusammen aufstehen kann. Viele Singles brauchen dazu überdurchschnittlich viele Versuche. Sie müssen ihre nicht zählen aber sollten sich im Klaren sein, was bzw. wen sie eigentlich finden wollen. In der Regel neigen wir dazu unserem „Beuteschema“ treu zu bleiben. Leider!!! Denn, wer einmal einen z.b. gewalttätigen Partner auf dem Leim gegangen ist, läuft Gefahr wieder in so eine schlimme Situation zu geraten. Oft fehlt es in der partnerlosen Zeit an Selbstvertrauen, Reflektion und persönlicher Entwicklung. Viele stürzen sich aus der Angst vor dem Alleinsein in neue Liebschaften und sexuelle Abenteuer ohne Verpflichtungen bzw. Verbindlichkeiten. Zu kurze Kennlernzeiten, zu schnelles Binden oder Bindungsangst tun dann ihr übriges dazu. Und trotzdem sollen sie nicht allein bleiben und ewig mit sich hadern. Fassen Sie sich ein Herz und erlauben Sie sich ein Gespräch mit dem netten jungen Mann im Kaufhaus, lächeln Sie zurück, wenn sie angelächelt werden und geben Sie sich eine Chance auf etwas neues. Beherzigen Sie, dass sich auch Beziehungen weiterentwickeln (dürfen) ebenso wie die Menschen darin.

Liebe, Verluste und Trennungen bewusst erleben

Eine Niederlage zu erleiden, gehört zum Erwachsenwerden und zum Leben dazu. Wir sind als Kind schon sauer, wenn wir nicht das Kriegen, was wir wollen und trotzdem können wir es schaffen mit der liebevollen Unterstützung unserer Eltern mit jedem Verlust und jeder Trennung zu reifen. Vielen Menschen gelingt es so, sich später aus Krisen gestärkt zu entwickeln. Die sogenannte Resilienz bezeichnet nichts anderes als die Fähigkeit Krisen zu bewältigen, und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Die Fähigkeit an jeder Krise zu wachsen und, wie Phönix aus der Asche neu aufzuerstehen, lernt man oft nicht, wenn es keine Krisen gibt. Auch muss man Krisenbewältigungsstrategien finden und diese zulassen. Tipps und Tricks aus dem Internet, von Bekannten, Freunden, aus Büchern, Ratgebern und Selbsthilfegruppen sind erlaubt. Suchen Sie sich Hilfe und tun Sie das worauf sie Lust haben! Ihr Leben ist nicht sinnlos ohne die geliebte Ex FreundIn!

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