in sachsen wurden am vergangenen wochenende rund 30.000 erstklässler eingeschult. zu schulbeginn ruft innenminister buttolo die autofahrer zu mehr vorsicht im strassenverkehr auf.
vor allem betrifft dies die strassen vor schulen, bus- bzw. strassenbahnhaltestellen und wohngebiete. um besser im strassenverkehr erkannt zu werden, tragen die abc-schützen wie schon in den vergangenen jahren wieder gelbe mützen.
vor dem hintergrund der geschehnisse in leipzig und der noch andauernden fieberhaften suche nach dem mörder der kleinen michelle hat sich auch der polizeipräsident leipzigs mit einem brief an die eltern und familien der kinder gewandt, welche seit heute wieder in die schule gehen. den wortlaut des briefes können sie im anschluss nachlesen.
unterdessen warnt achibert meiburg von der erziehungs- und familienberatung caritas vor hysterie. der schulweg sei nicht trainierbar. "kinder sollten möglichst nicht allein gehen, sondern in gruppen oder mindestens zu zweit", rät meiburg. ausserdem plädiert er für einen notfallplan. hierin sollten die eltern gemeinsam mit dem kind den verlauf des schulweges vereinbaren und öffentliche gebäude, wie tankstellen oder geschäfte auflisten, wo die kinder im bedarfsfall hilfe holen können.
für die 4.000 leipziger schulanfänger wurde in diesem jahr ein spezieller schulwegplan ausgearbeitet, mit den optimalsten und sichersten routen für die jeweiligen schulen. dieser wurde den schülern gemeinsam mit dem elternbrief, den schulanfängermützen und verkehrsmalbüchern wenige tage vor schulstart übergeben. "es ist natürlich immer eine empfehlung gemäß den richtlinien für einen sicheren schulweg“, sagt uwe schöber von der leipziger schulbehörde.
elternbrief des polizeipräsidenten:
"Liebe Eltern,
Die Schule hat begonnen. Unsere Kinder gehen nun wieder oder vielleicht zum ersten Mal zur Schule. Die für uns alle unfassbare Nachricht vom Tod der 8-jährigen Michelle hat sie und uns zutiefst verunsichert. Auch wir sind Familienväter, auch wir haben Angst um unsere Kinder. Jeder von uns hätte von diesem grauenhaften Ereignis betroffen sein können.
Nicht jeder von uns kann seine Kinder täglich zur Schule bringen oder von dort abholen. Es sollen selbstständige Menschen aus ihnen werden, weshalb eine Betreuung rund um die Uhr weder machbar noch angebracht erscheint. Dennoch können wir als Eltern den Schutz unserer Kinder, unserer Zukunft, erhöhen.
Täter versuchen immer wieder, sich das Vertrauen der arglosen Kinder zu erschleichen. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen einige Empfehlungen geben, die zumindest diese latente Gefahr minimieren helfen.
* Wir müssen mit unseren Kindern über das Verschwinden der kleinen Michelle sprechen, in welcher Form und bei welcher Gelegenheit, wissen Sie als Eltern am besten einzuschätzen.
* Bitte sensibilisieren Sie Ihre Kinder! Falsche Versprechungen, vermeintlich harmloses Nachfragen aus einem Auto, Geschenke, Süßigkeiten, niedliche Tiere in der Nähe oder ähnliches nutzen die Täter, um Kontakt zu ihren Opfern aufzubauen.
* Prägen Sie Ihren Kindern ein, sich nicht auf Versprechungen einzulassen, keine Geschenke anzunehmen und den Aussagen von Fremden keinen Glauben zu schenken.
* Sofern sie Ihre Kinder aus einem Fahrzeug nach dem Weg gefragt werden, sollten sie nicht an dieses herantreten, sondern weiterlaufen.
* Bitte sprechen Sie mit Ihren Kindern, dass Täter auch den Vorwand nutzen, Mutti und Vati seien verunglückt und der Unbekannte müsse sie zu ihnen bringen!
* Schärfen Sie ihren Kindern ein, sich durch Schreien, Hilferufe, Beißen, Treten oder Kratzen zur Wehr zu setzen und auf sich aufmerksam zu machen!
* Wir bitten Sie, sich vom Schulweg berichten zu lassen. Gab es Auffälligkeiten? Wurden Sie von Fremden angesprochen oder beobachtet? Sind Ihre Kinder verspätet von der Schule heimgekehrt? Bitte gehen Sie diesen Hinweisen nach!
* Achten Sie auf Verhaltensänderungen bei Ihren Kindern! Auch plötzliche Geheimnisse vor Mutti und Vati können ein Verdachtsmoment sein. Täter vereinbaren oftmals Stillschweigen mit ihren Opfern.
* Lassen Sie Ihre Kinder in Gruppen den Schulweg zurücklegen!
Übungen mit den Kindern zu den beschriebenen Situationen können hilfreich sein, deshalb bitten wir Sie, nutzen Sie die Gelegenheit, um in Rollenspielen, im persönlichen Gespräch oder in passenden Momenten auf diese so wichtigen Punkte einzugehen.
Wir können Ihnen heute die Frage, warum und durch wen Michelle sterben musste, noch nicht beantworten. Seien Sie versichert, dass unsere Kollegen alle erdenklichen Anstrengungen unternehmen, dem Täter habhaft zu werden. Er soll seiner gerechten Strafe nicht entkommen, wenn es eine solche geben kann.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Bernd Merbitz
Landespolizeipräsident
Ihr
Horst Wawrzynski
Polizeipräsident"
veröffentlicht: Antje K. -- Montag, 25. August 2008; 12:16:35 Uhr