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Wenn Kinder spielsüchtig werden ... von Jens Lange Diesen Text vorlesen lassen

Der Verband der Lottovermittler fordert den sofortigen Stopp einer
Spielsucht-Aktion für 4-jährige. In Hamburg gehen der Pharmakonzern
betapharm und die Lottogesellschaft Hand in Hand mit der Barmer
Krankenkasse in Kindergärten, um Vorschulkinder vor den Gefahren des
Spielens zu warnen. Was derzeit in Hamburg startet und vielleicht
bald bundesweit (Vor-)Schule machen soll, ist unbegreiflicher
Zynismus.

"Spielsucht ist ein ernstes Thema, aktuell aber vor allem ein
politischer Vorwand, um private Unternehmen aus dem Lotto zu
verdrängen", so Rüdiger Keuchel, Geschäftsführer des Verbandes der
Lottovermittler. "Ausgerechnet jetzt kleine Kinder vor Spielsucht
schützen zu wollen, ist unverantwortlich. Lottoprävention im
Kindergarten - was sagen eigentlich die Eltern dazu?"

Denn unter dem uneigennützigen Etikett der Aufklärung schleichen
sich gleich drei Wirtschaftsunternehmen in die Schutzzone der
Kindergärten ein: die betapharm Stiftung, die Barmer Krankenkasse und
Lotto Hamburg.

"Hier fallen die letzten Tabus", so Verbandspräsident Norman
Faber. "Glücksspielanbieter und Pharmaunternehmen haben einen
riesigen Bogen um Kindergärten und Schulen zu machen; gleichgültig,
was der Hintergrund ihrer Tätigkeit ist."

Organisatorische Schützenhilfe erhält die Kampagne, deren
zentrales Element ein extra für diesen Zweck inszeniertes Stück der
beliebten Augsburger Puppenkiste ist und für die in
Lottoannahmestellen geworben wird, zu allem Überfluss von der
Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen. Und als Schirmherrin
dient den Initiatoren die Hamburger Senatorin für Jugend- und
Gesundheit Birgit Schnieber-Jastram. Faber: "Da fragt man sich doch,
wer hier die Marionetten sind."

In der Tat muss wohl unterstellt werden, dass die beteiligten
Unternehmen mit dieser Aktion auch andere Ziele verfolgen. Allein die
Tatsache, dass Lotto sich in Kindergärten präsentieren darf, baut
Hemmschwellen eher ab, als dass es Problembewusstsein schafft.
Hamburg soll übrigens nur der erste Austragungsort einer bundesweiten
"Aufklärungskampagne" in Kindergärten sein. Die betapharm
Arzneimittel GmbH plant bereits eine bundesweite Verbreitung.

veröffentlicht: root -- Sonntag, 15. April 2007; 18:57:15 Uhr


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