Legionellen in der Mietwohnung: Gesundheitsrisiken, Mietminderung und Präventionsmaßnahmen

Legionellen sind Bakterien, die in warmem Wasser wachsen und sich vermehren können. Sie können schwere Lungenentzündungen und andere Erkrankungen verursachen, insbesondere bei älteren Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

1. Einführung: Was sind Legionellen und woher kommen sie?

In Mietwohnungen können Legionellen ein ernsthaftes Problem darstellen, da sie sich in den Leitungen und Wasserhähnen vermehren und von dort aus in die Luft gelangen können. In diesem Blogbeitrag werden wir uns mit den Gesundheitsrisiken durch Legionellen in Mietwohnungen beschäftigen und welche Maßnahmen Mieter ergreifen können, um sich und ihre Familie zu schützen. Die drei Hauptthemen, die in diesem Artikel behandelt werden, sind:

  1. Gesundheitsrisiken durch Legionellen Wir werden erläutern, wie Legionellen eingeatmet werden können und welche Symptome sie verursachen können. Wir werden auch darauf eingehen, wer besonders gefährdet ist und wie sich eine Legionelleninfektion auf die Gesundheit auswirken kann.
  2. Wie Legionellen in Mietwohnungen entstehen können Wir werden auf die Ursachen und Bedingungen eingehen, die das Wachstum von Legionellen fördern und typische Orte in einer Mietwohnung aufzeigen, an denen Legionellen gefunden werden können.
  3. Verantwortung des Vermieters Wir werden die rechtlichen Pflichten des Vermieters bezüglich Legionellen in Mietwohnungen erläutern und welche Maßnahmen Vermieter ergreifen können, um Legionellenwachstum zu verhindern. Wir werden auch auf die Verantwortung des Mieters eingehen, um eine Verbreitung von Legionellen in der Mietwohnung zu vermeiden.

2. Gesundheitsrisiken durch Legionellen

Legionellen stellen ein ernstes Gesundheitsrisiko dar, da sie beim Einatmen in die Lunge gelangen und dort eine schwere Lungenentzündung verursachen können. Diese sogenannte Legionärskrankheit kann bei älteren Menschen, Rauchern und Menschen mit geschwächtem Immunsystem tödlich sein. Die Symptome einer Legionellen-Infektion ähneln einer schweren Grippe oder Lungenentzündung und können folgende sein:

  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Husten
  • Kurzatmigkeit
  • Brustschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Kopfschmerzen
  • Verwirrtheit

Diese Symptome können innerhalb von 2-10 Tagen nach dem Einatmen von Legionellen auftreten und können sich in schweren Fällen zu einer Lungenentzündung entwickeln. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, ältere Menschen und Raucher.

Es ist wichtig, eine Legionelleninfektion frühzeitig zu erkennen und schnell zu behandeln. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Antibiotika und ist umso erfolgreicher, je früher die Krankheit erkannt wird. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann Leben retten und Komplikationen vermeiden. Mieter sollten bei Verdacht auf Legionellen in ihrer Wohnung unbedingt einen Arzt aufsuchen und ihren Vermieter informieren.

3. Welche Stufen der Gefährdung durch Legionellen gibt es?

Es gibt verschiedene Stufen der Gefährdung durch Legionellen, die von der Anzahl der Bakterien im Wasser und der Art der Exposition abhängen:

  1. Niedrige Gefährdungsstufe: In diesem Fall sind die Legionellenkonzentrationen im Wasser sehr niedrig und stellen kein Gesundheitsrisiko dar.
  2. Erhöhte Gefährdungsstufe: Wenn die Konzentration von Legionellen im Wasser erhöht ist, aber immer noch unter dem gesetzlichen Grenzwert liegt, kann eine Exposition zu geringen Gesundheitsrisiken führen.
  3. Hohe Gefährdungsstufe: Wenn die Legionellenkonzentration im Wasser den gesetzlichen Grenzwert überschreitet, besteht ein höheres Risiko für die Gesundheit, insbesondere für Personen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Lungenerkrankungen.
  4. Sehr hohe Gefährdungsstufe: Wenn es zu einem Legionellen-Ausbruch kommt, d.h. wenn mehrere Personen infiziert werden, kann dies schwerwiegende Folgen haben und zu einer erhöhten Sterblichkeit führen.

Es ist wichtig zu beachten, dass Personen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Lungenerkrankungen ein höheres Risiko für eine Legionelleninfektion haben und daher besonders vorsichtig sein sollten. Bei Verdacht auf Legionellenbefall sollte immer ein Fachmann hinzugezogen werden, um das Risiko einer Infektion zu minimieren.

In Deutschland gibt es gesetzliche Grenzwerte für die Konzentration von Legionellen in Wasserproben, die je nach Art der Anlage und dem Verwendungszweck unterschiedlich sein können. Hier sind die Messwerte und Grenzwerte für die vier Stufen der Gefährdung durch Legionellen:

  1. Niedrige Gefährdungsstufe: Die Legionellenkonzentration im Wasser liegt unter 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter Wasser.
  2. Erhöhte Gefährdungsstufe: Die Legionellenkonzentration im Wasser liegt zwischen 100 und 1.000 KBE pro 100 Milliliter Wasser.
  3. Hohe Gefährdungsstufe: Die Legionellenkonzentration im Wasser liegt über 1.000 KBE pro 100 Milliliter Wasser.
  4. Sehr hohe Gefährdungsstufe: Ein Legionellen-Ausbruch ist gegeben, wenn mehrere Personen infiziert sind.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Grenzwerte in anderen Ländern variieren können und dass auch andere Faktoren wie die Art der Anlage, die Temperatur des Wassers und der pH-Wert berücksichtigt werden müssen, um das Gesamtrisiko für eine Legionelleninfektion zu bewerten.

GefährdungsstufeMesswert,
KBE pro 100 ml Wasser
nötige Aktion
niedrigunter 100Nachuntersuchungen
erhöht100 bis 1.000kurzfristige Messungen,
mittelfristige Sanierung,
Information an das Gesundheitsamt
hochüber 1.000Sanierung der Anlage
sehr hochüber 10.000Sofortmaßnahmen,
wie Duschverbot und Stillegung der Anlage
Grenzwerte und mögliche Maßnahmen, Quelle

4. Legionellen in der Mietwohnung: Wer ist verantwortlich?

Legionellen können in warmem Wasser wachsen und sich vermehren, insbesondere in stehendem Wasser und bei Temperaturen zwischen 25 und 50 Grad Celsius. In Mietwohnungen können Legionellen daher insbesondere in folgenden Bereichen auftreten:

  • Warmwasserleitungen
  • Duschköpfe
  • Wasserhähne
  • Klimaanlagen
  • Whirlpools

Besonders problematisch sind lange, ungenutzte Leitungen, in denen sich das Wasser staut und erwärmt. Wenn das Wasser dann wieder in Bewegung gerät, können sich die Legionellen lösen und in die Luft gelangen. Dadurch können sie von den Bewohnern eingeatmet werden und eine Infektion verursachen.

Um das Wachstum von Legionellen in Mietwohnungen zu verhindern, sollten Vermieter darauf achten, dass das Wasser in den Leitungen regelmäßig ausgetauscht wird. Insbesondere bei längeren Leerständen oder Sanierungsmaßnahmen sollte das Wasser komplett aus den Leitungen abgelassen werden. Mieter sollten auch darauf achten, dass sie das Wasser regelmäßig laufen lassen, um stehendes Wasser in den Leitungen zu vermeiden. Achten Sie darauf, dass das Wasser bei jedem Gebrauch für mindestens zwei Minuten läuft und dadurch das Wasser in der Leitung erneuert wird.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass in Ihrer Mietwohnung Legionellen vorhanden sein könnten, informieren Sie umgehend Ihren Vermieter. Dieser ist verpflichtet, eine Untersuchung der Wasserqualität durchzuführen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen, um das Wachstum von Legionellen zu verhindern.

5. Was Mieter beachten sollten: Mietminderung und Rechte

Wenn Legionellen in der Mietwohnung vorhanden sind und das Risiko einer Infektion besteht, haben Mieter das Recht, die Miete zu mindern. Eine Mietminderung ist jedoch nur dann gerechtfertigt, wenn der Vermieter seiner Pflicht zur Gewährleistung einer hygienischen Trinkwasserversorgung nicht nachgekommen ist und die Legionellenbildung dadurch begünstigt wurde.

Die Höhe der Mietminderung hängt vom konkreten Einzelfall ab und kann nicht pauschal festgelegt werden. In der Regel wird die Minderung jedoch zwischen 10 und 20 Prozent der Miete betragen. Mieter sollten jedoch beachten, dass sie eine Mietminderung nur dann durchführen dürfen, wenn sie zuvor ihren Vermieter schriftlich über den Legionellenbefall informiert haben und ihm eine angemessene Frist zur Beseitigung des Problems eingeräumt haben.

Wird der Legionellenbefall trotz Aufforderung nicht beseitigt, kann der Mieter fristlos kündigen und Schadensersatzansprüche geltend machen. In jedem Fall sollten Mieter jedoch vor einer Mietminderung oder Kündigung rechtlichen Rat einholen, um ihre Rechte und Pflichten zu klären.

Musterbrief an den Vermieter zur Mietminderung wegen Legionellenbefall

6. Präventionsmaßnahmen gegen Legionellen

Mieter sollten sich bei einem Verdacht auf Legionellenbefall in ihrer Mietwohnung an ihren Vermieter wenden und ihm eine angemessene Frist zur Beseitigung des Problems einräumen. Wenn der Vermieter nicht reagiert oder die Maßnahmen zur Beseitigung des Befalls unzureichend sind, kann der Mieter eine Mietminderung in Betracht ziehen.

Allerdings sollten Mieter bedenken, dass sie nicht einfach eigenmächtig die Miete mindern dürfen, sondern dies nur unter bestimmten Voraussetzungen und nach Rücksprache mit einem Anwalt tun sollten. Um eine angemessene Minderung der Miete durchzuführen, sollten Mieter außerdem genau dokumentieren, wann sie den Vermieter informiert haben und welche Maßnahmen ergriffen wurden, um das Problem zu lösen.

Zudem ist es wichtig, dass Mieter auch selbst dazu beitragen, das Wachstum von Legionellen in der Wohnung zu verhindern, indem sie beispielsweise das Wasser regelmäßig laufen lassen und bei längerer Abwesenheit alle Wasserleitungen entleeren. Durch diese Vorsichtsmaßnahmen können Mieter dazu beitragen, das Risiko einer Legionelleninfektion zu minimieren und eine Mietminderung zu vermeiden.

7. Fazit: Was Mieter bei Legionellenbefall wissen sollten

Legionellen stellen ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar und können insbesondere in Mietwohnungen auftreten, wenn der Vermieter nicht ausreichend für eine hygienische Trinkwasserversorgung sorgt. Mieter haben in einem solchen Fall das Recht, eine Mietminderung durchzuführen, wenn der Vermieter nicht umgehend reagiert und das Problem beseitigt.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine Mietminderung nur unter bestimmten Voraussetzungen gerechtfertigt ist und dass Mieter ihre Rechte und Pflichten kennen sollten, bevor sie Maßnahmen ergreifen. Darüber hinaus können Mieter auch selbst dazu beitragen, das Risiko einer Legionelleninfektion zu minimieren, indem sie einige einfache Vorsichtsmaßnahmen beachten.

Insgesamt sollten Mieter bei einem Verdacht auf Legionellenbefall in ihrer Mietwohnung nicht zögern, ihren Vermieter zu informieren und gegebenenfalls rechtlichen Rat einzuholen, um ihre Gesundheit und ihre Rechte zu schützen.

Häufige Fragen an den Familienservice rund um Legionellen

Was sind Legionellen und woher kommen sie?

Legionellen sind Bakterien, die in natürlichen und künstlichen Wasserquellen wie Flüssen, Seen und Leitungen vorkommen. Sie können bei bestimmten Bedingungen wachsen und sich vermehren, insbesondere in stehendem oder warmem Wasser.

Welche Gesundheitsrisiken können durch Legionellen entstehen?

Legionellen können eine Lungenentzündung (Legionärskrankheit) oder eine grippeähnliche Erkrankung (Pontiac-Fieber) verursachen. Personen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Lungenerkrankungen sind besonders gefährdet.

Wer ist in einer Mietwohnung für den Legionellenschutz verantwortlich?

Der Vermieter ist gesetzlich verpflichtet, regelmäßige Kontrollen und Wartungen durchzuführen, um die Bildung von Legionellen in der Wasseranlage zu minimieren. Mieter sollten jedoch auch auf Anzeichen von Legionellenbefall achten und den Vermieter umgehend informieren.

Wie können Mieter sich vor Legionellen schützen?

Mieter können das Risiko einer Legionelleninfektion verringern, indem sie das Wasser regelmäßig laufen lassen, besonders bei längerer Abwesenheit, die Wassertemperatur über 55 Grad Celsius halten und vermeiden, dass Wasser in Leitungen und Duschköpfen stagniert.

Kann ich als Mieter eine Mietminderung wegen Legionellenbefall verlangen?

Ja, wenn der Vermieter seiner Pflicht zur regelmäßigen Wartung und Kontrolle nicht nachgekommen ist und eine erhöhte Gefährdungsstufe durch Legionellen im Wasser vorliegt, kann eine Mietminderung gerechtfertigt sein. Es ist jedoch ratsam, sich vorher rechtlich beraten zu lassen.

Wie kann ich eine Legionellenprobe entnehmen lassen?

Eine Legionellenprobe kann nur von einem akkreditierten Labor genommen und analysiert werden. Der Vermieter ist verpflichtet, regelmäßig Proben zu entnehmen und zu analysieren, um sicherzustellen, dass die Legionellenkonzentration im Wasser den gesetzlichen Grenzwerten entspricht.

Was passiert, wenn in meiner Mietwohnung Legionellen festgestellt werden?

Wenn Legionellen in Ihrer Mietwohnung festgestellt werden, ist der Vermieter verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um das Problem zu beheben. Dies kann die Reinigung und Desinfektion der Wasseranlage oder sogar den Austausch von Teilen der Anlage umfassen.

Kann ich als Vermieter eine Legionelleninfektion bei meinen Mietern verhindern?

Ja, Vermieter können Maßnahmen ergreifen, um das Risiko einer Legionelleninfektion zu minimieren, wie z.B. die Installation von Thermostatventilen und regelmäßige Wartung und Reinigung der Wasseranlage. Es ist jedoch unmöglich, eine 100%ige Garantie zu geben, dass keine Legionellen in der Wasseranlage vorhanden sind.

Wie oft sollten Legionellenkontrollen in einer Mietwohnung durchgeführt werden?

Die Häufigkeit der Legionellenkontrollen in einer Mietwohnung hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise der Größe der Wohnanlage, der Art des Wassersystems und der Ergebnisse früherer Kontrollen. In der Regel empfehlen Experten jedoch, dass eine jährliche Überprüfung ausreicht, um mögliche Gefahren zu identifizieren und zu beseitigen. In Gebäuden mit einem höheren Risiko, wie z.B. Krankenhäusern oder Pflegeheimen, sollten die Kontrollen möglicherweise häufiger durchgeführt werden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass es keine einheitlichen Vorschriften gibt und die genaue Häufigkeit der Kontrollen von verschiedenen Faktoren abhängt. Es ist daher empfehlenswert, sich von einem Fachmann beraten zu lassen.

Wie lautet der Paragraf, der den Vermieter zur Offenlegung des Messwertes der Legionellen verpflichtet?

Die Offenlegungspflicht des Vermieters bezüglich der Messwerte von Legionellen ergibt sich aus § 21 der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) und aus § 242 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Der Vermieter ist demnach dazu verpflichtet, den Mietern die Ergebnisse der Legionellenprüfung mitzuteilen und bei Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes (100 KBE/100 ml) unverzüglich Abhilfe zu schaffen.

Kann ich die Mietminderung auch rückwirkend machen?

Eine rückwirkende Mietminderung ist immer dann zulässig, wenn der Vermieter, einen Schaden absichtlich verschleiert.
Quelle: Mietrecht.com

2 Antworten auf „Legionellen in der Mietwohnung: Gesundheitsrisiken, Mietminderung und Präventionsmaßnahmen“

  1. J.Müller sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    in oben genanntem Abschnitt „wie können Mieter sich vor Legionellen schützen“ heißt es „die Wassertemperatur unter 55 Grad halten“. Meinem dafürhalten ist dies nicht richtig, denn es müsste doch „über 55Grad heißen“. Oder?
    Mit freundlichen Grüßen

    1. Sie haben völlig recht. Da hat sich ein Fehlerteufel eingeschlichen. Danke für den Hinweis. Wir haben dies korrigiert.

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