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Neurofeedback: Gedanken lassen Flugzeuge in den Himmel steigen

Kinder | 5 in der Gruppe (c) S.Hofschlaeger / pixelio.de

Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden verstärkt ihre Forschungsaktivitäten im Bereich der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) und bietet ab sofort Neurofeedback als innovative Therapie für ADHS-Patienten an. Dabei ist es Klinikdirektor Prof. Veit Rößner gelungen, einen ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der kognitiven Neurophysiologie zu gewinnen: Neurofeedback ist das Spezialgebiet des zum Herbst 2013 berufenen Prof. Christian Beste. Bei dieser innovativen, erstmals in der Region angebotenen Therapie lernen die Kinder und Jugendlichen, ihre Gedanken gezielt einzusetzen, um sich besser zu konzentrieren und zu entspannen. Hierfür steht der Klinik ab sofort ein spezielles Gerät zur Verfügung, mit dem die Patienten ihre Hirnströme zum Steuern eines Computerspiels nutzen können.

Neurofeedback – eine weitere Option zur Behandlung von ADHS

Kinder mit ADHS zeigen wenig Ausdauer, sind leicht ablenkbar und emotional instabil. Spätestens in der Schule werden diese Symptome zu einem massiven Problem. Die Betroffenen können sich nicht in die Klasse integrieren, haben Probleme, sich auf den Unterricht zu konzentrieren und können sich deshalb auch die Inhalte der Schulstunden nicht merken. Grund dafür ist, dass die Informationsverarbeitung zwischen verschiedenen Abschnitten des Gehirns gestört ist. Dadurch arbeiten die für Motivation, Emotion und Bewegungsverhalten verantwortlichen Hirnregionen nicht zusammen. Die Palette der möglichen Behandlungen der ADH-Störung reicht von Medikamenten bis zu ergotherapeutischen, physiotherapeutischen und verhaltenstherapeutischen Behandlungsformen.

Mit dem Neurofeedback erweitert sich das Spektrum um eine weitere Option. Dazu werden über ein Elektroencephalogramm (EEG) aufgefangene Hirnströme genutzt, um damit Computerspiele zu steuern. „Das funktioniert aber nur dann, wenn die Nervenzellen des Gehirns in einem bestimmten Rhythmus arbeiten. Im Zuge des Trainings lernen die Patienten deshalb, ihre Hirnströme so zu beeinflussen, dass sie auf einem Bildschirm zum Beispiel ein Flugzeug aufsteigen oder sinken lassen“, sagt Prof. Christian Beste. Diese antrainierte Fähigkeit hilft ihnen, ihre Aufmerksamkeit bewusst zu erhöhen. Indem sie an bestimmte Situationen oder Dinge denken, können sie sich besser konzentrieren oder auch entspannen. Dadurch kommen viele Patienten besser mit den Anforderungen des schulischen Alltags besser zurecht.

Ab März wird das „Neurofeedback“ als neue Therapieoption bei ADHS am Dresdner Uniklinikum angeboten und ist damit Vorreiter in der Region. Um die in ersten Studien bereits belegte Wirksamkeit der Trainingsmethode weiter wissenschaftlich zu erforschen, wird das Neurofeedback als klinisches Angebot der Forschungsabteilung „Kognitive Neurophysiologie“ der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Dresdner Uniklinikums etabliert. Denn bisher wird die Therapie von den Krankenkassen nicht übernommen. Im Rahmen der wissenschaftlichen Studien wird das Neurofeedback für die ADHS-Patienten kostenlos angeboten.

Forschung wichtig für neue Erkenntnisse

Verantwortlich für diese und weitere Forschungsprojekte ist Prof. Christian Beste, der im Oktober 2013 nach Dresden berufen wurde. Sein Fachgebiet sind die kognitiven Neurowissenschaften. Im Mittelpunkt dieses Forschungsbereichs stehen die Veränderungen von Aufmerksamkeits- und Handlungsprozessen, die bei psychiatrischen und neurologischen Störungen auftreten. Ziel der Forschungen von Prof. Beste ist, die neurobiologischen Mechanismen zu verstehen, die den Veränderungen in Aufmerksamkeits- und Handlungsprozessen zugrunde liegen. Einzelne seiner Projekte werden durch Drittmittel, wie dem prestigereichen Emmy-Noether Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), finanziert. Prof. Beste kombiniert dabei unterschiedliche neurowissenschaftliche Methoden wie das EEG und die strukturelle und die auf der Magnetresonanztomographie beruhenden funktionellen Bildgebung. Im Rahmen dieser Forschungen wurden bereits intensive Kooperationen innerhalb des Dresdner Uniklinikums aufgebaut. Partner sind unter anderem die Kliniken für Neurologie und Psychiatrie sowie die Abteilung Neuropädiatrie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Weiterhin bestehen intensive Forschungskooperationen mit dem Institut für Psychologie an der TU Dresden. „Ziel der Forschungen der Abteilung ‚Kognitive Neurophysiologie‘ ist es, Erkenntnisse der Grundlagenforschung langfristig in die klinische Anwendbarkeit zu überführen, wie es nun beim Neurofeedback bereits geschieht“, sagt Prof. Beste.

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