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Vom Trost und der Tragik der Weihnachtstage für Trauernde

Weihnachtstischdecke (c) familienfreund.de

Tod und Sterben – ein Thema, von dem man in der Woche vor dem Weihnachtsfest, das dem Ursprung nach als göttliches Geburtstagsfest gefeiert wird, besser nichts hören möchte. Dennoch ist gerade die Tatsache der bevorstehenden Feiertage für viele Menschen in einer persönlichen Trauersituation schwer, belastend und mit vielen Tränen verbunden. Auch in diesem Jahr haben wieder Menschen von rund 880.000 in Deutschland verstorbenen Angehörigen Abschied nehmen müssen.

Jetzt steht das erste Weihnachtsfest ohne den Partner, die Großeltern, Eltern oder gar ohne ein verstorbenes Kindes an. Psychologen wissen um den emotionalen und psychischen Stress, den Trauernde in den letzten Tagen des Jahres durchleben müssen. Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, weiß als Theologe darum, dass das erste Weihnachten ohne einen geliebten Menschen zu feiern besonders berührend und einprägsam ist: „Es ist wichtig, sich der eigenen Trauer und den Tränen zu stellen, diese nicht wegzudrücken und zu meinen, an Weihnachten eine scheinbare Idylle aufbauen zu müssen.

Weihnachten ohne einen geliebten Verstorbenen

Wer die Kernbotschaft des Weihnachtsfestes verstanden hat, weiß nämlich, dass die Geburt des Neuen, also einer liebevollen Erinnerung an einen Verstorbenen, immer auch mit dem Prozess eines tränenreichen Abschieds verbunden ist.“ Wirthmann rät daher dazu, Angehörige und Eltern zwar herzlich zur Feier des Heiligen Abends nach Hause einzuladen, wenn aber der Witwer oder die Witwe lieber alleine diese Stunden verbringen möchte, diese nicht zu drängen oder zu einer Feier im großen Kreis der Familie zu nötigen. Trauer um Angehörige kann ganz verschiedene Formen annehmen, sowohl Austausch und Gespräch im Kreis der Familie wie auch Stunden der persönlichen Besinnung und des In-sich-Gehens mit einer Kerze und einem Bild des Toten sind heilsam.

Aktuelle Umfrage gibt Aufschluss

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dimap, die im Auftrag des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur und des Bundesverbandes Deutscher Bestatter im Oktober 2016 durchgeführt wurde, bringt interessante Zahlen zu Tage, wie die Deutschen über Tod, Trauer und die Frage nach dem „Danach“ denken. Zwar waren 94 % aller Deutschen bereits einmal auf einer Beerdigung und haben 76 % aller Befragten bereits einmal einen Verstorbenen gesehen, dennoch gestehen die Bundesbürger ein, dass sie auch im engsten Kreis der Familie oft nur selten über den Tod und das Sterben gesprochen haben. So meinen 35 % der Befragten, dafür hätte es bisher ja keinen Anlass gegeben. Der Anblick von Kranken und einem Krankenhaus weckt in vielen Menschen die Erinnerung an die eigene Sterblichkeit, was 44 % der Befragten bestätigen. Das religiöse Spektrum der Anschauungen über ein mögliches Leben nach dem Tod hat sich in den letzten Jahren weiter ausdifferenziert. 30 % aller Deutschen meinen, dass nach dem Tod nichts folge, 36 % glauben an ein Weiterleben der Seele und die Auferstehung, 5 % an eine Wiedergeburt, 4 % an die Verwandlung der Materie in Energie, viele sind unentschlossen und unsicher.

Wichtig ist es über Tod und Sterben zu sprechen

Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Bestatter, weiß aus persönlicher wie beruflicher Erfahrung, wie wichtig es ist, über das Thema Tod und Sterben zu sprechen. Bemerkenswert findet er an den aktuellen Umfrageergebnissen, dass inzwischen mehr Menschen über den Tod mit dem Bestatter als mit einem Pfarrer reden würden und ergänzt: „Wichtig ist es beim Thema Tod, nicht in eine Schweigespirale zu kommen, sondern im Kreis der Familie, mit dem Partner und vielleicht auch mit einem Bestatter als kompetentem Ansprechpartnern im Gespräch zu bleiben.“ Auch ein Besuch auf dem Friedhof kann in den weihnachtlichen Tagen ein wertvoller Impuls sein, der Erinnerungen an frühere gefeierte Weihnachten weckt und in Dankbarkeit auch auf das Lebenswerk der eigenen Verstorbenen blicken lässt. Und selbst wenn man sich mit einem Verstorbenen zu Lebzeiten sehr schwergetan hat und es auch schmerzliche Erfahrungen gab, ist doch ein konkreter Ort der Trauer, des Nachdenkens und des Innehaltens wichtig.

Viele Menschen empfinden Trauer als eine Erfahrung dunkler Nacht, die gerade in diesen kurzen Tagen mit wenig Sonnenlicht für jeden spürbar wird. Da hilft vielleicht auch die Einsicht, dass der Stern der Weihnacht gerade in dunkler Nacht erstrahlt und hoffentlich vielen Trauernden in Deutschland auch in diesem Jahr Trost und Halt geben wird.

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