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Gewalt

mitte dieser woche kamen in der bergakademie freiberg 200 experten zum erfahrungsaustausch zusammen. mit dabei waren vereine, verbände und institutionen, die in ihrer arbeit mit dem thema der häuslichen gewalt konfrontiert sind.

 

 

im letzten jahr wurden in sachsen 1790 fälle häuslicher gewalt gezählt, wobei die dunkelziffer um ein vielfaches höher sein dürfte. häusliche gewalt hat viele gesichter, insbesondere tritt sie als als physische, psychische und sexualisierte gewalt gegenüber personen, die in persönlicher, insbesondere familiärer beziehung zum täter stehen oder gestanden haben, in erscheinung.

landespolizeipräsident bernd merbitz hob hervor, dass der schutz des kindeswohls alle angeht und nicht alleinige aufgabe der polizei sei. er fordert abgestimmte handlungsstrategien zwischen allen beteiligten. für eine erfolgreiche kooperation zum schutz der kinder ist die fähigkeit der unterschiedlichen berufsgruppen, aufeinander zu zugehen, eine grundvoraussetzung. so müssen die freien träger im bereich der jugendhilfe und des gewaltschutzes, frauenhausmitarbeiterinnen, familienverbände, kommunale jugendämter und gleichstellungsbeauftragte, polizei, bildungsagenturen und schulpsychologen, multiplikatoren des landesprojektes "netzwerke für kinderschutz sachsen" und nicht zuletzt vertreter der sächsischen staatsministerien noch enger miteinander verknüpft werden.

bereits seit fünf jahren gibt es den lenkungsausschuss zur bekämpfung häuslicher gewalt. opferschutzbeauftrage sind mittlerweile in allen polizeidirektionen tätig und das thema häusliche gewalt ist fester bestandteil der polizeilichen aus- und weiterbildung.

auch unter der führung der familienministerin christine clauß bleibt der schutz von kindern vor misshandlung und gewalt weiterhin ein schwerpunkt der staatsregierung. "grundlage dafür ist das sächsische handlungskonzept für präventiven kinderschutz, das eine vielzahl verschiedener maßnahmen insbesondere zur stärkung der arbeit vor ort umfasst.“ dazu zählt unter anderem die finanzierung von koordinatoren für kinderschutz in jedem landkreis und jeder kreisfreien stadt, welche beim aufbau von netzwerken zur frühwarnung helfen sowie die direkte förderung der aufsuchenden arbeit der jugendämter.

teil des handlungskonzeptes ist die teilnahme sachsens am bundesmodellprojekt "pro kind". das konzept basiert auf dem in den usa bereits seit 30 jahren erfolgreichen hausbesuchsprogramm "nurse family partnership". zur frühen förderung werden erstgebährende, in finanzieller und sozialer hinsicht benachteiligte frauen und ihre familien durch "nurses" (in deutschland ähnlich der familiengesundheitsschwester) betreut und unterstützt. bereits vor der geburt machen sie hausbesuche bei den frauen und führen diese bis zum zweiten geburtstag des kindes fort.

in deutschland begleiten hebammen oder sozialpädagogische fachkräfte derzeit bis zu einhundert schwangere, erstgebärende frauen in besonderen belastungssituationen bis zum zweiten geburtstag ihres kindes intensiv. alle teilnehmerinnen bekommen die fahrtkosten zum kinderarzt bezahlt und erhalten infomaterial und tipps zur förderung ihres kindes.

bislang stößt das projekt bei den betroffenen frauen aber nur auf geringe resonanz. frauen, denen das projekt helfen könnte, wissen entweder nichts darüber oder sie interessieren sich schlichtweg nicht dafür. "wir suchen noch weitere interessierte mütter", sagte margot refle, leiterin des felsenweg-instituts der karl kübel stiftung in dresden, die das mit 2,5 millionen euro geförderte vierjährige projekt betreut. "die familienbegleiterinnen besprechen mit den frauen nicht nur, wie die kinder gesund aufwachsen und wie man die wohnung kinderfreundlich gestaltet", warb refle dabei noch einmal eindringlich für das konzept, "sondern auch, wie man die elternrolle ausfüllt und wo man sich hilfen holen kann. und wie man trotz des kindes das berufsleben nicht aus den augen verliert." interessierte können sich direkt beim felsenweginstitut in dresden (pro-kind-handy-nummer 0160/97894122) melden.

ein weiterer baustein zum schutz des kindeswohls in sachsen ist der in kürze startende dritte teil der öffentlichkeitskampagne "stoppt gewalt gegen kinder!“ mit anzeigen in zeitungen und im öffentlichen personennahverkehr. "das sächsische handlungskonzept für präventiven kinderschutz“, so die ministerin abschließend, "ist eben mehr als die initiierung lokal begrenzter und befristeter modellprojekte; es hat die nachhaltige stärkung der kinderschutzarbeit in ganz sachsen zum ziel.“

das "sächsische handlungskonzept für präventiven kinderschutz“ kann unter der adresse www.publikationen.sachsen.de bestellt oder herunter geladen werden.


terminhinweis: am 08.10.2008 findet in reichenbach/vogtlandkreis die 1. fachtagung im rahmen des landesprojektes "netzwerke für kinderschutz - pro kind sachsen" unter dem titel "auf den anfang kommt es an!" statt.



veröffentlicht: Antje K. -- Freitag, 29. August 2008; 22:23:52 Uhr


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