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Mit Demenz allein zu Hause

Seniorin (c) Erich Westendarp / pixelio.de

Schon heute leben in Deutschland 1,4 Millionen Demenzkranke. Die Prognosen bis 2050 weisen mindestens eine Verdopplung aus. Das bisher dominierende Krankheitsbild ist die Demenz im Alter. Demenz ist wie keine andere Krankheit die Krankheit der Angehörigen.

Langsam aber unaufhaltsam setzt der Prozess des Vergessens ein . Die Persönlichkeit und der Mensch selbst verändert sich. Beziehungen zu Mitmenschen reißen ab und können nicht mehr selbstständig gepflegt werden. Betroffene sind in absehbarer Zeit auf eine Rund-um-die-Uhr Betreuung angewiesen.

Die optimale Versorgung
Während man im Gesundheitsministerium noch mit Fachexperten um eine neuen oder veränderten Pflegebedürftigkeitsbegriff ringt und sich um die Finanzierung der Pflege für alle Gedanken macht, ist Altersdemenz und Alzheimer längst in den Haushalten angekommen. Mehr als zwei drittel aller Angehörigen pflegen ein betroffenes Familienmitglied. Während die Forschung noch nach Ursache, Wirkung und Heilung sucht, brauchen die Menschen in erster Linie ein zuverlässiges Versorgungs- und Hilfsystem.

Leider ist so ein Netzwerk vielen nicht Gott gegeben oder lebenslang aufgebaut und gepflegt, sondern muss in Fällen von (krankheitsbedingter) Pflege erst aufgebaut werden. Eine weitere Herausforderung ist, dass der Ehemann, die Schwester, der Sohn oder die Nachbarin oft die einzig vertrauten Personen sind. Gerade im ersten und zweiten Krankheitstadium verwehren sich Menschen fremder Hilfe. Gedächtnisstörungen und Gemütschwankungen werden oft nicht als Symptome wahrgenommen. Die sprachlichen Fähigkeiten verschlechtern sich. Das Vergessen setzt ein und führt zu Depressionen. Die gewohnte Umgebung gibt halt – außerhalb ist der Betroffene hilflos und verirrt sich. Das Kurzzeitgedächtnis leidet und geht verloren. Am Ende des 2. Stadium sind ein großer Teil der Persönlichkeit sowie die Fähigkeit bekannte Gesichter zu erkennen fast verloren. Das dritte und letzte Stadium mündet im Prinzip in medizinischer Vollzeitpflege bis hin zum Tod.

Für das sichere Zuhause
Demenzkranke sind keine kleinen Kinder und wollen nicht bevormundet werden. Gerade zum Zeitpunkt der Diagnose sind umfassende Informationen nötig und wichtig, um Ängste, Sorgen und Herausforderungen zu (er-)klären. Die nahen Angehörigen, die besten Freunde sowie regelmäßige wiederkehrende BesucherInnen die zum  Alltag gehören, sollten, (wenn möglich und gewünscht) informiert werden. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe und der Austausch mit Betroffenen im Internet kann hilfreich sein. Pflegedienste, Einkaufshilfen und Mahlzeitendienste können praktische Alltagshilfen sein. Zu schauen, wo und wie man die letzten Wochen und Tage verbringen möchte, bringt (Planungs-)sicherheit. Wünsche für die nächsten Jahre sowie Anpassungen im Wohnumfeld sollte man, wenn möglich nicht allein umsetzen.

Wer einen Demenzkranken Partner hat, muss sich selbst im Haushalt auf Veränderungen vorbereiten. Das sichere Haus gibt es nicht jedoch kann man Unfällen, die durch Vergesslichkeit passieren (werden), vorbeugen . Wichtig ist es im Haushalt selbst einige Anpassungen vorzunehmen. Brandschutz genießt die oberste Priorität. So sollten Geräte, wenn möglich einen Überhitzungsschutz haben. Alles mit dem man Feuer entzünden kann, muss weggeschlossen werden. Rauch- und Bewegungsmelder bieten umfangreichen Schutz . Festes Schuhwerk minimiert zu dem das Stolpern und Hinfallen. Alles, worüber man Fallen kann gegebenenfalls Kanten und Schwellen sollten entfernt werden. Treppen können eine zusätzliche Sicherung erfordern. Markierungen, Orientierungshilfen in Form von Licht, Zetteln und Schildern helfen. Alles, womit man sich vielleicht versehentlich vergiften könnte, gehört ordnungsgemäß und sicher weggeschlossen.

Wohnt man sehr weit oben sollte man die Fenster gegen hinausfallen sichern. Auch das Betreten einzelner Räume, wie Küche, Werkstatt oder Garage müssen bei Gefahr im Verzug gegen Betreten gesichert werden. Das Weglaufen aus dem Haus oder der Wohnung kann je nach Krankheitsstadium passieren und muss vielleicht durch Schlösser verhindert werden. Dabei sollten Familienangehörige beachten, dass das abschließen und zusperren eine Genehmigung des Amtsgerichtes erfordern kann.

Für das sichere Gefühl
Versicherungen, Verträge, Vollmachten und gegebenenfalls das Testament sollten umgehend überprüft und gegebenenfalls angepasst oder gar gemacht werden. Eine gute Haftpflichtversicherung kommt für Schäden, die dritten entstehen auch im Falle von Demenz auf. Ist der Versicherer informiert, kann er den richtigen Versicherungsschutz empfehlen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft weißt auf seiner Internetseite hin , dass Demenz keine nachträgliche Gefahrenerhöhung nach sich zieht. Auch wird dem Versicherten nicht gekündigt. Wichtig ist es jedoch, dass generell eine Haftpflichtversicherung existiert, die gegebenenfalls auch falsche Ansprüche gegenüber deliktunfähigen Personen (je nach Krankheitsstadium) abwehrt. Ist man als BetreuerIn für einen deliktunfähigen Patienten zuständig muss man sich unter Umständen auch mit der Aufsichtspflicht und deren Vernachlässigung beschäftigen.

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