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Gebärmutterhalskrebs: Wer impft, beugt vor

Gebärmutter (c) therapractice / pixabay.de

Gebärmutterhalskrebs – diese Tumorerkrankung ist nach Brustkrebs die zweithäufigste bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren. Wie eine Impfung vorbeugen kann, zeigt dieser Überblick. Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs erkranken, sind oft bereits in ihrer Jugend von den Auslösern infiziert worden: „Humane Papillomviren, kurz HPV, können viele verschiedene Erkrankungen verursachen.

Erwiesen ist, dass Infektionen mit bestimmten HPV-Typen für die Entstehung von Krebserkrankungen und deren Vorstufen am Gebärmutterhals, der Scheide, des äußeren weiblichen und männlichen Genitalbereichs verantwortlich sind“, erklärt Professorin Dr. med. Monika Hampl. Die Expertin ist leitende Oberärztin der Frauenklinik am Universitätsklinikum Düsseldorf sowie unter anderem Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), der Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe (AGI) sowie der Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Onkologie (AGO).

Kondome schützen nicht ausreichend

Übertragen werden die HP-Viren durch Haut- bzw. Schleimhautkontakt beim Petting oder beim Geschlechtsverkehr. Selbst „Safer Sex“ mithilfe von Kondomen bietet keinen ausreichenden Schutz. „Bei konsequenter Verwendung können Kondome zwar die Ansteckungsgefahr mit HPV verringern, aber nicht vollständig verhindern“, sagt Dr. med. Ina Ilkhanipur, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Gernsbach sowie Expertin für Kinder- und Jugendgynäkologie. Sie rät ausdrücklich zur Impfung gegen bestimmte HP-Viren. Es gibt zwei Impfstoffe zum Schutz vor den HPV-Typen 16 und 18. Diese Hochrisiko-HPV-Typen sind für rund 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich. Laut Aussage der Medizinerin gehören die HPV-Impfstoffe zu den am besten erforschten hinsichtlich der Wirksamkeit und Verträglichkeit. Die hohe Wirksamkeit der Impfstoffe in der Verhinderung von HPV 16- und 18-bedingten Gebärmutterhalskrebsvorstufen und die gute Verträglichkeit der Impfstoffe sind nach Worten von Professorin Hampl ausschlaggebend für die offizielle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). Sie empfiehlt eine generelle Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV-Typen 16, 18) für alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren.

Sehr gutes Sicherheitsprofil

Weltweit wurden bisher über 100 Millionen Impfdosen ausgeliefert. Und eine umfangreiche Datenauswertung einer US-amerikanischen Krankenkasse bestätigt das sehr gute Sicherheitsprofil: Bei ca. 190.000 geimpften Mädchen wurden keine gravierenden Nebenwirkungen wie Autoimmunerkrankungen oder venöse Thrombosen im Zusammenhang mit der Impfung gegen bestimmte HPV-Typen beobachtet. Hinzu kommt, dass einer der beiden verfügbaren HPV-Impfstoffe auch Genitalwarzen vorbeugen kann. Solche stecknadelkopfgroßen, weißlichen oder rötlichen bis schwarzen Knötchen im weiblichen und männlichen Intimbereich werden ebenfalls durch eine Infektion mit bestimmten Humanen Papillomviren verursacht.

Effektiver Schutz vor Erkrankungen

Eine gute Gelegenheit, um Jugendliche gegen bestimmte HP-Viren zu impfen, ist die Jugendgesundheitsuntersuchung J1 beim Kinder- und Jugendarzt oder Hausarzt. Diese wird für Mädchen und Jungen zwischen 12 und 14 Jahren kostenlos angeboten“, erläutert Dr. med. Burkhard Ruppert, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Berlin und Impf-Experte. Aber auch der erste Besuch beim Frauenarzt bietet sich an, um über die HPV-Impfung zu sprechen. Um einen effektiven Schutz vor Erkrankungen, die durch bestimmte HP-Viren verursacht werden, zu bieten, sollte die Impfung früh erfolgen. Konkret heißt das, vor den ersten sexuellen Erfahrungen. Denn der Effekt der Impfung ist am größten, wenn die Mädchen noch nicht mit HPV in Kontakt gekommen sind. Jedoch macht die Impfung auch bei Frauen Sinn, die schon Geschlechtsverkehr hatten: „Das bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass sich diese Frauen sofort mit den Viren anstecken. Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass sie sich bereits mit allen HPV-Typen infiziert haben, vor denen die Impfung schützen kann“, führt Professorin Monika Hampl aus. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Impfkosten für Mädchen von 12 bis 17 Jahren. Viele Kassen erstatten laut Hampl die Kosten sogar für die HPV-Impfung bis zum 27. Geburtstag – Nachfragen lohnt sich also.

Auch für Jungen empfohlen

Weil auch Jungen sich mit HPV anstecken und die HP-Viren übertragen können, befürwortet die Impfkommission aus Sachsen (SIKO) seit Anfang 2013 ebenso die HPV-Impfung gegen bestimmte HPV-Typen für Jungen, bevorzugt im Alter von 12 bis 17 Jahren. Zunehmende Krebserkrankungen im Kopf-Halsbereich, Krebserkrankungen im Genitalbereich und ebenfalls HPV-bedingte Genitalwarzen treten auch bei Männern auf. „Da nur rund 40 Prozent der Mädchen in Deutschland geimpft sind, ist ein Bevölkerungsschutz nicht zu erwarten. Es ist daher ethisch kaum zu vertreten, warum Jungen bzw. Männer von einer Impfung ausgeschlossen werden, die nachweisbar auch bei ihnen wirksam und sicher ist“, betont Dr. med. Burkhard Ruppert. Er weist darauf hin, dass die Impfung über Jahre hinweg wirkt: „Zwei große Nachbeobachtungsuntersuchungen belegen, dass die HPV-Impfung gegen bestimmte HPV-Typen einen lang anhaltenden Impfschutz  bietet.“ Dennoch ersetze die HPV-Impfung nicht die regelmäßige Vorsorge beim Frauenarzt, wie Professorin Hampl erläutert: „Da die Impfung nicht vor allen HPV-Typen schützen kann, bleibt die regelmäßige Teilnahme an den Krebsfrüherkennungsuntersuchungen beim Gynäkologen wichtig.“

[Update: 27.01.2015]  HPV-Impfung zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs: kein erhöhtes Risiko für Multiple Sklerose

Nach jahrelangen Bedenken von jungen Frauen, Mädchen und ihren Eltern geben gleich zwei große Studien Grund für eine Entwarnung.

Reihenimpfungen zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs erhöhen nicht das Risiko für Multiple Sklerose (MS) oder ähnliche Nervenkrankheiten. Gleich zwei seriöse Studien haben dies nun kurz nacheinander bestätigt. „Wir Neurologen können Mädchen und jungen Frauen eine Impfung gegen das menschliche Papilloma-Virus HPV guten Gewissens empfehlen, denn der Schutz vor Gebärmutterhalskrebs wird nicht durch Erkrankungsrisiken des Nervensystems erkauft“, erklärt Professor Heinz Wiendl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Bis zu 45 Prozent der Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren nehmen die von den Krankenkassen bezahlte Impfung in Anspruch.

MS ist eine chronische Autoimmunkrankheit, bei der die Hüllen der Nervenzellen angegriffen werden. Der Verlauf ist bei den Patienten sehr verschieden, ist aber immer mit großen Einschränkungen verbunden und führt in vielen Fällen über mehrere Jahre hinweg zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands bis hin zum Tod. Mit mehr als 180.000 Patienten in Deutschland und mehr als 2 Millionen weltweit zählt die MS zu den häufigsten schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen. Gebärmutterhalskrebs macht rund 2 Prozent aller Krebsneuerkrankungen bei Frauen aus.

Schon bald, nachdem im Jahr 2006 der Impfstoff gegen HPV zugelassen worden war, gab es mehrere Fallberichte über MS-Erkrankungen in kurzem zeitlichem Abstand. „Ob es sich dabei schlicht um Zufälle handelte, war damals unklar. Zahlreiche Medienberichte führten aber zur Verunsicherung: Neu erkrankte MS-Patienten vermuteten einen Zusammenhang mit ihrer Impfung, und viele junge Frauen oder deren Eltern fragen seitdem nach der Sicherheit der Impfung“, beschreibt Heinz Wiendl die Erfahrungen auch aus seiner Klinik. „Das ist ein Dauerbrenner“, so der Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie der Universität Münster.

Studie mit fast 4 Millionen Frauen

Um die umstrittene Auslösertheorie zu untersuchen, werteten Epidemiologen um Nikolai Madrid Scheller vom Statens Serum Institut in Kopenhagen die Krankheitsdaten von fast 4 Millionen Däninnen und Schwedinnen im Alter zwischen 10 und 44 Jahren für die Jahre 2006 bis 2013 aus. 800.000 dieser Frauen hatten in diesem Zeitraum einen weit verbreiteten HPV-Impfstoff (Gardasil®) bekommen, sodass die Forscher die Häufigkeit von MS vor und nach der Impfung vergleichen konnten. Unter insgesamt 7622 Neuerkrankungen waren lediglich 163 in den ersten zwei Jahren nach einer HPV-Impfung aufgetreten. Vor der Impfung gab es durchschnittlich 22 MS-Erkrankungen pro 100.000 Personenjahre – nach der Impfung lag dieser Wert wesentlich niedriger, nämlich bei 6 MS-Erkrankungen pro 100.000 Personenjahre. Die Wissenschaftler haben auch andere, der MS ähnliche Leiden untersucht, die ebenfalls die Hüllen von Nervenzellen angreifen. Hier ergab sich das gleiche Bild, denn diese „demyelinisierenden“ Krankheiten wurden vor der Impfung jeweils 16-mal pro 100.000 Personenjahre beobachtet, gegenüber 8-mal nach der Impfung.

Impfung hat keine Schutzwirkung vor MS

Diese Zahlen bedeuten allerdings nicht, dass der Impfstoff vor MS schützen würde. Das Ungleichgewicht kommt vielmehr dadurch zustande, dass MS und ähnliche Krankheiten sich bei Frauen meist erst im zweiten Lebensjahrzehnt entwickeln, während das Impfalter in der Regel zwischen 10 und 15 Jahren liegt. In einer Korrekturrechnung haben die Forscher ihre Zahlen deshalb entsprechend der natürlichen Altersverteilung von MS angepasst. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer HPV-Impfung an MS zu erkranken, erwies sich dann als genau so groß wie ohne Impfung. Die Daten sprächen wie andere zuvor für ein „günstiges Sicherheitsprofil“ im Hinblick auf das MS-Risiko des Impfstoffes, schreiben Scheller und Kollegen in der Fachzeitschrift JAMA. Durch die Größe der Studie sei das Ergebnis wahrscheinlich auch auf die Situation in ähnlichen Ländern übertragbar.

Andere Methode – gleiches Ergebnis

Zum im Wesentlichen gleichen Ergebnis kommt auch eine Studie, die in Südkalifornien mit einer anderen Methode nach einem möglichen Zusammenhang von MS mit verschiedenen Impfungen gesucht hat. „Annette Langer-Gould, die Leiterin dieser Studie, ist eine sehr gute Epidemiologin und diese Untersuchung ist sehr wichtig“, urteilt Professor Ralf Gold, einer der renommiertesten MS-Forscher in Deutschland, Direktor der Neurologischen Klinik der Universität Bochum und Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Mit ihren Kollegen hat Langer-Gould sämtliche Krankenakten des Versicherungsunternehmens Kaiser Permanente Southern California für die Jahre 2008 bis 2011 nach neurologischen Auffälligkeiten durch einen MS-Spezialisten untersuchen lassen und mit den Daten von Impfungen vor allem gegen HPV und Hepatitis B verglichen. Den 780 Fällen mit MS oder anderen demyelinisierenden Krankheiten stellten die Forscher dann eine fünffache Zahl von Kontrollen gegenüber – Versicherte also, die den Erkrankten bezüglich Alter, Geschlecht und Wohnort möglichst ähnlich waren.

„Auch dieser Vergleich fand keinen Zusammenhang zwischen einer Impfung gegen HPV oder Impfungen allgemein mit dem Risiko, binnen drei Jahren danach eine demyelinisierende Krankheit zu erleiden“, stellt Professor Bernhard Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik der Technischen Universität München, fest. Eine genauere Betrachtung zeigte allerdings, dass das Risiko, in den ersten 30 Tagen nach der Impfung mit MS oder einer ähnlichen Krankheit diagnostiziert zu werden, für Geimpfte unter 50 Jahren mehr als doppelt so hoch war wie für Nichtgeimpfte.

„Diese Daten sprechen gegen einen ursächlichen Zusammenhang“, erklärt Hemmer. Wahrscheinlich sei es vielmehr, dass bei Menschen mit einer bereits vorhandenen, unterschwelligen Erkrankung, eine Impfung den Übergang zu sichtbaren Symptomen beschleunigen könne. „Solch ein Übergang kann auch durch jede natürliche Infektion – etwa mit Schnupfenviren – eingeleitet werden.“ Eine Impfung aber verleihe im Gegensatz zu den meisten natürlichen Erkrankungen lange anhaltenden Schutz. „In der Gesamtbilanz senken die Impfungen gegen HPV das Risiko einer Krebserkrankung, und diese Studien sprechen klar gegen ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer MS und ähnlicher Leiden“, betont Hemmer.

Quellen

Scheller, N. M. et al. (2015). Quadrivalent HPV Vaccination and Risk of Multiple Sclerosis and Other Demyelinating Diseases of the Central Nervous System. JAMA, 313(1), 54. doi:10.1001/jama.2014.16946
http://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2088853

Langer-Gould, A. et al. (2014). Vaccines and the Risk of Multiple Sclerosis and Other Central Nervous System Demyelinating Diseases. JAMA Neurology, 71(12), 1506. doi:10.1001/jamaneurol.2014.2633
http://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/1917549

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen

Prof. Dr. med. Heinz Wiendl
Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie am Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Campus 1, 48149 Münster
Tel.: +49 (0) 251 83-46811, Fax.: +49 (0) 251 83-48199
E-Mail: heinz.wiendl@ukmuenster.de

Prof. Dr. med. Bernhard Hemmer
Direktor der Neurologischen Klinik der Technischen Universität München
Ismaninger Str. 22, 81675 München
Tel.: +49 (0) 89 4140 4600/4601, Fax.: +49 (0) 89 4140 7681
E-Mail: hemmer@lrz.tu-muenchen.de

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