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Neue Studie zu Taufentscheidungen evangelischer Eltern

Baby als Hummel (c) Robert Blanken / pixelio.de

Eine neue Studie erkundet die Haltungen evangelischer Eltern, deren Kinder bisher nicht getauft sind. Insgesamt ist die Taufbereitschaft groß, die eigene Entscheidung des Kindes spielt jedoch für die Mehrheit der Eltern eine wichtige Rolle. Als zentrale Hindernisse zeigen sich der Mangel an Gelegenheiten, das Gefühl der Entfremdung von der Kirche, die Schwierigkeit, Paten zu finden, sowie konfessionell-heterogene Situationen in den Familien.

Taufentscheidungen nicht mehr im ersten Lebensjahr

Für die großen christlichen Kirchen in Deutschland ist die Taufe im ersten Lebensjahr nach wie vor der Normalfall. Ein immer größerer Teil evangelischer Eltern entscheidet sich jedoch gegen die Taufe des eigenen Kindes oder möchte die Taufe aufschieben. Über diesen wachsenden Anteil von Evangelischen, deren Kinder nicht getauft werden, lagen bisher keine Erkenntnisse aus standardisierten Befragungen vor.

Aus der neuen Studie wird deutlich: Die Taufbereitschaft ist unter den befragten Eltern ungetaufter Kinder hoch. 36 Prozent der Eltern geben an, ihr Kind solle auf jeden Fall getauft werden. Ein Fünftel rechnet damit, dass es wahrscheinlich zu einer Taufe komme, 24 Prozent sind sich nicht sicher. Unter den evangelischen Kirchenmitgliedern, die sich gegen eine Taufe ihres Kindes entscheiden (14%), lehnt nur ein kleiner Teil die Taufe insgesamt oder die Taufe im Kindesalter ab. Die Mehrheit möchte, dass ihr Kind selbst über seine Taufe entscheidet oder die Bedeutung der Taufe versteht. So erweisen sich die Differenzen über kognitive Bedingungen für eine Taufe als zentral für den Taufaufschub oder die Taufunterlassung – nicht die Differenzen über die Bedeutung der Taufe.

Ein Kooperationsprojekt der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg ermöglichte mit dem Dekanatsbezirk Stuttgart-Zuffenhausen, der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und dem EKD-Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst diese schriftliche Befragung evangelischer Eltern ungetaufter Kinder. 29% der Eltern nahmen an der Befragung teil (166 Personen). Die Theologin und Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Claudia Schulz hat in ihrer Auswertung der Daten vier zentrale Cluster von Zugangsproblemen der Eltern zur Taufe und zur kirchlichen Arbeit insgesamt ermittelt: „Jetzt wissen wir mehr über konkrete Haltungen und können einschätzen, welches Gewicht die unterschiedlichen Zugangsprobleme zur Taufe wirklich haben.“

Neben dem Wunsch, ein Kind selbst über die Taufe entscheiden zu lassen, erweist sich die Schwierigkeit, eine Gelegenheit oder einen geeigneten Termin für die Taufe zu finden, als größtes Hindernis für die Taufe (25% der Befragten). Die Taufe rückt im Alltag der Familien in den Hintergrund, die Terminsuche in Familie und Freundeskreis verzögert die Anmeldung eines Kindes zur Taufe. Für eine fast ebenso große Gruppe von Eltern ist der Bezug zur Kirche so gering, dass ihnen die Taufe weniger wichtig ist. Bei 18 Prozent der Befragten dominiert die Schwierigkeit, Taufpaten zu finden. Außerdem erschwert – vermutlich typisch für die Metropolsituation in Stuttgart – für viele Befragte die konfessionelle oder religiöse Heterogenität in der Partnerschaft oder der Familie eine Entscheidung über die religiöse Zugehörigkeit eines Kindes erschwert.

Für die theologische Reflexion sowie für die Reflexion kirchlichen Handelns sind diese Ergebnisse herausfordernd. Zum einen fragt die Vielfalt der Perspektiven evangelischer Eltern nach einer theologischen Erfassung der Taufe, die dieser Vielfalt gerecht wird. Zum anderen sind die Kirchen gefragt, in ihrer Arbeit stärker auf Haltungen und Bedürfnisse der Eltern einzugehen, beispielweise in Fragen religiöser Bildung in konfessionell heterogenen Familien zu beraten und Lösungen zu entwickeln.

Die Ergebnisse der Untersuchung liegen in einer 42-seitigen Broschüre vor. Diese ist im EKD-Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst als Download verfügbar und in gedruckter Form zu bestellen.

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