das alte schuljahr geht zu ende und in den meisten fällen ist die entscheidung, welche schule für welches kind schon getroffen.
gerade an den bildungsübergängen scheint es, dass die trennung von "spreu und weizen" mit allen mitteln durchgeführt wird. auch, wenn die bildungsempfehlung einen klaren wert enthält, ist das bei weitem nicht der garant für die schule oder gar das konzept seiner wahl.
viele kinder geraten in die mühlen des schulsystems und viele eltern werden mit bescheiden und beschlüssen mürbe gemacht. die entscheidung förder-, grund- und mittelschule oder gymnasium passiert in den seltensten fällen so wie es im schulgesetz steht.
ein blick auf das klassenfoto aus der 1. klasse bringt mich jetzt nach 4 jahren zum grübeln. da sehe ich 20 glücklich strahlende kinder mit großen zuckertüten und einem schulranzen, die stolz drauf sind in die ortsansässige grundschule eingeschult worden zu sein. ich erinnere mich noch genau an die hoffnungsvollen gespräche, die elternabende im schulvorbereitungsjahr, die beruhigenden worte der pädagogen und die vielen, vielen versprechungen. wie bei der wahl hätte man sich hier schon die taschen lieber zu nähen sollen.
alle kinder kamen aus den 5 umliegenden kindergärten. alle kinder waren durch den sächsichen bildungsplan (optimal) auf die schule vorbereitet, hatten schon mal englisch oder musikalische früherziehung genossen, plapperten wild und aufgeregt durcheinander und ließen stolze mütter, väter und bekannte an der großen schultreppe zurück.
bereits nach dem ersten halben jahr forderte die schule ihren tribut. der eine konnte/wollte sich nicht so richtig anpassen, einige inselbegabte kinder langweilten sich offenkundig im unterricht und entwickelten das syndrom der chronischen unordnung sowie des störens und das sogenannte leistungsniveau der klasse klafft weit auseinander. die pädagogen beruhigen die eltern der kinder erneut und geben an, dass das ganz normal ist.
zum jahresende der 1. klasse gibt es 3 kinder, die spontan zur anpassung an die schule noch ein jahr länger in der 1. klasse verbringen. der größte teil der schülerInnen pegelt im mittelfeld bei 3 und 5 einsame spitzenreiter powern sich gegenseitig hoch. am ende der 2. klasse steht fest, dass mehr als 6 schülerInnen eine schule mit besonderen förderbedarf besuchen werden. die klassenzahl von einst 26 sinkt drastig nach unten. diagnosen, wie dyskalkulie, adhs und lese-rechtschreibschwäche machen die runde.
mitte der 3. klasse ist von den einst wissbegierigen schülerInnen fast nichts mehr übrig. schulfrust statt schullust macht sich breit. die tierische vorfreude auf die ferien beginnt nun schon am jeweiligen ferienende. der notendurchschnitt der klasse liegt sicher noch auf der richterskala im grünen bereich - jedoch motivierte schülerInnen sehen anders aus.
der anstehende schulwechsel führt bei vielen eltern trotz nicht wohnortgebundener auswahl an die nächstgelegene mittelschule oder gymnasium. auswahl nach neigungen und konzeption scheint bis auf freie schulen aussichtslos und manche bekommen von allen 3 wahlschulen eine absage. die zuweisung erfolgt hier dann unter berücksichtigung der schülerzahlen oder/und wohnortnah - das sucht man sich eben aus, wie es passt - auf jeden fall aber nicht nach den profilen, die laut bildungsempfehlung wohl den neigungen der schülerInnen entsprechen würden. an einigen schulen werden die plätze wirklich ausgelost.
bei zuweisung zu schulen mit sonderpädagogischen förderbedarf sieht es genau so schwierig aus. eltern sind und werden schlichtweg zuwenig und falsch informiert und irren zwischen diagnose, schulpsychologe und dem eigenen bauchgefühl hin und her. tragen sie doch mal ihr anliegen vor - heißt das in der amtssprache!
...was im kita-segement unter dem namen frühkindliche bildung hoffnungsvoll beginnt, wird für viele kinder und eltern in den ersten vier schuljahren zum bildungsknick. klar ist, nicht alle kinder können im deutschen schulsystem entsprechend ihrer neigungen und begabungen gefördert werden. die 3-gliederung führt einfach dazu, dass an den entsprechenden bildungsübergängen schlichtweg der platz nicht ausreicht. da können manche gymnasien sich vor anmeldungen nicht retten und andere werden fast gar nicht frequentiert.
gerade zu müßig jetzt das bitten und vorgehen der eltern und bekannten. während zu beginn der schulzeit das kind zumindest noch im mittelpunkt stand, wirken jetzt die ohren der lehrerInnen, direktorInnen und sachbearbeiterInnen wie zugenäht.
ein artikel in der taz bringt hier nochmal eine andere sicht der dinge in den inhalt. so gibt es auch außerhalb von deutschland menschen, die die wirkung des dt. schulsystem kritisieren. gerade im punkt der schülerInnen mit sonderpädagogischen förderbedarf findet offenbar vermehrt eine separation statt. die eigentlich anstrebsame integrative beschulung bleibt gerade behinderten kindern oft verwehrt. fördern und fordern sagt man zwar und doch sieht es in der praxis anders aus. ganze 400000 schülerInnen - also 85% - lernen an speziellen schulen mit sonderpädagogischen förderbedarf. die unterteilung für körperlich oder geistig behinderte, taube, blinde sowie sogenannte lernbehinderte kinder findet in den förderschulen noch einmal statt.
veröffentlicht: root -- Sonntag, 28. Juni 2009; 22:04:28 Uhr
Kommentar von root am Sonntag, 28. Juni 2009; 22:38:10 Uhr
kommentar zu separation statt inclusion
"Lebenshilfe legt Positionspapier zur Schule für alle vor.Logo der Lebenshilfe
Marburg/Lahn (kobinet) Gemeinsames Leben von Menschen mit und ohne Behinderung braucht auch gemeinsames Lernen in der Schule. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung legte ein Positionspapier zur "Schulischen Bildung im Zeitalter der Inklusion" vor. Lebenshilfe-Experten wie Prof. Dr. Theo Klauß von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg diskutieren darin die Chancen und Risiken einer Schule für alle.
Zwar ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen seit 26. März 2009 nationales Recht, doch in Fragen inklusiver Bildung ist Deutschland im europäischen Vergleich trauriges Schlusslicht. So stagniert die Quote der Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung, die eine Regelschule besuchen, bundesweit seit mehreren Jahren auf einem Niveau um die 2,8 Prozent, heißt es in einer Presseinformation der Bundesvereinigung Lebenshilfe. Nun aber komme Bewegung in die deutsche Bildungspolitik. Die Chancen auf mehr Gemeinsamkeit in der Schule stehen besser als je zuvor. Baden-Württemberg wolle beispielsweise die Sonderschulpflicht aufheben.
Mit ihrem Positionspapier möchte sich die Lebenshilfe in konstruktiver Form an der bildungspolitischen Diskussion beteiligen. Es steht als Download im Internet unter www.inklusive-schule.de zur Verfügung. Auf dieser Webseite gibt es auch Informationen zu einer Lebenshilfe-Tagung mit dem Titel "Eine Schule für alle". Sie findet vom 12. bis 14. November in Frankfurt/Main statt."
Quelle: kobinet
http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,21206/ticket,g_a_s_t