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und fragen sie? was ist daran besonderes?
das kann ich ihnen sagen: das leben des herrn k. änderte sich dramatisch, als sein geschäft pleite machte. auf einmal war er wieder ganz am anfang. und mit akademischen titel, berufserfahrung und finanziellen altlasten begab er sich auf die suche nach einem neuen tätigkeitsfeld, um dem sozialen abstieg und damit hartz IV davonzulaufen. dabei halfen ihm vor allem seine familie und sein soziales netzwerk, welches in seinem wohnumfeld besonders durch die dörfliche atmosphäre geprägt ist. herr k. hat es über soziales engagemant geschafft. heute ist er wieder als unternehmer mit eigenem geschäft erfolgreich. finanziell könnte es besser laufen, aber immerhin ist er nicht mehr arbeitssuchend.
fall 2
frau w. ist alleinerziehend. sie lebt in einem für leipzig sozialkritischen ortsteil. sie hat eine 7-jährige tochter. monatlich erhält sie 558 € hartz IV. dazu bekommt sie 154 € kindergeld und 145 € unterhalt. frau w. größter wunsch ist es, einmal mit ihrer tochter in den urlaub zu fahren. da sparen nicht möglich ist, nutzt sie in ihrem stadtbezirk ein niedrigschwelliges angebot eines kirchlichen trägers zur beratung in notsituationen, um sich über unterstützungsmöglichkeiten für schulanfang und urlaub zu erkundigen.
leider gibt es 2 schlechte nachrichten:
für den schulanfang kann sie keine extra leistungen für ausstattung, feier und kleidung bei der arge beantragen und damit reicht es wie immer nur fürs nötigste. die heiß ersehnte feier fällt aus und statt ergonomisch geformten diddlemaus-schulranzen gibt es das preiswerte ersatzmodell vom discounter. und was den urlaub angeht, da scheint es besser zu klappen. 7 € pro person und tag zuschuss vom staat kann sie beantragen. aber leider ist es der beraterin nicht möglich für 15 € pro tag ein preiswertes angebot in sachsen zu finden. und selbst wenn sie ein angebot fände, reicht ihr geld für fahrtkosten und unternehmungen im urlaub nicht aus. frau w. ist bestürzt. sie hat leipzig seit dem jahr 2001 nicht mehr verlassen. eine arbeit zu finden ist schwer, weil sie die betreuung ihrer tochter besonders in den frühen abendstunden nicht abdecken kann. außerdem ist sie seit nunmehr 5 jahren zu haus. durch ihr kind bleibt sie für unternehmen in punkto möglicher ausfallzeiten ein unkalkulierbares wirtschaftliches risiko.
sind das die berühmeten einzelschicksale?
beeinflussen herkunft, elternhaus, ausrichtung, bildung und soziales umfeld nachhaltig unsere entwicklung? diese und andere fragen wurden im rahmen der gestrigen fes-veranstaltung zum thema "armutsrisiko kind?" durch ein kompetentes podium mit dem publikum gemeinsam diskutiert und beleuchtet. dabei stellte sich heraus, dass armut durchaus unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. sie ist für die einzelnen nicht kollektiv wahrnehmbar. armut grenzt aus, wird "generationsübergreifend", aber nicht genetisch vererbt und prägt von geburt an die lernbiografien der betroffenen.
da hören wir vom 6. kinderschutzforum, dass immer mehr kinder in deutschland verarmen. sie kommen ohne pausenbrot in die schule oder nehmen nicht an der schulspeisung teil. sie haben keinen zugang zu angeboten, wie sportgruppen und vereinen. sie sprechen kaum ihre muttersprache, wenn sie in die schule kommen. individuelle förderung ist für die eltern oft unbezahlbar und defizite lassen sich mit fortschreitendem alter immer schlechter beheben.
alarmierend ist dabei, dass 20 % der leipziger mittlerweile mangels arbeitsplatz direkt oder indirekt von finanzieller armut betroffen sind. dieses schicksal teilen sie mit ihren familienangehörigen. und es werden immer mehr. kinder landen nach einer durschnittlichen schulkarriere mit hauptschulabschluss auf der straße. sie kriegen selber kinder mit 13, 14 oder 15 um sich sozial abzusichern! und niemand hält sie davon ab, weil gerade beratungsstellen, ämter und behörden die betroffenen mit angeboten nicht erreichen oder nur 36 stunden in der woche arbeiten dürfen. anträge und formulare werden nicht verstanden, geld für fahrscheine ist nicht vorhanden und warte- bzw. bearbeitunsgzeiten sind unendlich lang.
alle diese komponenten führen dazu, dass sich menschen immer mehr ausgegrenzt fühlen und sich um ihren platz in der gesellschaft betrogen fühlen bzw. ihn erst gar nicht einnehmen können, weil ihnen die grundlegendsten qualifikationen fehlen.
aber was kann man denn tun?
besonders der frühkindlichen bildung wird in diesen tagen erhebliche beachtung geschenkt. wissenschaftler, pädagogen und eltern forderten unlängst, den schwerpunkt in der bildung, betreuung und erziehung auf die ersten lebensjahre zu lenken und eine umverteilung der mittel herbeizuführen. mit bildungsauftrag und bildungsplan sowie ganzheitlichen betreuungskonzepten sollen tagespflege, kindertagesstätte und schule weiter zusammenwachsen. das stimmt auch mit dem gestern gesagten von prof. dr. thomas fabian, jetziger sozialbürgermeister, überein. er stellte den anwesenden gästen, dass zusammenführen von jugendhilfe- und schule als die große aufgabe der nächsten 7 jahre vor.
kinder sollen lernen fürs leben und nicht lernen nach dem lehrplan. soziale kompetenz ist das a und o für das leben in unserer informationsgespickten welt. zugang zu computer, internet und sozialen netzwerken sind zwingend von anfang an nötig um benachteiligung, armut und gesellschaftliche ausgrenzung entgegen zu wirken.
es gibt immer hilfe - man muss nur wissen, wo man sich hinwenden bzw. danach suchen kann!
gestern abend sass ich als gast bei einer veranstaltung der friedrich-ebert-stiftung in leipzig. dort stellte man zum thema armut folgende biografien vor:
fall 1
herr k. ist 36 jahre, verheiratet und hat einen sohn, der eine schule für geistig und körperlich behinderte besucht. er hat sein abitur mit 2 bestanden, danach wirtschaftswissenschaften studiert und mit dem akademischen titel diplom-kaufmann bereits kurze zeit später sein eigenes geschäft eröffnet. er lebt in einem dorf 4 km von leipzig entfernt, in einer doppelhaushälfte, die eigentum seiner ehefrau ist und sichert den lebensunterhalt seiner familie. fall 1
und fragen sie? was ist daran besonderes?
das kann ich ihnen sagen: das leben des herrn k. änderte sich dramatisch, als sein geschäft pleite machte. auf einmal war er wieder ganz am anfang. und mit akademischen titel, berufserfahrung und finanziellen altlasten begab er sich auf die suche nach einem neuen tätigkeitsfeld, um dem sozialen abstieg und damit hartz IV davonzulaufen. dabei halfen ihm vor allem seine familie und sein soziales netzwerk, welches in seinem wohnumfeld besonders durch die dörfliche atmosphäre geprägt ist. herr k. hat es über soziales engagemant geschafft. heute ist er wieder als unternehmer mit eigenem geschäft erfolgreich. finanziell könnte es besser laufen, aber immerhin ist er nicht mehr arbeitssuchend.
fall 2
frau w. ist alleinerziehend. sie lebt in einem für leipzig sozialkritischen ortsteil. sie hat eine 7-jährige tochter. monatlich erhält sie 558 € hartz IV. dazu bekommt sie 154 € kindergeld und 145 € unterhalt. frau w. größter wunsch ist es, einmal mit ihrer tochter in den urlaub zu fahren. da sparen nicht möglich ist, nutzt sie in ihrem stadtbezirk ein niedrigschwelliges angebot eines kirchlichen trägers zur beratung in notsituationen, um sich über unterstützungsmöglichkeiten für schulanfang und urlaub zu erkundigen.
leider gibt es 2 schlechte nachrichten:
für den schulanfang kann sie keine extra leistungen für ausstattung, feier und kleidung bei der arge beantragen und damit reicht es wie immer nur fürs nötigste. die heiß ersehnte feier fällt aus und statt ergonomisch geformten diddlemaus-schulranzen gibt es das preiswerte ersatzmodell vom discounter. und was den urlaub angeht, da scheint es besser zu klappen. 7 € pro person und tag zuschuss vom staat kann sie beantragen. aber leider ist es der beraterin nicht möglich für 15 € pro tag ein preiswertes angebot in sachsen zu finden. und selbst wenn sie ein angebot fände, reicht ihr geld für fahrtkosten und unternehmungen im urlaub nicht aus. frau w. ist bestürzt. sie hat leipzig seit dem jahr 2001 nicht mehr verlassen. eine arbeit zu finden ist schwer, weil sie die betreuung ihrer tochter besonders in den frühen abendstunden nicht abdecken kann. außerdem ist sie seit nunmehr 5 jahren zu haus. durch ihr kind bleibt sie für unternehmen in punkto möglicher ausfallzeiten ein unkalkulierbares wirtschaftliches risiko.
sind das die berühmeten einzelschicksale?
beeinflussen herkunft, elternhaus, ausrichtung, bildung und soziales umfeld nachhaltig unsere entwicklung? diese und andere fragen wurden im rahmen der gestrigen fes-veranstaltung zum thema "armutsrisiko kind?" durch ein kompetentes podium mit dem publikum gemeinsam diskutiert und beleuchtet. dabei stellte sich heraus, dass armut durchaus unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. sie ist für die einzelnen nicht kollektiv wahrnehmbar. armut grenzt aus, wird "generationsübergreifend", aber nicht genetisch vererbt und prägt von geburt an die lernbiografien der betroffenen.
da hören wir vom 6. kinderschutzforum, dass immer mehr kinder in deutschland verarmen. sie kommen ohne pausenbrot in die schule oder nehmen nicht an der schulspeisung teil. sie haben keinen zugang zu angeboten, wie sportgruppen und vereinen. sie sprechen kaum ihre muttersprache, wenn sie in die schule kommen. individuelle förderung ist für die eltern oft unbezahlbar und defizite lassen sich mit fortschreitendem alter immer schlechter beheben.
alarmierend ist dabei, dass 20 % der leipziger mittlerweile mangels arbeitsplatz direkt oder indirekt von finanzieller armut betroffen sind. dieses schicksal teilen sie mit ihren familienangehörigen. und es werden immer mehr. kinder landen nach einer durschnittlichen schulkarriere mit hauptschulabschluss auf der straße. sie kriegen selber kinder mit 13, 14 oder 15 um sich sozial abzusichern! und niemand hält sie davon ab, weil gerade beratungsstellen, ämter und behörden die betroffenen mit angeboten nicht erreichen oder nur 36 stunden in der woche arbeiten dürfen. anträge und formulare werden nicht verstanden, geld für fahrscheine ist nicht vorhanden und warte- bzw. bearbeitunsgzeiten sind unendlich lang.
alle diese komponenten führen dazu, dass sich menschen immer mehr ausgegrenzt fühlen und sich um ihren platz in der gesellschaft betrogen fühlen bzw. ihn erst gar nicht einnehmen können, weil ihnen die grundlegendsten qualifikationen fehlen.
aber was kann man denn tun?
besonders der frühkindlichen bildung wird in diesen tagen erhebliche beachtung geschenkt. wissenschaftler, pädagogen und eltern forderten unlängst, den schwerpunkt in der bildung, betreuung und erziehung auf die ersten lebensjahre zu lenken und eine umverteilung der mittel herbeizuführen. mit bildungsauftrag und bildungsplan sowie ganzheitlichen betreuungskonzepten sollen tagespflege, kindertagesstätte und schule weiter zusammenwachsen. das stimmt auch mit dem gestern gesagten von prof. dr. thomas fabian, jetziger sozialbürgermeister, überein. er stellte den anwesenden gästen, dass zusammenführen von jugendhilfe- und schule als die große aufgabe der nächsten 7 jahre vor.
kinder sollen lernen fürs leben und nicht lernen nach dem lehrplan. soziale kompetenz ist das a und o für das leben in unserer informationsgespickten welt. zugang zu computer, internet und sozialen netzwerken sind zwingend von anfang an nötig um benachteiligung, armut und gesellschaftliche ausgrenzung entgegen zu wirken.
es gibt immer hilfe - man muss nur wissen, wo man sich hinwenden bzw. danach suchen kann!
veröffentlicht: familienfreund jana -- Donnerstag, 12. Oktober 2006; 19:26:37 Uhr