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Fachkräftesicherung in Coswig: Warum in Coswig und nicht in Eschborn arbeiten?

Fachkräftesicherung in Coswig (c) familienfreund.de

Im letzten Workshop zur Fachkräftesicherung in Coswig waren wir zu Gast bei der Stadtverwaltung Coswig. Bei besten Altweibersommer Wetter und gemütlichen 22 Grad absolvierten wir die Wegstrecke vom Bahnhof bis zum Workshop-Ort in der Stadtverwaltung zu Fuß. Die Anbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ab Leipzig ist wirklich Top. Wer mag, kann natürlich auch unterwegs im Zug arbeiten. Da wo wir uns im Rahmen der Fachkräfteallianz Meißen erstmalig präsentieren durften, endet auch die Workshop-Reihe zur Fachkräftesicherung.

Coswig – kleine schöne Stadt im dicht besiedelten Elbtal

Coswig ist mit seinen knapp 21000 Einwohnern eine große Kreisstadt direkt an der Elbe zwischen Meißen und Radebeul. Mit Anschluss an die Eisenbahnstrecke Leipzig-Dresden, der 10 Minuten entfernten Anschlussstelle zur A4 sowie generellen Anschluss zur A17 Richtung Prag bzw. A13 Richtung Berlin hat gute Möglichkeiten schnell nach Coswig hin oder von dort weg zu kommen. Für (ansässige) Unternehmen ist Coswig logistisch sicher sehr attraktiv. Auch die Entfernung zum Dresdener Flughafen ist mit 25 Minuten sehr günstig. Coswig ist ein Standort für Maschinenbau. Die Runde war nicht ganz so groß wie in Meißen und etwas größer als in Nossen. Die TeilnehmerInnen kamen wieder aus verschiedenen Branchen. Erstaunlicherweise dominierte hier nicht der Maschinenbau sondern das Dienstleistungsgewerbe die Runde. Der Ansprechpartner der Wirtschaftsförderung Herr Nasar begrüßte uns in einem wunderschönen Tagungsraum der Stadtverwaltung.

Erwartungen zur Fachkräftesicherung in Coswig (c) familienfreund.de

Erwartungen in Coswig

Die Erwartungen der Arbeitgeber waren ähnlich wie an den anderen Orten. Qualifiziertes Personal ist mehr als schwer zu finden. Die Unternehmen haben das Gefühl, dass sie sich beim potentiellen Mitarbeiter bewerben müssen. Und auch das Bewusstsein und die Achtsamkeit für Work-Life-Balance beim Mitarbeiter ist sehr groß, was wiederum die Abläufe und Prozesse im Unternehmen beeinflusst. Die Arbeitgeber haben bereits wahrgenommen, dass es viele Mitbewerber gibt, die mit attraktiven Stellenangeboten auf sich aufmerksam machen. Ein weiterer Schwerpunkt war in Coswig der anstehende Generationswechsel und somit die Unternehmensnachfolge. Nicht wenig UnternehmerInnen stehen in den nächsten Jahren vor dieser Herausforderung. Oft bedeutet dieser Wechsel der Generationen, dass sich vieles im Unternehmen verändern wird.

Ein Wechsel verändert auch die Zusammenarbeit

Früher war das nicht so oder das machen wir schon immer so – sind Sätze, die viele Mitarbeiter so oder so im Arbeitsleben begleiten. So ist der Führungswechsel von alt zu jung oft auch ein Stärkung zu Gunsten der weichen Faktoren. Ältere Mitarbeiter sind damit meist überfordert und brauchen klare Ansagen, dass Sie jetzt auch über ‚Gefühle‘ im Arbeitsleben reden dürfen und sollen. Sie müssen sich eben einfach neu trauen Ihre Bedürfnisse und Wünsche gegenüber der neuen Führungskraft mitzuteilen. Regelmäßige Mitarbeitergespräche in kleineren Abständen (unter vier Augen) bieten sich als Begleitung eines solchen Wechsels an. Man lernt nicht nur die Mitarbeiter kennen sondern kann sich selbst und seinen Führungsstil entsprechend Vorstellen. Veränderungen brauchen nicht nur Zeit sondern sind auch mit großer Angst und Unsicherheit verbunden.

Was die Sozialisation des Einzelnen ausmacht

Es wird immer Mitarbeiter mit unterschiedlicher Sozialisation geben. Kennen Sie deren sozialen Hintergrund, Befindlichkeiten und den Werdegang können Sie noch besser auf Bedürfnisse, Ansprache und Herausforderungen eingehen. Jemanden zu ändern, der es für ‚Schmus‘ hält über seine eigenen Gefühle zu sprechen, wird nicht ohne weiteres möglich sein. Am besten holen Sie diese Mitarbeiter dort ab, wo sie gerade stehen. Der Generationswechsel ist heutzutage oft auch mit einem Wechsel des Führungsstils verbunden. Besonders hart für alle wird es werden, wenn es von autoritär zu demokratisch oder situativ wechselt. Von klaren Ansagen, hoher Leistungsorientierung hin zu Personenorientierung und Mitarbeiterbeteiligung ist der Veränderungsprozess für jeden Mitarbeiter je nach Alter und Herkunft unterschiedlich schwierig. Die Bandbreite kann von Verweigerung über enorme Anpassungsschwierigkeiten bis hin zum Jobwechsel einzelner Mitarbeiter reichen. Auch UnternehmensnachfolgerInnen, die vollkommen ohne Führungserfahrung starten, haben es im Betrieb besonders schwer. Wollen Sie also erreichen, dass der Ruhestand und Einstand im Unternehmen gut gelingt, beschäftigen Sie sich nicht nur mit Management und Organisation sondern auch mit Führung und Mensch.

Viele Veränderungen von außen wirken zusätzlich

Viele Mitarbeiter sehnen sich z. B. nach einem lang erwartenden Geschäftsführerwechsel, wenn es generell Probleme mit Führung im Unternehmen gibt. Aber auch ein anderes Phänomen macht den Unternehmen zu schaffen. Große politische und fachliche Veränderungen von außen belasten besonders schwer. Ändern sich Gesetze, Rahmenbedingungen und z. B. Finanzierungsgrundlagen muss der Arbeitgeber im Tagesgeschäft dafür mehr Zeit einplanen und aufwenden. Hier fällt auf, dass gerade ältere Mitarbeiter des öfteren sagen, dass ihnen das ein oder andere, was wieder eingeführt wird, bekannt vorkommt. Hier sollten Sie versuchen alle Mitarbeiter mitzunehmen. Fragen Sie nach, was bekannt vorkommt und verwenden Sie Zeit darauf Unterschiede zwischen alt und neu zu erläutern.

Warum die Bindung von BewerberInnen besonders schwierig ist

Im Tagesgeschäft klagen viele Führungskräfte, dass Sie den überwiegenden Teil Ihrer Tätigkeit in Meetings und mit festen Terminen verbringen. In nur acht Stunden Arbeitszeit haben Sie des öfteren das Gefühl nicht genug erledigt zu haben. Auch Termine mit BewerberInnen fallen in diese Sparte, denn oft erscheinen Eingeladene nicht zum Termin, kommen zu spät oder verschieben viel zu kurzfristig bzw. sagen ab mit Nachfrage nach anderem Termin. Ein Slot, was im Tagesgeschäft freigehalten wurde für Personalgewinnung ist somit plötzlich verlorene Zeit. Natürlich wäre es ratsam generell zu überlegen solche Gespräche an den Anfang oder das Ende des Arbeitstages zu verschieben. Auch ein Tag im Monat für BewerberInnen wäre möglich, um generell nicht jeden Tag Ausfälle kompensieren zu müssen. Ansonsten sollten Sie, wenn der Bewerber nicht erscheint oder verschieben will, klare Ansagen machen und eine Strategie für die Situation überlegen. Wie wollen Sie jemanden als Mitarbeiter gewinnen und binden, wenn der nicht (mal) zum Termin für den Job kommt? Wiederum nutzen Ihnen viele Bewerbungstermine nichts, wenn keiner kommt oder Sie nur am Warten sind.

Mitarbeitermotivation ist besser als Mitarbeiterzufriedenheit

Im Workshop Fachkräftesicherung in Coswig ging es natürlich auch um Maßnahmen, die Mitarbeiter echt motivieren. Dabei sei vorab zu sagen, dass das Ziel von Motivation nicht Zufriedenheit sein kann. Ist ein Mitarbeiter nämlich voll zufrieden, werden Sie ihn kaum dazu zu bewegen, seine gemütliche Komfortzone zu verlassen. Im schlimmsten Fall bedeutet Zufriedenheit nur eins: Stillstand. Und Stillstand ist in keinem Unternehmen eine dauerhafte und empfehlenswerte Situation, weil auch die Bereitschaft neues zu Lernen und auszuprobieren, erheblich leidet. So ist es nicht ratsam, dass nur der Chef oder die Führungskraft sich mit neuen Sachen, wie dem Relaunch der Homepage befassen. Leisten Sie hier Überzeugungsarbeit und delegieren Sie so viel wie möglich an Ihre Mitarbeiter. Die Kompetenzen und Neigungen des einzelnen zu kennen, kann wesentlich zum Erfolg für die neue Aufgabe beitragen.

Gibt es zu viel Work-Life-Balance?

Ja, sagen die Unternehmer bei den Erwartungen zum Workshop zur Fachkräftesicherung in Coswig. Die MitarbeiterInnen achten verstärkt auf die Balance zwischen Arbeit und Leben. Die Sensibilisierung zu diesem Thema ist medial und politisch in Deutschland geglückt. Nun müssen Unternehmen sich aber auch vermehrt auf diese sensibilisierten Mitarbeiter einstellen und vorbereiten. Denn auch die BewerberInnen sei es am Berufseinstieg oder beim Jobwechsel haben diesbezüglich klare Anforderungen an den Arbeitgeber. Mitarbeiter und Bewerber sind bezüglich Ihrer Rechte heute deutlich besser aufgestellt und informiert als früher. Sie kontern schnell, fühlen sich schneller missverstanden oder wirken schneller demotiviert. Allein das Wissen, dass die Menschen informierter sind, sollten sie für sich als Ansporn nehmen, mitzuziehen. Gespräche kann man nur auf Augenhöhe führen, wenn alle einen ähnlichen Startpunkt haben bzw. Sie einfach auf die Forderungen entsprechend reagieren können. Es ist nicht schlimm, sich Zeit für eine gründliche Prüfung von Informationen vorzubehalten.

Warum komme ich jeden Tag hier her?

Die Sinnfrage stellt sich heutzutage für viele Menschen in regelmäßigen Abständen. Warum tue ich das? Was macht mich unglücklich oder glücklich? Füllt mich das, was ich tue genug aus? Das spiegeln auch die Arbeitgeber in allen Workshops zur Fachkräftesicherung. Durch die Bank weg nehmen Sie das veränderte Bewusstsein der Mitarbeiter und Bewerber wahr. Nicht nur der Umgang mit der Generation y un z stellt die Arbeitgeber vor enorme Herausforderung. Mitarbeiter wollen einmal mehr eine Aufgabe bzw. Job, der zu Ihnen passt, sie begeistert und motiviert. Zudem bleibt die Vielfalt im Unternehmen ein Riesenthema. Die Kompetenzen und Neigungen der Mitarbeiter zu kennen, zahlt sich aus.

Das Unternehmen und die Region als Ort der Vielfalt

Die Stadt Coswig ist seit 2009 Ort der Vielfalt. Arbeitgeber in Coswig aber auch generell im Landkreis Meißen haben es bezüglich der Integration von ausländischen Mitarbeitern schwer. Viel zu oft gibt es große bürokratische Hürden beim Einstellen. Die Anerkennung der Abschlüsse dauert sehr lange. Außerdem gibt es immer noch gefühlt ein gesellschaftliches Problem bei der Akzeptanz. Auch, dass die deutsche Sprache beherrscht werden muss, ist fachlich je nach Branche notwendig. Und natürlich müssen auch die Kunden am Ende mit dem Mitarbeitern klar kommen. Das kann im Pflegeheim einer größeren Anstrengung bedürfen als im Hotel am Empfang.

Gefühlt kein Interesse an bestimmten Branchen

Gerade Handwerker und Gastronomen machen in diesen Tagen des öfteren deutlich schlechtere Erfahrungen als andere Branchen mit der Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern. Die Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen werden von BewerberInnen oft als deutlich schlechter empfunden als sie in Wirklichkeit sind. Dauerhafte Schichtarbeit, viele Überstunden oder schwere körperliche Belastungen schrecken im Allgemeinen mehr ab. Das spiegelten auch die TeilnehmerInnen am Workshop zur Fachkräftesicherung in Coswig. Hier hilft nur ein gezieltes Ansprechen und das Bewerben der Arbeitsstelle durch z. B. glückliche Kollegen. Bilder sprechen hier des öfteren eine deutlichere Sprache als Worte. Ebenso sollten Sie verstärkt mögliche Entwicklungschancen im Unternehmen kommunizieren. Kann man dauerhaft nicht mehr Lohn zahlen, wäre es empfehlenswert Produkte und Prozesse zu überprüfen und zu optimieren. Vielleicht bringt ein neues Produkt den notwendigen höheren Deckungsbeitrag?!

Wie kriege ich mit, wenn ich Sie nicht kenne, wie Ihre Unternehmenskultur ist?

Aber auch in der Pflege ist das Bewerberangebot übersichtlich und die Wechselfreudigkeit der MitarbeiterInnen besonders hoch. So rotieren ambulante bzw. stationäre Angebote und kämpfen mit der Last steigender Kundenzahlen. Dauerhaft die Mitarbeiterbindung zu erhöhen, gelingt nur, wenn Sie Besonderheiten und Selbstverständlichkeiten immer wieder hervorheben. Der Standort des Unternehmens kann hier unter Umständen eine regionale Zugkraft entwickeln. Arbeitswege sind heute noch ein entscheidendes Kriterium für einen Jobwechsel. Und auch die Kunden können bei der Fachkräftebindung und -gewinnung helfen. Sie alle kauf(t)en und genießen Ihre Produkte, Services und Dienstleistungen. Sind sie davon begeistert, sollten Sie das für Ihr Personalmarketing nutzen. Der Sinn am Tun oder an der Stelle ist für Mitarbeiter und Bewerber besonders wichtig. Produkte anzubieten und zu verkaufen, die begeistern, machen Sinn. So kann eine regelmäßig erscheinende Zeitung im Pflegeheim nicht nur für Bewohner sondern auch für potentielle Bewerber spannend sein, wenn Sie diese denn erreicht.

Das Alleinstellungsmerkmal finden

Raum zur Fachkräftesicherung in Coswig (c) familienfreund.de

Warum sollen (tolle) Menschen bzw. Mitarbeiter sich lieber für Coswig anstatt Eschborn begeistern? Was bewegt Menschen überhaupt sich zu verändern bzw. Ihren Wohn- und/oder Arbeitsort? Und wie können Sie bzw. wir diese Menschen für Ihren bzw. unseren Standort und das Unternehmen gewinnen und binden? Wer hier nicht mindestens 3 sehr gute Gründe für seinen Unternehmensstandort und 10 für sein Unternehmen nennen und erzählen kann, sollte sich nochmal intensiver Gedanken machen, was Sie potentiellen Interessenten mit auf den Weg geben wollen – gern auch im Rahmen von Mitarbeitergesprächen. Und unserer Erfahrung nach gibt es wirklich sehr viele wechselwillige Menschen/Mitarbeiter, welche nur auf das richtige Angebot warten und den richtigen Grund sich zu verändern. Vielleicht könnten Sie und wir gemeinsam das Marketing für den Standort so entwickeln, dass sich die Eingangsfrage Coswig oder Eschborn gar nicht erst stellt, weil jeder Ort auf seine eigene Weise Menschen bindet und bezaubert.

Wie hilft Ihre regionale Wirtschaftsförderung?

Viele UnternehmerInnen haben wenig oder gar keinen Kontakt zur regionalen Wirtschaftsförderung. Dabei ist diese der Ansprechpartner für Wirtschaftsförderung am Standort bzw. in der Region. Wirtschaftsförderung ist eine freiwillige Aufgabe der Kommune. Die Ansprechpartner der Wirtschaftsförderung für Ihren Standort finden Sie auf den Seiten der Kommune. Die Wirtschaftsförderung hilft unter anderem dabei bürokratische Hürden zu nehmen, Fachkräfte anzusprechen und z. B. wie im Landkreis Meißen in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter bzw. der Arbeitsagentur zu qualifizieren und anzusiedeln. Ebenso unterstützt sie bei Projekten und Netzwerken am Standort. Weitere Aufgaben und Ziele finden sie hier.

P. S. Den Nachbericht zum Workshop von unserem Kollegen Sven Lehmann lesen Sie hier.

 

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