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jedes kind hat ein recht auf gewaltfreie erziehung Diesen Text vorlesen lassen

schwestereine gewaltfreie erziehung ist dann gegeben, wenn körperliche bestrafungen, seelische verletzungen und andere entwürdigende massnahmen nicht teil der erziehung sind. auch eine ohrfeige kann das kind schon als seelische strafe empfinden. stellen sie sich doch einfach mal vor, sie müssten von einem menschen, den sie bis dahin als liebenswerten und netten menschen empfunden haben, eine ohrfeige einstecken.
 
sich in die seelische verfassung des kindes hineinzuversetzen gelingt am ehesten, wenn man sich mal vorstellt selber diese situation erleben zu müssen. selbst ständig gesagt zu bekommen "du bist zu dumm" oder "das schaffst du eh nicht" wenn sich manche eltern die frage stellen würden wie sie reagieren würden, wenn sie stundenlang allein in einem abgedunkelten raum ausharren zu müssten, bräuchte manches kind diese oder ähnliche entwürdigende massnahmen nicht erleben.

kinder loten ihre grenzen aus und stellen uns als eltern auf immer neue geduldsproben. selbst ein baby kann manchmal durch stundenlanges unaufhaltsames weinen oder schreien seine eltern bis an die grenzen der belastbarkeit bringen. ist diese phase dann erstmal überstanden, fängt es an zu bocken, als schulkind fordert oder streikt es und als jugendlicher rebelliert es sowieso gegen alles und jeden.

wenn hoffnungen und erwartungen zweier so unterschiedlicher parteien aufeinandertreffen und die enttäuschungen zunehmen, sieht manchmal einer der beiden "kontrahenten" keinen anderen ausweg um dem anderen seine grenzen aufzuzeigen als den schritt in die gewalt. da werden babys angeschrien, allein in einen anderen raum gelegt oder so lange geschüttelt bis sie ruhe geben. letzteres kann zu einem schütteltraume bis hin zu lebensbedrohlichen verletzungen führen. bei einem kleinkind rutscht den genervten eltern schon mal die hand zu einer ohrfeige oder es hagelt schläge. gleiches erleben unmotivierte oder streikende schulkinder. und rebellierende jugendliche erfahren unverständnis, demütigung oder nichtbeachtung durch die eltern.

inmitten so mancher konfliktsituation scheint es keinen ausweg zu geben, eine gewaltfreie lösung ist kaum vorstellbar und doch geht es auch ohne. das beweisen täglich unzählige eltern und erzieher, welche auch ohne die anwendung von gewalt jeglichen ausmaßes auskommen.

"sanfte methoden" der erziehung sind erlernbar. grundlage ist die anerkennung und achtung des kindes als eigenständige und einzigartige persönlichkeit. die chance sich als kind selbst zu erleben, selbst erfahrungen zu machen und erkenntnisse zu ziehen und somit den weg aus der elterlichen abhängigkeit selbst zu finden, sollte keinem kind genommen werden. während dieser zeit sollten eltern verantwortungsbewußt und unterstützend zur seite stehen und bei bedarf hilfe und begleitung anbieten.

ein erster schritt auf dem weg zur gewaltfreien erziehung ist das erkennen der eigenen belastungsgrenze und damit einhergehend das finden und zulassen von entlastungen durch den partner oder durch freunde und nachbarn. fragen sie sich wann sie ihr kind anbrüllen, schlagen oder auch "nur" ungerecht behandeln. suchen sie sich personen, denen sie vertrauen und mit denen sie sich über ihre situation austauschen können. tauschen sie ihre erfahrungen mit anderen eltern aus.

individuelle beratungen werden von kinderschutzeinrichtungen, erziehungsberatungsstellen oder vom jugendamt angeboten. diese stellen sind verpflichtet, eltern in notsituationen zu helfen und ihnen beim lösen der probleme zu helfen. der deutsche kinderschutzbund bietet beispielsweise unter dem thema "starke eltern -starke kinder" elternkurse an. deren ziel ist die festigung der erzieherischen kompetenz der eltern, die stärkung des selbstvertrauens der erziehenden und die verbesserung der kommunikationsfähigkeit innerhalb der familie.

für eltern, welche sich nicht persönlich an eine beratungsstelle wenden möchten, sondern ihr problem lieber anonym vortragen möchten, hat der kinderschutzbund ein elterntelefon eingerichtet. hier können sich eltern montags und mittwochs von 9.00 bis 11.00 uhr und dienstags und donnerstags von 17.00 bis 19.00 uhr unter der rufnummer: 0800 111 0 550 beraten lassen.

eine frage, die sich mir schon lange stellt: brauchen wir als eltern einen führerschein, wo man alles wichtige zur kindererziehung im rundumschlag beigebracht bekommt oder sollten wir es ähnlich wie in südengland handhaben? dort wird es am brighton college künftig ein neues pflichtfach geben: gutes benehmen. schülern ab 13 jahren wird dann einmal pro woche beigebracht, wie man sich bei tisch zu verhalten hat, hemden bügelt oder ein ei kocht. kurz, sie sollen "für das gesellschaftliche leben fit gemacht werden“, so direktor richard cairns.

vielleicht wäre es ratsam den kindern in der schule auch zu erklären, was alles dazu gehört, wenn man sich für ein kind entscheidet. neben der vermittlung von kenntnissen der naturwissenschaften oder der informationstechnologie sollte die vermittlung der grundlegenden bedürfnisse und der entwicklungspsychologischen erkenntnisse, sowie von pädagogischem basiswissen ein pflichfach für alle schüler sein. die stärkung der erziehungskompetenz junger eltern ist mindestens genau so wichtig, wie zu wissen, welches obst gesund, welche nahrungsmittel zu viel fett enthalten oder wieder satz des pythagoras lautet.

veröffentlicht: Antje K. -- Mittwoch, 11. Juni 2008; 20:40:03 Uhr


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