Facebook Zaehlpixel
0341-355408-12 info@familienfreund.de

Zöliakie und einheimische Sprue: Warum Gluten einigen Menschen das Leben schwer macht

Ernährung | Frisches Brot (c) familienfreund.de

Bei einer Zöliakie reagiert der Körper überempfindlich auf Gluten. Das Getreideeiweiß, wie es beispielsweise in Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste enthalten ist, reizt die Zellen im Dünndarm. „Tritt diese Erkrankung im Erwachsenenalter auf, wurde sie früher als einheimische Sprue bezeichnet. Heute spricht man bei Kindern sowie Erwachsenen einheitlich von Zöliakie“, erklärt Dr. Elke Arms anlässlich des Welt-Zöliakie-Tages am 16. Mai. Die Ernährungswissenschaftlerin im Nestlé Ernährungsstudio ergänzt, dass bei Kindern häufiger Mädchen als Jungen erkranken. Bei Erwachsenen ist das Verhältnis ausgeglichen.

Reaktionen im Darm

Bei einer Zöliakie reagiert der Darm und verändert sich: Gluten schädigt die Dünndarmschleimhaut vermutlich durch eine Art allergische Reaktion. „Die Dünndarmzotten bilden sich zurück beziehungsweise werden abgebaut. Diese Darmausstülpungen sind jedoch wichtig, damit der Körper effizient Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen kann. Die Unverträglichkeit auf Gluten bleibt lebenslang bestehen“, erklärt Dr. Elke Arms. Warum das Getreideeiweiß den Körper schädigt, ist noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist, dass die Krankheit im Erbgut verankert ist.

Zöliakie erkennen

Auch wenn eine ärztliche Diagnose nötig ist, um eine Zöliakie eindeutig zu erkennen, gibt es Anzeichen, die auf eine Erkrankung hinweisen: Von Zöliakie betroffene Babys und Kleinkinder sind meist leichter als ihre Altersgenossen. Trotz geringem Körpergewicht ist der Bauch aufgebläht, die Windel ist oft mit Stuhl gefüllt, und die Kleinen erbrechen nach der Nahrungsaufnahme. Typisch für die Zöliakie ist, dass sie sich unterschiedlich rasch entwickelt: Bei manchen Säuglingen sind wenige Wochen nach dem ersten Getreidebrei bereits Anzeichen zu bemerken, andere Kinder reagieren erst Jahre später. Weitere Symptome, vor allem bei Erwachsenen, sind Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Völlegefühl, Bauchschmerzen oder auch fettiger Durchfall. „Zusätzlich verschlechtert sich häufig das Befinden durch den Mangel an Mineralstoffen und Vitaminen. Der Körper nimmt sie aufgrund der geschädigten Darmschleimhaut schlechter oder gar nicht auf. Dazu zählen Eisen, Folsäure, Calcium, Vitamin D oder Vitamin K“, erklärt Dr. Elke Arms. Weitere Symptome wie trockene, spröde Haut oder Blutarmut durch Eisenmangel sind die Folgen. Auch kann eine Unverträglichkeit für Milchzucker (Lactose) hinzukommen. Die Erkrankung verläuft sehr unterschiedlich. Manchmal sind die Symptome unspezifisch, weshalb Betroffene nicht sofort an eine Zöliakie denken.

Mit einer Zöliakie leben

Bei der Diagnose von Zöliakie ist eine Antikörperbestimmung hilfreich. Der Arzt setzt sie vor allem für die Erstdiagnose bei Verdacht auf Zöliakie ein. Um die Erkrankung zu bestätigen, muss die Erstdiagnose in jedem Fall durch eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm mit Hilfe einer Dünndarmbiopsie gesichert werden. „Steht die ärztliche Diagnose fest, streichen Betroffene glutenhaltige Lebensmittel von ihrem Speiseplan. Die Darmzotten bauen sich dadurch wieder auf. Allerdings bewirken bereits kleinste Mengen Gluten einen Rückfall“, so Dr. Elke Arms. Patienten besprechen die Details der Therapie mit ihrem Arzt, da sie an den jeweiligen Einzelfall angepasst wird. Allgemein gilt Vorsicht bei Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste sowie daraus hergestellten Produkten wie Brot und Nudeln.

„Glutenfreie Getreidearten wie Mais, Hirse, Buchweizen und Reis vertragen Zöliakie-Patienten gut. Auch auf Hafer und die daraus hergestellten Produkte braucht man bei einer glutenfreien Diät nicht zu verzichten, wenn keine Beschwerden oder Symptome beim Verzehr auftreten“, rät die Ernährungswissenschaftlerin des Nestlé Ernährungsstudios. Gemüse, Kartoffeln, Obst, Fleisch, Fisch und Ei sind uneingeschränkt geeignet. An Milch oder Milchprodukte tasten sich Betroffene heran und prüfen, ob sie diese vertragen. „Bei verarbeiteten Lebensmitteln behalten Patienten unbedingt die Zutatenliste im Blick. Hersteller bieten auf Nachfrage häufig Informationen an, welche Produkte sie ohne Glutenproduzieren“, so Dr. Elke Arms. Für glutenempfindliche Menschen gibt es zusätzlich im Handel diätetische Lebensmittel, die „glutenfrei“ hergestellt werden. Sie sind an einer durchgestrichenen Weizenähre oder am Aufdruck „glutenfrei“ erkennbar.

Weizenallergie und Glutensensitivität

Neben der Zöliakie kann eine Unverträglichkeit, die sich gegenüber Weizen und anderen Getreidesorten zeigt, noch weitere Ursachen haben. Eine Weizenallergie liegt dann vor, wenn das Immunsystem auf Weizeneiweiße wie Weizen-Albumin oder -Globulin reagiert. Auch in diesem Fall dürfen Weizenprodukte, normalerweise auch Dinkel, Grünkern und andere verwandte Getreidesorten nicht verzehrt werden. Eine weitere Form der Glutensensitivität ist die Weizensensitivität. Bei dieser Erkrankung reagiert der Körper auf den natürlichen Insektenabwehrstoff Amylase-Trypsin-Inhibitor, der in widerstandsfähigen Weizenarten enthalten ist. Die Weizensensitivität ist weder eine allergische Reaktion noch zerstört sie die Darmschleimhaut. Es handelt sich um eine Antwort des angeborenen Immunsystems, welche vorhandene Entzündungen beispielsweise von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen verstärkt und beschleunigt.

Hat Ihnen der Beitrag geholfen? Behalten Sie ihn nicht für sich !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.