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kinderschutzbund zur geplanten früherkennungsstelle in sachsen-anhalt Diesen Text vorlesen lassen

gummistiefeldie landesregierung sachsen-anhalts hat einen neuen gesetzentwurf zum besseren schutz von kindern vorgestellt. dieser beinhaltet unter anderem die einrichtung einer früherkennungsstelle, welche direkt mit den kinderärzten zusammenarbeiten soll.
 
bei der früherkennungsstelle sollen alle ärztlichen meldungen über vorsorgeuntersuchungen für kinder zwischen dem dritten lebensmonat und fünfeinhalb jahren zusammengefasst werden. die zentrale stelle wird beim landesamt für verbraucherschutz eingerichtet. bei nichtwahrnehmung von vorsorgeuntersuchungensollen eltern schriftlich gebeten werden, diese nachzuholen. wenn dies nicht erfolgt, darf das jugendamt unangemeldet besuche durchführen.

sozialministerin dr. gerlinde kuppe betonte: "wir wollen eltern nicht stigmatisieren. aber in verantwortung für das wohlergehen des kindes wollen wir genau hinschauen und konkret nachfragen: steckt hinter einem versäumten untersuchungstermin allein eine nachlässigkeit, oder gibt es anzeichen für vernachlässigung? wir wollen jene fälle aufdecken, in denen die verweigerung der ärztlichen untersuchung mit einer vernachlässigung der kinder einhergeht."

künftig sollen auch bei der anmeldung der kinder in einer tagesstätte nachweise über erfolgte früherkennungsuntersuchungen verlangt werden, um eltern frühzeitig hilfen anbieten zu können.

der deutsche kinderschutzbund bewertete unterdessen den gesetzentwurf eher zurückhaltend. der präsident des deutschen kinderschutzbundes sagte, dass die geplanten verbindlichen vorsorgeuntersuchungen weder vernachlässigungen noch misshandlungen von kindern verhindern könnten. die untersuchungen sind zwar wichtig, um gesundheitliche beeinträchtigungen frühzeitig erkennen zu können, aber psychische auffälligkeiten könnten dabei nur schwer aufgedeckt werden.

auch die fdp bewertet den entwurf skeptisch und fordert die regierung vielmehr dazu auf, die erzieher verstärkt zu qualifizieren und die jugendämter personell aufzustocken.

der deutsche kinderschutzbund schlug, ähnlich wie das in leipzig bereits in angriff genommene netzwerk für kinderschutz, eine vernetzung aller in der familie- und sozialhilfe tätigen ämter und institutionen vor.

die stadt leipzig beteiligt sich als einer von fünf modellstandorten in sachsen am projekt "netzwerke für kinderschutz". das landesprojekt will das gesunde körperliche, geistige und seelische aufwachsen von kindern fördern und zu einem effektiven schutz des kindeswohls beitragen. allerdings haben es die mitarbeiter der jugendämter nicht leicht, so der leipziger jugendamtsleiter dr. siegfried haller. sie müssen zwischen zu frühem eingreifen und eventueller gefährdung der erziehungsautonomie der eltern und eventuell schon zu spätem eingreifen entscheiden. "das netzwerk soll die handlungssicherheit aller akteure im system früher hilfen fordern und fördern."

kernziele des leipziger netzwerks für kinderschutz sind:

  • aufbau eines standardisierten informationssystems zwischen den netzwerkpartnern zur absicherung der schnellstmöglichen hilfe im risiko- bzw. gefährdungsfall,
  • aufbau einer vernetzten datenbank zwischen allen netzwerkpartnern,
  • aus- und aufbau sowie sicherung einrichtungsinterner verfahrensstandards zum umgang mit kindeswohlgefährdung,
  • sicherung, aus- und aufbau geeigneter hilfeangebote für mütter und familien sowie kinder im frühpräventiven bereich,
  • weitere qualifizierung des fachpersonals der netzwerkpartner zum thema kindeswohlgefährdung.


veröffentlicht: Antje K. -- Donnerstag, 08. Mai 2008; 14:38:27 Uhr


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