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Schulranzen nicht Schuld an Haltungsschäden

Kind mit Schulranzen (c) pexels pixabay.de

Eine veröffentlichte Studie der Universität des Saarlandes widerspricht der bisher vorherrschenden Empfehlung, dass Ranzen nicht schwerer sein sollten als zehn bis zwölf Prozent des Körpergewichtes des Schulkindes. Krankenkassen, Ärzteorganisationen und sogar das Deutsche Institut für Normung geben jedes Jahr ähnliche Richtwerte für gepackte Ranzen an. Dabei gibt es keine wissenschaftliche Begründung für diesen Richtwert, selbst die Experten des Normungsinstituts können nicht sagen, woher dieser Wert stammt.

Belastungstest mit dem Schulranzen

Die Mitglieder des Kidcheck-Teams der Universität des Saarlandes verglichen nun die Belastung von Kindern mit leichten und mit schweren Ranzen. An der Studie nahmen 60 Mädchen und Jungen der Klassen zwei und drei mehrerer Saarbrückener Schulen teil. Das leichteste Kind wog 22 kg und das Schwerste war 32 kg schwer. Die Ranzen wogen im Schnitt fünf Kilogramm. Der schwerste Ranzen brachte sieben Kilo auf die Waage. „Im Durchschnitt hatte jeder Ranzen ein Gewicht, das bei 17,2 prozent des Körpergewichts der Kinder lag“, erläutert Dr. Oliver Ludwig, der wissenschaftliche Leiter des Teams. Die Ranzen waren also deutlich schwerer als der empfohlende Wert.

Die Wissenschaftler untersuchten die Körperhaltung, zuerst ohne Ranzen und im Anschluss mit Ranzen auf dem Rücken. Dabei reagierten die Kinder auf das zusätzliche Gewicht indem sie ihren Körper leicht nach vorn verlagerten und so den Schwerpunkt etwas nach Hinten schoben. Den Kindern kostete dies jedoch kaum Energie, wie eine Messung der Muskelaktivität ergab.

Hindernisse überwinden

Im Anschluss ging es mit Ranzen über einen Hindernisparcours. Dabei mussten die Schüler Hindernisse überwinden, über verschiedene Bodenbeläge laufen, Dinge aufheben und wegwerfen und einen Slalomkurs meistern. So wurde ein anspruchsvoller Schulweg simuliert. Eine vorab erfolgte Befragung der Eltern ergab, dass der längste Schulweg der Kinder zwischen zwölf und 15 Minuten lang war. Deshalb mussten die Kinder während dieser Übung 15 Minuten ständig in Bewegung sein. Eine erneute Messung der Körperhaltung, wieder mit Ranzen auf dem Rücken, ergab trotz des zuvor zurückgelegten anstrengenden „Schulweges“ kein schlechtere Körperhaltung als zuvor und die Muskulatur war nur unwesentlich ermüdet.

Schwerer Ranzen kann Muskulatur nicht schädigen

Abschliessend stellte das Kidcheck-Team fest, dass eine nennenswerte Aktivität von Bauch- und unterer Rückenmuskulatur überhaupt erst messbar wurde, wenn das Ranzengewicht ein Drittel des Körpergewichts ausmachte. Erst dann veränderte die Wirbelsäule ihre Position und die Ruhehaltung wurde instabil. Aber durch die nun mehr stärkere Anspannung der Muskeln wurde der Körper wieder stabilisiert und die Wirbelsäule entlastet. „Selbst ein schwererer Ranzen wird eine gesunde kindliche Wirbelsäule nicht schädigen. Dazu wirkt das Gewicht viel zu kurz auf den Rücken ein“, erläutert Professor Dr. Eduard Schmitt, der ärztliche Leiter des Kidcheck. Seiner Meinung nach könne ein schwererer Ranzen sogar die Rumpfmuskulatur bewegungsarmer Kinder trainieren.

unterm Strich: Viel Bewegung im Freien

Fazit: Nicht Schulranzen sondern Schulmöbel führen zu Haltungsschäden. Denn in der Schule sitzen die Kinder über mehrere Stunden. Viele Kinder kommen dann nach Hause und machen es sich vor dem Fernseher oder dem Computer bequem anstatt sich im Freien zu bewegen. Der Haltungs- und Bewegungsapparat ist daher nur unzureichend trainiert. Dies kann die Stabilität der Wirbelsäule beeinträchtigen. „Sitzt ein Kind dauerhaft nach vorn gebeugt, werden vorwiegend die vorderen Abschnitte der Wirbelkörper belastet. Dadurch wird ihr Wachstum an dieser Stelle frühzeitig gestoppt, hinten wachsen die Wirbel jedoch weiter. Dadurch entwickelt sich zunehmend eine Rundrückenform. Diese Haltungsschwäche wird schließlich zu einem Haltungsschaden, der nicht mehr zu beheben ist“, erklärt der Kidcheck-Orthopäde.

kindgerechte und angepasste Möbel helfen

Achten Sie also bei ihrem Kind auf ausreichende Bewegung und gesunde, ergonomisch geformte Sitzgelegenheiten. Geeignete Möbel müssen höhenverstellbar sein und der Schreibtisch muss ausreichend Platz zum Arbeiten bieten. Von Vorteil sind Zusatzoptionen wie die Möglichkeit den Neigunggrad der Tischplatte verstellen zu können und das Vorhandensein von Halterillen oder Mulden, um ein Herunterrutschen von Papier oder Stiften zu verhindern. Im Rahmen ihrer Elternmitwirkung müssen Sie auch auf den Schulträger Einfluss nehmen, um langfristige Schäden für Ihr Kind zu verhindern.

Die richtige Tischhöhe ist für ein bequemes und gesundes Sitzen unabdingbar. Mit einem einfachen Test läßt sich diese schnell ermitteln. Lassen Sie ihr Kind auf den Stuhl setzen, Arme locker hängen lassen und dann die Unterarme anwinkeln. Die Ellenbogen sollten dann zwei bis drei Zentimeter unter der Tischplatte sein. Legt ihr Kind die Unterarme dann auf, sollten die Schultern entspannt sein.

Auch beim Stuhl ist die Höhe entscheidend. Sitzt Ihr Kind auf dem Stuhl, muss es mit beiden Füßen fest den Boden berühren können. Die Knie dürfen nicht an der Sitzfläche des Stuhls anliegen und die Beine müssen unter der Tischplatte ausreichend Spielraum haben. Kinder sollten regelmäßig ihre Sitzposition verändern. Lassen Sie ihr Kind also ruhig auch mal verkehrt herum auf dem Stuhl sitzen.

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