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Rollenbilder – Klischees gut verpackt unterm Weihnachtsbaum

Weihnachtsmann (c) Willy_s / pixelio.de

Viele Mütter und Väter wünschen sich, dass ihren Kindern bei der Ausgestaltung ihres Familienlebens und bei ihrer Berufswahl die althergebrachten Rollenbilder nicht mehr im Wege stehen. Doch gerade in Kindermedien sind die Rollen meist klar verteilt. Und nicht nur jetzt zur Weihnachtszeit sind Bücher und Spielwaren hoch im Kurs – die meist unterschwellig, aber der Sehnsucht nach einfachen Szenarien folgend, eine Fülle klischeehaft überzeichneter Rollenbilder enthalten und erhalten.

Durch die ständige Wiederholung geschlechtsstereotyper Darstellungen in Sprache und Medien sind die „typischen“ Rollenverteilungen stets präsent. Dieser allgegenwärtigen Präsenz der „Prototypen“ stehen Eltern aber nicht hilflos gegenüber: Sie können durch die gezielte Auswahl von Medien, die „Beimischung“ alternativer Rollenmodelle oder auch durch Thematisieren der Inhalte viel dazu beitragen, dass ihre Kinder eine große Bandbreite von Rollenmodellen kennenlernen, und wählen können – ohne das Gefühl, sich einer normierten Rolle anpassen zu müssen.

Schauen Sie dieses Jahr doch einmal genau hin, welche Rollenbilder in den Geschenken für Ihre Kinder verpackt sind. Und reden Sie doch mal mit den „Schenkenden“ darüber. Natürlich könnte man Sie als Spielverderber betrachten, wenn Sie darauf bestehen, Ihren Kindern gender- bzw. rollenneutrale Geschenke zu machen. Es ist nicht leicht zu vertreten, aus diesem Grund auf allseits beliebte, doch allzu klischeehafte Spielzeuge oder sogar auf Kinderbuch-Klassiker zu verzichten. Aber einen Versuch ist es wert, die versteckten Botschaften anzusprechen. Großeltern, Tanten und Onkel meinen es meist gut, machen sich aber vielleicht nicht bewusst, wie stark Kinder die in Geschichten gelernten Beziehungsmuster auf ihr Umfeld und sich selbst beziehen, und wie häufig diese in Spielzeug und Büchern zu einseitig dargestellt werden.

Laut einer Untersuchung von  Andresen und Schmidt von der Universität Flensburg hat die Darstellung von Stereotypen in Kinderbüchern im Vergleich zu den 80er Jahren zugenommen: „Die dumme Augustine“ aus dem Jahr 1972, deren berufliche Fähigkeiten erst zur Geltung kommen als ihr Mann krankheitsbedingt ausfällt, dürfte manchen Eltern schon aus ihrer eigenen Kindheit bekannt sein. In  neueren Kinderbüchern  hingegen konzentrieren sich die dargestellten Aufgaben der Mamas und Papas oft auf die vermeintlich typischen Aufgaben.
Doch es gibt auch positive Ausnahmen: Das Buch „Was Mamis am besten können/Was Papis am besten können“, oder die Geschichte über das Pinguin-Kind Tango mit seinen zwei Vätern sind aktuelle Beispiele. Auffällig ist, dass „wilde“ Mädchen weit häufiger verbreitete Motive sind, als Jungen, die ein anderes als das vermeintlich typische Verhalten zeigen. Dies spiegelt die auch im Alltag beobachtbare Entwicklung wider, dass es in Ordnung erscheint, wenn sich Mädchen für Autos interessieren, aber nicht, wenn sich Jungen einen Spielbuggy wünschen, und dass für sie alles was pink ist, ein Tabu darstellt. Dabei wäre allen geholfen, wenn die Persönlichkeit und die individuellen  Interessen des Kindes im Vordergrund stehen, und nicht was von „richtigen“ Mädchen oder „richtigen“ Jungen erwartet wird.

Der Verband berufstätiger Mütter setzt sich dafür ein, dass stereotype Rollendarstellungen in pädagogischen Materialien und Einrichtungen durch vielfältige Ausprägungen aus dem „echten“ Familienleben ergänzt werden. Wenn auch der Papa wickelt oder die Mama Geld verdient, erleben Kinder und Eltern, wie zum Beispiel die gleichberechtigte Verteilung der familiären und der Erwerbsarbeit aussehen kann

Auf der Webseite über eine Seminararbeit zum Thema geschlechtssensible Kinderbücher werden 33 Kinderbücher vorgestellt. Prof. Helga Andresen und Astrid Schmidt untersuchten Kinderbücher.

Marsmädchen und Jupiterjunge

„Wenn es stimmt, dass „gender“ eine mehrdimensionale Mannigfaltigkeit bildet, wäre dieser Vielfalt gerade auch in der Kinder- und Jugendliteratur zu entsprechen. Dass sie es nicht tut, kann man ihr nicht zum Vorwurf machen. Sie beschreibt gesellschaftliche Realität, keine Zukunftsvisionen.“

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