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Wachsende Sorge über Facharbeitermangel Diesen Text vorlesen lassen

Mindestlohn

Tiefensee bekräftigt Forderung nach Mindestlohn - In der deutschen Wirtschaft wächst die Besorgnis über einen drohenden Facharbeitermangel insbesondere in den neuen Ländern.

 

 

Handwerkspräsident Otto Kentzler betonte am Freitag in einem ddp-Interview: "Erstmals werden 2008 in Ostdeutschland Lehrstellen in größerer Zahl unbesetzt bleiben müssen." Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) verwies darauf, dass es an "geeigneten Bewerbern" mangele.

DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun kritisierte: "Eltern und Schulen bereiten die Jugendlichen leider häufig unzureichend auf das Berufsleben vor." Die so entstandene "Qualitätslücke" werde "vor allem im Osten mehr und mehr zu einem gravierenden Wachstumshemmnis für die Unternehmen".

Kentzler sagte, der "drastische Rückgang" der Zahl der Schulabgänger treffe das Handwerk besonders hart. Er sieht nun vor allem die Schulen gefordert. Kentzler betonte: "Wir brauchen beim Bildungsgipfel Ende Oktober feste Vereinbarungen, die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss zu halbieren und die Zahl der aufgrund schulischer und sozialer Defizite nicht ausbildungsfähigen Jugendlichen deutlich zu senken."

Kentzler mahnte zugleich, nur mit "maßvollen und flexiblen Lohnabschlüssen" könnten die Betriebe in Ostdeutschland am Markt erfolgreich sein und auch weiter Beschäftigung sichern und aufbauen. Das bedeute nicht, die "Perspektive einer Angleichung" der Ost-Löhne an das West-Niveau aus den Augen zu verlieren.

Auch Braun warnte in einem ddp-Interview: "Lohnabschlüsse weit oberhalb der Produktivität würden durch einen immensen Verlust von Arbeitsplätzen teuer erkauft. Eine solche Entwicklung würde vor allem die Schwächsten ausgrenzen." Gerade die moderaten Lohnabschlüsse der vergangenen Jahre hätten dazu beigetragen, die Zahl der Arbeitslosen in Ostdeutschland um mehr als eine halbe Million zu verringern.

Der DIHK-Präsident mahnte ferner: "Die Politik darf dem wirklich ermutigenden Aufschwung in vielen Regionen Ostdeutschlands keinen Strich durch die Rechnung machen." Mindestlöhne führten "in die Sackgasse". Wichtig seien hingegen die Senkung von Lohnzusatzkosten und höhere Investitionen in die Bildung.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), der zugleich Beauftragter der Bundesregierung für die Deutsche Einheit ist, sagte der "Passauer Neuen Presse" (Freitagausgabe), es sei für ihn "nicht akzeptabel, dass die Arbeitslosigkeit im Osten mit rund 13 Prozent immer noch doppelt so hoch ist wie im Westen". Er sei zudem der Auffassung, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können müssen. "Deshalb brauchen wir einen einheitlichen Mindestlohn von 7,50 Euro in Ost und West als unterste Haltelinie", sagte Tiefensee. Es dürfe nicht sein, "dass Menschen für Dumpinglöhne arbeiten, dass sie trotz 40 Stunden Arbeit noch zur Arbeitsagentur gehen und ihren Lohn aufstocken lassen müssen". Und schließlich sei die zügige schrittweise Angleichung der Löhne nötig.

quelle: deutscher depeschen dienst



veröffentlicht: Antje K. -- Montag, 06. Oktober 2008; 13:34:17 Uhr


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