bereits zum dritten mal in folge rangiert der freistaat auf platz 1 beim bildungmonitor. kultusminister roland wöller zeigt sich zufrieden mit den ergebnissen der studie.
"wir sind sehr zufrieden mit den ergebnissen dieser studie. der aktuelle bildungsmonitor zeigt, dass wir auf dem richtigen weg sind und in sachsen nachhaltige bildungspolitik betrieben wird, die von unseren lehrern an den schulen hervorragend umgesetzt wird. dafür nochmals allen pädagogen im land vielen dank", so wöller.
besonders herausragend in sachsen ist die ausbildungsquote in den naturwissenschaftlichen fächern. ausserdem ist die betreuungssituation in sachsen sehr gut und der ausgleich von lernschwächen wird bestmöglich gefördert. in der begründung heisst es weiter, dass sich der freistaat durch eine weit überdurchschnittliche schulqualität auszeichne und die soziale herkunft der schüler für gute lernleistungen nur eine geringe rolle spiele. im nationalen vergleich überzeugte vorallem die gute ganztagsinfrastruktur. so besuchten im jahr 2006 zwei drittel der grundschüler eine öffentliche ganztagsschule (bundesdurchschnitt: 12,8 prozent).
ausruhen dürfe man sich aber jetzt nicht, denn der erste platz sei kein "ruhekissen, sondern eine große verpflichtung. politik, schule und eltern müssen nun gemeinsam weiter daran arbeiten, den bildungsstandort sachsen zukunftsfähig zu gestalten", sagte der minister weiter.
die größten fortschritte konnten die bundesländer beim unterricht von fremdsprachen und der internationalen ausrichtung der hochschulen erzielen. die größten defizite liegen bei der ausbildung von ingenieuren und der ganztagsbetreuung der schüler. die studie wurde bereits zum fünften mal erstellt.
unterdessen wurde auch generelle kritik an der studie laut. aus sicht des spd-fraktionschefs martin dulig ist das ranking mit vorsicht zu geniessen. ein derartiges ranking kann keine analyse eines schulsystems ersetzen. für die linke stellt die studie lediglich eine "kuriositätensammlung dar. sie fordert weiter die flächendeckende einführung von gemeinschaftsschulen. auch die lehrergewerkschaft gew bezweifelt die aussagekraft des rankings, "die studie habe erhebliche schwächen". dabei stellten die kritiker die richtigkeit der basisdaten keineswegs in frage sondern lediglich die daraus abgeleiteten ergebnisse und bewertungen.
zum hintergrund: der bildungsmonitor wird vom institut der deutschen wirtschaft für die initiative neue soziale marktwirtschaft erstellt. die studie geht der frage nach, welcher bildungspolitischer handlungsbedarf besteht, um die bedingungen für das wirtschaftswachstum zu verbessern. dabei vergleicht das institut die bildungssysteme der 16 bundesländer anhand von mehr als 100 kriterien. so werden beispielsweise die schulqualität, die betreuungsbedingungen und die zahl der schulabbrecher verglichen. die zahlen stammen überwiegend von den statistischen landesämtern.
wie sieht es bei unseren nachbarn aus?
thüringen ist auch mit vorn dabei. unserem nachbarn thüringen bescheinigen die forscher eine deutliche verbesserung. im vergleich aller bundesländer lag thüringen mit 4.800 euro pro grundschüler bei den bildungsausgaben auf dem dritten rang. das ganztagsangebot ist hier bundesweit einmalig.
sachsen-anhalt konnte sich immerhin in die riege der zehn besten bundesländer vorarbeiten. besonders lobt die studie die geringe zahl der sitzenbleiber. bei den aufwendungen für bildung hat sich sachsen-anhalt am stärksten verbessert. die ausgaben pro schüler sind in den grundschulen mit 5.100 euro im jahr 2005 die höchsten in deutschland.
aus einer anderen studie, die der deutsche gewerkschaftsbund präsentierte, geht hervor, dass das deutsche bildungssystem chronisch unterfinanziert ist und derzeit rund 30 milliarden euro fehlen. geld, was eigentlich in kindertagesstätten, schulen, universitäten und in die weiterbildung fliessen müsste. dbg-vorstandsmitglied claus matecki sagte: "bei der bildung gibt es zur öffentlichen hand keine alternative. der markt alleine ist zu einem solchen kraftakt nicht in der lage." mit blick auf den bildungsgipfel von bund und ländern, den die bundeskanzlerin angela merkel (cdu) für oktober einberufen hat, verlangen dgb und gew eine nationale bildungsstrategie und mehr gemeinsame investitionen von bund und ländern. auch der verband bildung und erziehung (vbe) kritisiert das "ständige scharmützel um zuständigkeiten" und rief bund und länder zu "konstruktiver zusammenarbeit" auf.
unterdessen hat der sächsische cdu-landesvorstand ein "schulpolitisches grundsatzpapier" beschlossen. "deutschland wird einen bildungsherbst erleben", erklärt cdu-generalsekretär michael kretschmer und zielt damit auf die neuen ergebnisse der pisa-studie im november, die aktuelle bildungsreise der bundeskanzlerin und den bildungsgipfel im oktober ab. im vorfeld der landtagswahl in sachsen stellt die cdu nun ihr "schulpolitisches grundsatzpapier" vor.
für die zukunft stellt sich die cdu sogenannte bildungshäuser vor, häuser in denen kindertagesstätte und grundschule unter einem dach enger kooperieren und kinder im alter von drei bis zehn gemeinsam aufwachsen und lernen können. dem drohenden lehrermangel in sachsen will die cdu mit einstellungszusagen an lehramtsstudenten und stipendien begegnen. "wir müssen heute vorsorge für die zeit in fünf oder zehn jahren treffen", sagte kultusminister roland wöller. veränderungen soll es aber auch in den kommunen geben, so kann sich die cdu durchaus vorstellen, dass die rathäuser künftig einen stimmberechtigten sitz in der schulkonferenz erhalten und den schulen ein jahresbudget bereitstellen.
veröffentlicht: Antje K. -- Mittwoch, 27. August 2008; 18:10:23 Uhr