Demenz bei Alleinstehenden: Wie Nachbarschaft helfen kann

Mit Blick auf die demografischen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte ist Demenz bei Alleinstehenden neben dem steigenden pflegerischen Bedarf im Allgemeinen einen große gesamtgesellschaftliche Herausforderung, denn bis zur Diagnose ist es ein langer, beschwerlicher Weg. Erst danach kann eine Versorgung angeboten werden, die weiterhin Teilhabe und möglicherweise ein alt werden mit häuslicher Unterstützung in den eigenen vier Wänden ermöglicht.

Ob jung oder alt, was zählt, ist Zusammenhalt!

Nachbarschaftsnetzwerke sind leider gerade in großen Städten nur noch schwer zu finden. Wer jeden Tag arbeitet, seinen Alltag meistert, mit vielen Freunden und großer Familie gesegnet ist, findet oft weder Zeit noch Muße sich nachbarschaftlich zu vernetzen. Trotzdem liegen gerade in diesen zufälligen Ansammlungen von Mieterschaft viele Kontakt- und Netzwerkpotenziale, die jeder kurz- mittel- oder langfristig mal benötigen kann, denn jeder braucht mal Hilfe, Unterstützung oder einen Gefallen.

Ein Geben und Nehmen, wenn möglich ohne Geld

Das geht schon dort los, wo z. B. die Blumen zu gießen sind, weil Sie oder ihr Nachbar in den Urlaub fahren. Statt aufwendige Betreuungslösungen für den Elternabend zu stricken, ist nichts naheliegender als ein Gespräch in der Nachbarschaft, um eine Betreuung im gleichen Haus oder Quartier zu finden. Dafür kann man dann im Gegenzug mal einen Kasten Mineralwasser hochtragen, die Fenster putzen oder einen Schrank aufbauen – und das ohne monetäre Aufwendungen einfach durch Einsatz von Zeit.

Nachbarschaftsnetzwerke leben vom Beobachten

Nachbarschaft ist dennoch mehr als nur ein Kummerkasten oder Anlaufpunkt für die Erste Hilfe. Gerade im Kontext des Älterwerdens tauchen im direkten Wohnumfeld viele Probleme auf. Dort kann eine ältere Dame nicht mehr Treppen steigen, hier zieht sich ein älterer Herr von der Außenwelt zurück – kurz, die Liste der Beispiele, wo ein sensibles Beobachten nötig ist, um gegebenenfalls Hilfe einzuschalten, ist lang.

Demenz – eine echte Hausnummer im Quartier!

Im Jahr 2021 litten ca. 440.000 Menschen im Alter 65plus neu an einer Demenz. Bis 2050 wird diese Erkrankung weiter zunehmen. Die Symptome dieser tückischen Krankheit sind gerade im Anfangsstudium schwer zu erkennen. Dazu gehören, dass betroffene Nachbarn unaufmerksam sind, Gesprächen nicht folgen bzw. beim Antworten nicht die richtigen Worte finden oder sich ganz zurückziehen. Als Krankheit der Angehörigen bezeichnet, gilt eine Demenzerkrankung bei 90 % der Betroffenen als unheilbar. Aber was, wenn Demenz bei Alleinstehenden ausbricht? Wer kann dann helfen? Und wie kommt es zur Diagnose?

Allein im Block mit Demenz

Ältere Menschen, verwitwete bzw. Alleinstehende mit Demenz haben es besonders schwer diagnostiziert zu werden. Oft verfügen sie nur über sporadische Alltagskontakte. Manche werden wegen anderer Krankheiten schon regelmäßig bei Ärzten betreut, sodass die Chance steigt, eine Demenzerkrankung zu bemerken. Wenn das nicht der Fall ist, können aufmerksame Nachbarn vielleicht eine Veränderung bemerken. Große Vermieter verfügen über einen Sozialdienst, der solchen Hinweisen nachgeht. Ebenso kann man beim Allgemeinen Sozialen Dienst der Kommune bzw. beim Gesundheitsamt anrufen. Diagnostisch gilt es den Typ der Demenz mit neuropsychologischen Test festzustellen. Demenz ist zwar unheilbar – dennoch kann man die Lebensqualität mit nicht-medikamentösen oder medikamentösen Demenz-Therapie verbessern. Neben Demenzerkrankungen sind Depressionen und andere psychische bzw. physische Erkrankungen, wie Krebs ein großes und sensibles Thema.

Netzwerk Nachbarschaft – unstrukturierte Hilfe funktioniert oft besser als ein Verein

Was viele Menschen leider abhält Hilfe anzubieten oder anzunehmen, ist oft, dass Hilfsangebote auf stark strukturierte Adressen und Anlaufstellen, wie Beratungsstellen, Ärzte oder gemeinnützige Vereine gelenkt werden bzw. die Befürchtung entsteht, dass eine Gegenleistung fällig wird. Manchmal blocken Angehörige die Hilfsangebote aus der Nachbarschaft ab und isolieren ihre Mütter, Väter, Omas, Opas noch mehr. Mitunter fürchten sich Ältere selbst vor nachbarschaftlichen Kontakt im Zuge der plötzlichen Hilfebedürftigkeit und der vermeintlich drohenden Abhängigkeit von Fremden.

Hinschauen und ins Gespräch kommen

Ein großer Aspekt ist und bleibt der Vertrauensfaktor. Ohne Vertrauen auf die Uneigennützigkeit von Angeboten ist nachbarschaftliche Hilfe kaum möglich. Wer hier finanzielle Aspekte in den Vordergrund stellt, dem wird es schwerfallen Hilfe zu leisten, als auch Hilfe anzunehmen. Um mit seinen Nachbarn in Kontakt zu kommen, bieten sich Tür- und Angelgespräche im Treppenhaus oder eine einfache Ansprache im Hof an. Infolgedessen kann man zum Beispiel mal gemeinsam nachmittags Kaffee trinken, grillen oder Karten spielen. Um einen dauerhaften Austausch zu ermöglichen, bietet sich eine Gruppe im Messenger oder Kontakt per Telefon bzw. E-Mail an.

Der Familienservice unterstützt gezielt betreute Mitarbeiter!

Viele Familien leben nicht mehr Tür an Tür oder im gleichen Ort. Als betreuter Mitarbeiter im Familienservice der familienfreund KG sind wir ihr Bindeglied zu ihren Angehörigen vor Ort. Denn die Mitarbeiterbetreuung erstreckt sich nicht nur auf Sie, sondern auch auf ihr soziales Umfeld – hier die Herkunftsfamilie. Damit sind ihre und die Fragen ihrer Angehörigen in den besten Händen. Bilateral, bedürfnis- und budgetorientiert unterstützen wir seit 2006 mit passgenauen Lösungen rund um die Vereinbarkeit für Menschen von 0 bis 99plus – von vor der Geburt bis zum Lebensende. Beauftragen kann uns Ihr Arbeitgeber.

Nicht nur am Welt-Alzheimertag verbunden bleiben!

Unter dem Motto „Demenz – Verbunden bleiben“ findet am 21.09. der Weltalzheimer-Tag mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen bundesweit statt. So beteiligte sich bspw. der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie an der Entwicklung eines Angebots, insbesondere für alleinlebende Menschen. Der nicht ganz neue Gedanke der strukturierten ehrenamtlichen Hilfe nach einer Demenzdiagnose sieht eine Begleitung durch Ehrenamtliche vor, um Betroffenen zu helfen, sich in der neuen Situation zu orientieren. Offen bleibt hier die Frage, wie viel Ehrenamt in Zukunft nötig sein wird, um alle gesellschaftlichen Probleme zu lösen bzw. beherrschbar zu machen.

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