Zentrum-Südost
Marleen und Tobias düsen durch die Dreizimmerwohnung von Paul Franke. Im großen Wohnzimmer stehen ein Häuschen, Spielsachen jeglicher Art sowie eine Kinderrutsche. Die knapp zwei Jahre alte Marleen schnappt sich eines von zwei Kinderautos. Der eineinhalbjährige Tobias möchte das auch. Er geht auf sie zu und umklammert das Lenkrad. Franke weist Tobias im ruhigen Ton darauf hin, dass Marleen sich das Auto zuerst ausgesucht hat, er aber gern das zweite nehmen kann. Tobias dreht sich um, läuft zum anderen Auto und lacht. „Die Beiden sind zwei aufgeweckte und sehr liebe Kinder“, sagt Franke stolz. „Sie verstehen sich gut untereinander“, erzählt er.
Paul Franke ist 51 Jahre alt, hat keine eigenen Kinder, ist zurzeit Single und seit 2005 Tagesvater in Leipzig. „Ich weiß, ich passe eigentlich nicht in das Klischee“, sagt er schmunzelnd, „aber es funktioniert trotzdem.“ Von 9 bis 15 Uhr kümmert er sich um die Mahlzeiten, den Mittagsschlaf und die Freizeitbeschäftigung seiner Schützlinge. „Die Eltern geben meist für das zweite Frühstück etwas mit oder sagen, was ich beim Essen zu beachten habe“, berichtet er. „Mittags gibt es leichte Kost, zum Beispiel Reis, Gemüse, Kartoffeln oder Nudeln. Besonders achte ich darauf, dass die Kleinen genügend trinken.“ Wenn das Wetter es zulasse, gehen die Drei so oft wie möglich raus und auf die Kinderspielplätze in der Nähe. Aber auch Lesen, Malen und Musizieren stehen bei Franke auf dem Programm. Zwischen 12 und 14 Uhr wird Mittagsruhe gehalten.
Paul Franke charakterisiert sich selbst als ruhigen Typen mit starken Nerven. Bei Verwandten hat er mal auf die Kinder aufgepasst und es hat ihm Spaß gemacht. Zufällig bekam er 2004 dann einen Flyer des Stadtelternrates in die Hände. „Dort wurden Tagesmütter gesucht und ich wollte eben gern als Tagesvater die Kinder im Alter von 9 bis 22 Monaten betreuen.“ Gesagt, getan. Er absolvierte eine Ausbildung, suchte sich die passende Wohnung und durchlief ein Praktikum bei einer Tagesmutter. Seit Juli 2005 hat er nun die Genehmigung durch das Jugendamt und ist staatlich zertifizierter und jugendamtlich beglaubigter Tagesvater.
Bis Ende 2006 hatte Franke fünf Kinder auf einmal betreut. Jetzt hat er sie auf drei reduziert. „Mit fünf Kindern ist es schon ziemlich schwer alle zeitgleich im Auge zu behalten und jedem die nötige Aufmerksamkeit zu schenken“, gibt er zu. Schließlich habe er eine pädagogische Aufgabe: Seine Schützlinge sollen etwas lernen, sich weiter entwickeln und für den Kindergarten vorbereitet werden. Außerdem entwickelt sich mit der Zeit auch eine emotionale Bindung und „es tut mir immer weh, wenn die Kleinen gehen müssen“.
Nannette Hoffmann
http://www.familienkatalog-leipzig.de (eingeloggt | mit freien/belegten Plätzen)
veröffentlicht: root -- Freitag, 26. März 2010; 23:18:03 Uhr