die chancen, risiken und nebenwirkungen des dreigliedrigen schulsystems werden schon seit jahren heiß diskutiert. dabei geht es nicht so sehr um die quantität sondern vor allem um die qualität.
nun bricht berlin aus dem reigen aus und beschließt kurzerhand, die hauptschulen abzuschaffen. damit sind in zukunft nur noch gymnasien und realschulen als schularten vorhanden.
des einen fluch, des anderen segen - meint steffen zillich, bildungspolitische sprecher der fraktion der linken, und sagt: das stigma "du bist hauptschüler" werde es nicht mehr geben. die benachteiligung von sozialschwachen schülern soll somit aufgehoben werden.
der kern ist eine neue schulstruktur: nach klasse 6 haben die schüler nur noch die wahl zwischen zwei schulformen - an der sekundarschule können sie die abschlüsse der haupt- und realschule sowie nach 13 jahren das abitur machen, am gymnasium nach klasse 12. die probezeit an gymnasien wird von einem halben auf ein jahr verlängert.
aber bringt das wirklich punkte?
selbst die parteien in berlin waren sich mehr als uneinig. die berliner grünen enthielten sich bei der abstimmung am unter anderem weil auf gymnasien das sitzenbleiben erhalten bleibt. fdp und cdu stimmten dagegen. sie kritisieren, dass das gymnasium durch die neuregelung der schulzuweisung geschwächt werde und die reform nicht solide vorbereitet sei.
es ist kaum klar und absehbar, ob die bloße strukturänderung langfristig bessere erfolge erzielt. solange nicht die qualität des angebots und die vielfalt der staatlichen schulen steigt sowie eine profilierung und gezielte öffentlichkeitsarbeit stattfindet, wird wohl auch so eine strukturreform nur begrenzt erfolge erzielen. sei es nun nach klasse 4, 6 oder 8 - das konzept der schule muss im mittelpunkt stehen. eltern sowie kinder müssen aufgeklärt und informiert werden. das wort karriere- und lebensplanung nimmt zwar im zusammenhang mit den kiddies keiner gern in den mund aber trotzdem steckt ja nichts anders inhaltlich dahinter. so wie das system an sich ist, werden die wege der kinder und jugendlichen stark beeinflusst. quereinstiege sind schwer und auch später in der berufsausbildung entscheidet die qualifikation und die noten über den weiteren werdegang.
die wahl nach konzept der schule und nicht nach wohnortnähe würde einen großteil der probleme lösen. die kinder hätten trotz längerer fahrwege durch aus die möglichkeit entsprechend ihren stärken und neigungen gebildet zu werden.
veröffentlicht: root -- Sonntag, 17. Januar 2010; 13:30:11 Uhr