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Volkskrankheit Diabetes: Nicht nur Typ-1-Diabetes macht den deutschen zu schaffen

Ernährung | Kinderriegel (c) Andreas Morlok / pixelio.de

Nicht nur Typ-1-Diabetes macht den deutschen zu schaffen. Auch die Diagnose Typ-2-Diabetes trifft mittlerweile Erwachsene und Kinder immer häufiger. Auch, wenn man sich scheinbar nicht krank fühlt, ist eine unbehandelte Diabetes ein schleichendes Risiko. Schwerwiegende Folgeerkrankungen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall, sind äußerst ernst zu nehmen aber auch Gefäßerkrankungen, Aterienverkalkung (Arteriosklerose) und häufig Netzhautschäden am Auge machen Diabetikern zu schaffen.

Der Herzinfarkt ist immerhin eine der häufigsten Todesursachen von Menschen mit Diabetes, denn hohe Zuckerwerte fördern eine Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose). Das Risiko einen Schlaganfall des Gehirns zu erleiden, ist für Diabetiker zumindest erhöht. Anzeichen für eine Diabetes, wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Brennen in den Füßen sollten sie als Diabetiker untersuchen lassen, um einen diabetesbedingten Nervenschaden zu verhindern bzw. diagnostizieren.

Im Expertenchat Volkskrankheit Diabetes stellten LeserInnen und Anrufer folgende Fragen sehr häufig:

Was kann körperliche Aktivität wirklich bringen?

Um Krankheiten, wie beispielsweise Diabetes, vorzubeugen, empfiehlt mein Arzt mir mehr Bewegung. Doch ich bin sehr unsportlich und zweifele zudem an der Wirksamkeit.

Stefanie Mollnhauer, niedergelassene Ärztin und Sportmedizinerin aus Lindau am Bodensee: Körperliche Aktivität beeinflusst viele Faktoren positiv: Beispielsweise werden Stresshormone aktiv abgebaut, Blutfette gesenkt und die Zellen lernen, den Blutzucker besser aufzunehmen, was vorbeugend gegen Diabetes wirkt. Bewegung hilft, das Körpergewicht zu regulieren, beziehungsweise überhaupt erst einmal wieder ein gesundes „Körpergefühl“ zu entwickeln.

Wie kann ein moderates Bewegungstraining für mich aussehen?

Vor zwei Jahren wurde bei mir Diabetes festgestellt. Bislang treibe ich keinen Sport.

Stefanie Mollnhauer: Das Bewegungstraining sollte zwei Aspekte beinhalten. Einmal ist eine vermehrte Alltagsbewegung sinnvoll. Das heißt: Nehmen Sie die Treppe statt Rolltreppe oder Aufzug, gehen Sie kleinere Wege öfter mal wieder zu Fuß oder nehmen Sie das Rad anstelle des Autos. Zum anderen wäre es optimal, wenn Sie dreimal in Ihrer Woche für 30 Minuten ein Ausdauertraining unterbringen könnten. Ob Sie locker walken, schwimmen, Rad fahren oder laufen hängt davon ab, wozu Sie am meisten Lust haben. Sie können die Bewegungsart auch abwechseln. Die Intensität sollte so gewählt werden, dass Sie sich noch unterhalten können.

Worauf sollte er beim Marathon achten?

Obwohl mein Mann Diabetiker ist, würde er gern einen Marathon laufen. Kann das gefährlich sein? 

Stefanie Mollnhauer: Hier muss man zwischen einem Typ-1-Diabetiker und einem Typ-2-Diabetiker unterscheiden. Außerdem ist der Schweregrad des Diabetes von Patient zu Patient unterschiedlich. Grundlegend ist aber für beide Typen ein Marathonlauf möglich, gerade bei Typ-1-Diabetes allerdings nur in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt, da es bei einem Fehlverhalten zu einer lebensbedrohlichen Unter- oder Überzuckerung kommen kann.

Magnesiummangel und Krämpfe?

Mein Mann ist Diabetiker und hat in letzter Zeit häufiger nächtliche Wadenkrämpfe. Kann das in Zusammenhang stehen?

Dr. Kerstin Salomon, Apothekerin aus München: Wadenkrämpfe und Verspannungen können Anzeichen eines Magnesiummangels sein. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Diabetiker im Vergleich zu gesunden Menschen einen erniedrigten Magnesiumspiegel aufweisen, da durch den veränderten Stoffwechsel mehr Magnesium über die Niere ausgeschieden wird.

Magnesium aus der Drogerie?

Stimmt es, dass sich die Insulinempfindlichkeit mit Magnesium steigern lässt? Ist dazu schon ein gewöhnliches Drogerieprodukt ausreichend?

Dr. Kerstin Salomon: Durch eine ausreichende Magnesiumzufuhr wird die Wirkung von Insulin insbesondere beim Typ-2-Diabetiker verbessert, da Magnesium an der Funktion des Insulinrezeptors beteiligt ist. Bei der Wahl des richtigen Magnesiumpräparates sollte man auf eine Dosierung zwischen 300 und 400 Milligramm reinen Magnesiums und auf den Wirkstoff achten. Organisches Magnesium, wie Magnesiumcitrat, hat eine höhere Bioverfügbarkeit und wird daher vom Körper schneller aufgenommen als anorganische Verbindungen. Die günstigen Magnesiumprodukte aus der Drogerie sind oft niedrig dosiert und enthalten meist ein anorganisches Magnesium wie Magnesiumcarbonat. Ich empfehle ein hochwertiges Magnesiumpräparat aus der Apotheke, wie beispielsweise „Magnesium-Diasporal“.

Diabetes und Bluthochdruck?

Mein Vater soll zu seinen Diabetes-Medikamenten nun auch noch seinen Hochdruck behandeln. Was würden Sie empfehlen?

Dr. Kerstin Salomon: Geben Sie ihm Magnesium. Es hat nicht nur einen positiven Einfluss auf die Insulinsensitivität, sondern gleichzeitig auch einen günstigen Effekt bei Bluthochdruck, da es die Gefäße erweitert und so das Herz entlasten kann. In zahlreichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass hochdosiertes Magnesium bei Patienten mit Bluthochdruck eine Senkung des systolischen und diastolischen Drucks bewirken kann.

Diabetische Neuropathie?

Neuerdings habe ich hin und wieder mal ein Kribbeln in den Beinen. Kann das eine Folge meines Diabetes sein?

Dr. Miriam Goos, Neurologin aus München: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Brennen in den Füßen können oft erste Anzeichen eines diabetesbedingten Nervenschadens sein, einer sogenannten diabetischen Neuropathie. Besonders gefährdet sind die sensiblen Nerven, die Empfindungen wie Schmerz und Temperatur weiterleiten. Später können auch Schmerzen in den betroffenen Körperregionen hinzukommen. Auch autonome Nerven, die innere Organe versorgen, können betroffen sein. Sie können Störungen der Magen- oder Blasenentleerung, Durchfall oder Potenzprobleme zur Folge haben.

Mehr Risiko für Arteriosklerose

Warum muss ich als Diabetiker mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall rechnen?

Dr. Miriam Goos: Beim Diabetes entstehen Schäden der kleinen und großen Arterien. Hohe Zuckerwerte fördern eine Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose). Sind die Herzkranzgefäße davon betroffen, sprechen Ärzte von einer „koronaren Herzerkrankung“. Sie äußert sich in der Regel mit Brustschmerzen und Engegefühl über der Brust. Infolge von Nervenschäden fehlen diese Warnhinweise oft bei Diabetikern. Verschließt sich ein Herzkranzgefäß, wird der von ihm versorgte Teil des Herzmuskels nicht mehr durchblutet und stirbt ab. So entsteht der Herzinfarkt. Beim Schlaganfall ist es ähnlich. Hier kommt es in Folge eines Gefäßverschlusses zu einer Durchblutungsstörung des Gehirns. Die Optimierung des Blutdrucks ist daher für Diabetiker neben der Blutzuckereinstellung von zentraler Bedeutung.

Was kann ich tun, um Nervenschädigungen und Gefäßveränderungen infolge meines Diabetes zu verhindern?

Dr. Miriam Goos: Die wichtigsten Faktoren, mit denen Sie diese Entwicklungen beeinflussen können, sind die richtige Ernährung und regelmäßige körperliche Betätigung. Ernähren Sie sich bewusst ausgewogen und achten Sie vor allem auf eine hohe Qualität ihrer Nahrungsmittel. Der Tagesbedarf sollte überwiegend mit Gemüse und Obst gedeckt werden. Durch eine halbe Stunde Spazierengehen täglich können Sie ebenfalls Nerven- und Gefäßschäden minimieren. Wichtig ist, dass ihr Diabetes gut eingestellt ist. Lassen Sie regelmäßig eine Kontrolle von Blutzucker und dem sogenannten „Blutzucker-Gedächtnis“ – dem HbA1c-Wert durchführen.

Gewichtsverlust und Stoffwechsel

Ich habe gelesen, dass schon ein Gewichtsverlust von sechs Kilo die Insulinsensitivität verbessern kann. Ist da was dran?

Dr. Tanja Werner, Ernährungswissenschaftlerin, Leitung Medizin und Wissenschaft, Protina Pharmazeutische GmbH, Ismaning: Ja, das ist richtig. Unser Fettgewebe, insbesondere das Bauchfett, produziert Stoffe, die den Körper weniger empfindlich für Insulin machen. Deswegen ist es gerade für den Typ-2-Diabetiker besonders wichtig, auf sein Körpergewicht zu achten und Übergewicht zu vermeiden. Allein eine Gewichtsabnahme durch Ernährungsumstellung und körperlicher Aktivität kann die Blutzuckerwerte wieder normalisieren.

Um meinen Stoffwechsel zu entlasten, würde ich gern dauerhaft abnehmen. Doch mehr als drei Kilo schaffe ich einfach nicht. Woran liegt das? Wie kann ich das ändern?

Dr. Tanja Werner: Abnehmen kann jeder, aber für die dauerhafte Gewichtsabnahme ist auch eine permanente Ernährungsumstellung notwendig und jede Menge Disziplin. Wichtig ist, sich realistische Ziele zu setzen und sich nicht gleich entmutigen zu lassen, wenn es nicht schnell genug funktioniert. Gerade für Diabetiker kann zum Abnehmen das Low Carb-Prinzip sinnvoll sein. Dies bedeutet, dass die Kohlenhydratzufuhr, besonders abends, eingeschränkt wird und insbesondere einfache Kohlenhydrate wie Süßes und Weißmehlprodukte gemieden werden. Diese sind für einen schnellen und hohen Blutzuckeranstieg verantwortlich.

Ernährungsumstellung?

Seit bei mir ein beginnender Diabetes festgestellt wurde, soll ich meine Nahrung entsprechend anpassen. Worauf soll ich dabei achten?

Dr. Tanja Werner: Die Ernährung eines normalgewichtigen Diabetikers sollte der eines gesunden Menschen entsprechen, also eine ausgewogene Mischkost mit Vollkornprodukten und reichlich Obst und Gemüse, sowie weniger einfache Kohlenhydrate in Form von Zucker und Weißmehlprodukten. Dabei denken Sie daran: Gerade der Diabetiker verliert durch die veränderte Nierenfunktion mehr Mineralstoffe und Spurenelemente, wie Magnesium und sollte besonders auf eine ausreichend hohe Zufuhr achten. Magnesium ist äußerst wichtig, denn das Mineral ist direkt an der Insulinwirkung beteiligt und erhöht die Insulinsensitivität der Zellen. Magnesiumreiche Lebensmittel sind zum Beispiel Nüsse, Hülsenfrüchte und Haferflocken.

Technik: Azeton in Atemluft dank modernem Sensor messbar

In der Schweiz z.b. sind schätzungsweise 30000 Menschen von Diabetes-Typ-1 betroffen. Ein großes Risiko bei dieser Erkrankung ist die lebensbedrohliche Ketoazidose. Der Stoffwechsel ist stark gestört durch den Mangel an Insulin. Das Azeton in der Atemluft kann man seit Mai 2010 dank der Forscher der ETH Zürich mit einem Sensor messen – selbst dann, wenn die Luftfeuchtigkeit der Atemluft über 90 Prozent beträgt. Selbst 20 ppb Azeton sind messbar. Damals war die Entwicklung eines Gerätes, was mit Hilfe des Sensors die Atemluft messen kann und so den Stich in den Finger überflüssig macht, noch Zukunftsmusik. Der Sensor liegt seit Mai 2010 als Prototyp vor.

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